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Der Kiosk im Füssener Krankenhaus

Zu ihr kommen Patienten, Angestellte, Doktoren, Chefärzte, Chirurgen, Krankenschwestern oder Pfleger und natürlich auch viele Besucher. Gisela Schweiger und ihr kleiner Kiosk im Füssener Krankenhaus stellen längst eine wahre Institution dar. Irgendwann schaut nahezu jeder mal vorbei, sei es, wenn man seine Brotzeit zu Hause vergessen hat, Lust auf einen frisch aufgebrühten Kaffee bekommt, eine aktuelle Tageszeitung braucht oder frühstücken möchte. Vor allem aber lässt sich der emsige Klinikalltag an dem Kiosk für ein paar Minuten lang vergessen.

Die ältere Dame hinter dem Kiosktresen wirkt auf den ersten Moment eher etwas unscheinbar, aber dennoch überaus geschäftig und konzentriert. Immerhin hat sie ihren Beruf als Einzelhandelskauffrau schon in ihrer Jugend offiziell erlernt und nahezu auch ihr ganzes Leben lang ausgeführt. Ihre Ausbildung absolvierte sie bei Bernhard Müller im ersten Supermarkt in der Stadt Füssen, dort wo heute die St. Mang Apotheke untergebracht ist. Auch bei ihrer Vorgängerin Petra Weber war sie schon rund siebzehn Jahre lang angestellt, bevor sie den Krankenhaus-Kiosk im Jahr 2006 schließlich selbst übernahm. Süßigkeiten, Gebäck, Zeitschriften, aber auch Hygieneartikel, Obst, Eiscreme und Kaffeespezialitäten werden hier angeboten. Dazu noch verschiedene Getränke und Backwaren oder Brotzeiten, alles zu sehr humanen Preisen, wie man schnell sieht. „Sicher könnte ich etwas mehr verlangen für die Produkte. Das würde mir allerdings dann doch ein schlechtes Gewissen bereiten“, gesteht Gisela Schweiger.

In all den vergangenen Jahren, in denen sie nun schon hier tätig ist, hat sich vieles verändert. Nicht nur, dass der Haupteingang früher noch direkt gegenüber des Kiosks zu finden war, bevor er vor gut vier Jahren auf die andere Seite der Klinik verlegt wurde. Besucher wie auch Patienten kamen so direkt an dem Kiosk vorbei, was für eine wesentlich höhere Frequentierung sorgte.

Heute sind es neben einigen Patienten besonders die Angestellten des Krankenhauses, die zu Gisela Schweiger kommen. Mit den meisten ist sie per Du. Zudem weiß sie nach so langer Zeit auch über die Wünsche eines fast jeden einzelnen gut Bescheid. In Ausnahmefällen und sofern die Hygienemaßnahmen es erlauben, liefert sie auch innerhalb des Hauses aus. Mal sind es frisch belegte Semmeln, süßes Gebäck oder auch ein Kaffee oder Capuccino – sozusagen für den kleinen Hunger zwischendurch.

Nachdem es nun wieder möglich ist, Sitzgruppen auch im Freien aufzustellen, freuen sich die Patienten und Patientinnen umso mehr, ihren Besuch draußen empfangen zu können. Für Gisela Schweiger ist es ein besonderer Arbeitsplatz, weil sie auch den Umgang mit den Menschen mag und ihr die Arbeit nach wie vor Spaß macht. Ihren Kiosk öffnet sie vormittags und nachmittags jeweils für zwei Stunden, an sieben Tagen der Woche, bis auf den Sonntagvormittag ohne Ruhetag.

Die Zukunft

Martin Wiedemann, Leiter der Füssener Klinik, ist froh darüber dass Gisela Schweiger den Kiosk noch führt. Nichtsdestotrotz muss sich das Krankenhaus jetzt schon um einen Nachfolger oder einer Nachfolgerin kümmern, die sich dieser Aufgabe gewachsen fühlt. Denn das Krankenhaus plant Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen, die, sobald es möglich ist, umgesetzt werden sollen. „Wir müssen den Ansprüchen der Besucher, Patienten und dem Personal gerecht werden. Der Kiosk soll eine angenehme Abwechslung zum Krankenhausalltag für Patienten, Mitarbeiter und Besucher werden. Für manche Patienten und Patientinnen ist es ein hoch emotionaler Ort – denn hier wird gewartet, gelitten, gefiebert, getröstet, geredet und gelacht. Die Bedeutung dieses Rückzugsortes kann man aus all diesen Gründen gar nicht hoch genug einschätzen.“, so Wiedemann.

Text: Lars Peter Schwarz · Foto: Hubert Riegger

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