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Spielen für die Zukunft

Tennistalent Dominik Petrisic erhält Stipendium

Palmen, Hollywood, The Beach und Surfing USA. Von einem Leben im nordamerikanischen Bundesstaat Kalifornien träumen sicher viele. Für den Füssener Dominik Petrisic ist die Westküste nun tatsächlich zu einer zweiten Heimat geworden.

An der Westcliff University in Irvine, das etwa eine knappe Stunde südlich von Los Angeles Down Town liegt, hat er ein Stipendium für vier Jahre erhalten. Der 22-Jährige gilt als Ausnahme-Tennistalent, groß geworden beim heimischen TTC in Füssen, wo seine Eltern Dragutin und Lidija das Restaurant Croatica betreiben, direkt neben der Tennishalle. Schon im jungen Alter dominierte er im Verein, schaffte es mit elf Jahren bis ins Viertelfinale der Deutschen Meisterschaften, wo er sich in seiner Altersklasse einen Platz unter den besten acht Spielern des Landes sicherte. Als Jugendlicher spielte er dann auch seine ersten internationalen Turniere, unter anderem in Zell am See, Cakovec in Kroatien oder im slowenischen Maribor.

Nach seiner Schulzeit absolvierte Dominik bei der Firma Eberle in Rieden am Forggensee zuerst eine Ausbildung als Maschinen- und Anlagenführer. Der Tennissport war in dieser Zeit eher etwas in den Hintergrund geraten, aber nie aus dem Kopf. Von anderen Spielern, die er bei renommierten Wettbewerben bisher kennengelernt hatte, erfuhr der Füssener dann von der Möglichkeit eines kombinierten Sportstudiums in den USA. Auf seine Videobewerbung, die er über eine Online-Plattform sendete, meldeten sich insgesamt 17 Schulen aus den ganzen USA mit dem Signal, den Ostallgäuer aufnehmen zu wollen. „Da waren Schulen aus Miami, Detroit oder auch New York dabei“, erzählt Dominik. „Für Los Angeles habe ich mich deswegen entschieden, weil sich das Angebot der Westcliff University Warriors sehr gut angehört hat und zum anderen, weil dort auch schon ein paar kroatische Spieler gemeldet waren, die ich kenne.“ Nach verschiedenen Tests, die Dominik bestehen musste, bekam er schließlich eine Einladung. „Ganz so einfach war das nicht“, gesteht er und lacht. „Beim Englisch-Test bin ich zuerst sogar durchgefallen, das hat erst im zweiten Versuch geklappt. Hier zu lernen und dort zu sprechen, das sind einfach zwei paar Stiefel.“

Erste Eindrücke am Pazifik

Anfang Februar dieses Jahres flog Petrisic nun zum ersten Mal nach Kalifornien, um sich einen Eindruck zu verschaffen und die Weichen für die kommenden Semester zu stellen. Für die erste Starthilfe vor Ort hat er zudem Unterstützung von der kroatischen Familie Šimica Rudela bekommen, die ihn sehr liebevoll in Los Angeles aufgenommen hat. Die vergangenen drei Monate waren für den Füssener also eher ein „Einschnuppern“, bevor es im September dann so richtig los geht. „Bisher hatten wir auch nur Online-Unterricht“, sagt er. „Ich habe das Schulgebäude von innen noch gar nicht gesehen. Das wird sich aber dann im Herbst ändern.“ Durch das Vollstipendium, das Dominik erhalten hat, bleiben ihm in seiner neuen Wahlheimat so gut wie keinerlei Kosten hängen. Bei der Frage nach dem Studienzweig hat er sich jetzt erst einmal für Business und International Management entschieden, „was sich aber durchaus noch ändern kann“, sagt er.

Viel Zeit, sich die Umgebung anzuschauen, Ausflüge nach Hollywood und anderen bekannten Sehenswürdigkeiten zu machen oder gar einen der begehrten Nationalparks in der Nähe zu besuchen, hatte Dominik bisher aber trotzdem noch nicht. Denn das Stipendium bedeutet für ihn auch eine Reihe von sehr engen und vielfältigen Verpflichtungen. Ganz oben auf dem Plan steht natürlich das Training des Teams, das aus insgesamt zwölf Spielern besteht, die aus den unterschiedlichsten Nationen kommen, ob aus Brasilien, Italien oder Deutschland. Früh morgens, pünktlich ab sechs Uhr, geht es dabei in den Kraftraum und zum Konditionstraining, danach zum gemeinsamen Frühstück, bevor der Unterricht beginnt. An den Nachmittagen wird dann aktiv auf den Plätzen gespielt, um sich auf die angesetzten Spiele vorzubereiten, die zumeist an den Wochenenden stattfinden. Außerdem sind die Studenten verpflichtet, sich gemeinsam Spiele der anderen Teams der Universität anzusehen, so dass sich die unterschiedlichen Mannschaften gegenseitig – zusammen mit den eigenen Cheerleadern der Warriors – bei ihren Heimspielen unterstützen. Ob beim Schwimmen, beim Fußball, Baseball, Basketball, Volleyball oder Wasserball, unterteilt in Herren-, Damen- und gemischte Mannschaften. Viele der Spiele werden dabei auch im Lokalfernsehen oder per Internet übertragen. „Dafür waren wir in der Freizeit schon in einem NBA-Basketball-Spiel“, erzählt er. „Gemeinsam haben wir uns ein Spiel der L.A. Clippers angesehen, das war schon ein richtiges Spektakel. Dabei konnte ich auch den kroatischen Basketball-Star Ivica Zubac kennenlernen.“

Einheitlicher Dress Code

Immerhin spielt das Westcliff Men‘s Tennis Team in einer offiziellen Liga gegen Mannschaften anderer Universitäten, die etwa aus benachbarten Städten wie San Diego, Palm Desert, San Francisco oder auch aus Arizona und Minnesota anreisen. „Durch die Rückspiele sind wir natürlich auch viel unterwegs“, sagt Dominik. „Meistens fliegen wir zu den Auswärtsspielen, danach geht es aber auch gleich wieder nach Hause.“ Dafür stellen die vier Trainer, die für das Team zuständig sind, die Mannschaft jedes mal neu auf. Nur acht der zwölf Spieler kommen dabei zum Einsatz. Bisher konnte Dominik bereits in sieben Einzel- sowie sieben Doppelspielen sehr gut überzeugen. Immerhin soll er, so sind die Erwartungen der Coaches, das Team in der neuen Saison auch anführen. Tritt das Team öffentlich auf, etwa bei Auswärtsspielen, Anlässen oder Events, gilt dabei stets ein einheitlicher Dress Code. Deutlich sichtbar ist dabei immer das blau-gelbe Logo der Westcliff University Warriors, das neben dem Namenszug mit einem spartanischen Helm mit Schweif versehen ist. „Das nehmen sie dort sehr genau“, sagt Dominik. „Das fängt bei den Schuhen und der Sockenfarbe an und hört bei den Caps auf. Alles muss gleich sein.“

Über den Sommer ist Dominik nun wieder in seiner Heimat, wo er ab und an auch seinen Eltern im Restaurant aushilft, bis er zum Ende des Sommers dann wieder nach Kalifornien fliegt. Dann will er auch endlich die Umgebung um Irvine und Los Angeles genauer erkunden. Bei dem Auslandsaufenthalt steht für ihn vor allem im Vordergrund, sein Studium erfolgreich abzuschließen und seinen Horizont zu erweitern. Der Tennissport ist dabei eher eine Nebentätigkeit, obwohl er sich auch vorgenommen hat, seine Ziele als Teamführer zu erfüllen. „Ich bin froh, dass ich diese Erfahrungen machen kann und dass meine Eltern mir das alles möglich gemacht haben“, sagt Dominik. „Ebenso bin ich dankbar, dass ich bei Gerhard Schöll in der Firma Eberle immer willkommen bin und dort jederzeit einen Ferienjob machen kann. Sonst wäre das alles nicht möglich. Diese vier Jahre werde ich auf alle Fälle durchziehen.“

Text: Lars Peter Schwarz · Foto: privat

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