Lokales

Ukraine Krise: Das Ostallgäu hilft, wo es nur kann

Großes Engagement aus nahezu allen Richtungen

Die Hilfsbereitschaft für die vom Krieg betroffenen Menschen in der Ukraine ist auch bei uns im Ostallgäu immens groß und nahezu überwältigend. Vereine und Einrichtungen in der gesamten Region sammeln Sachspenden, wie Kleidung, Hygieneartikel und haltbare Lebensmittel, die dringend im Land benötigt werden. Institutionen, Kommunen und Ämter bereiten sich seit einigen Tagen schon intensiv auf die Aufnahme von Flüchtlingen vor. Einige Familien sind bereits in unserer Region eingetroffen.

Unterbringungen im Landkreis

Als Folge des Krieges rechnet der Freistaat damit, dass Menschen aus der Ukraine auch in größerer Zahl nach Deutschland flüchten werden. Die Lage sei immer noch unklar, allerdings sei ausgehend von den ersten Informationen mit mehreren Hundert Flüchtlingen auch für den Landkreis Ostallgäu zu rechnen. Um weitere Flüchtlinge aufnehmen zu können, hatte die Ostallgäuer Landrätin Maria Rita Zinnecker Ostallgäuer bereits aufgerufen, freien Wohnraum anzubieten und diesen an die Gemeinden zu melden. „Die Menschen in der Ukraine erleben gerade Schreckliches. Es ist an uns, diese Menschen, wenn Sie zu uns flüchten, menschenwürdig unterzubringen und zu versorgen. Ich sehe das nicht nur als Pflicht, sondern als unseren Beitrag, die humanitäre Lage dieser vor einem menschenverachtenden Regime geflüchteten Menschen zu verbessern.“ Angemeldet werden kann jede Art von Wohnraum, vom einzelnen Schlafplatz bis zum leerstehenden Haus. Neben Privathaushalten ist auch eine Unterbringung in Beherbergungsbetrieben, leerstehenden Gebäuden oder den Turnhallen des Landkreis geeignet. „Wir haben in der Flüchtlingskrise 2015 große Erfahrungen mit der Bereitstellung von Notunterkünften gemacht – gemeinsam mit unserem Partner, dem Roten Kreuz“, so Zinnecker. „Im Notfall könnten wir die Turnhallen innerhalb weniger Tage bereitstellen.“

An der Suche nach zur Verfügung stehendem Wohnraum in der Lechstadt hatte sich anfangs auch Füssen Tourismus und Marketing beteiligt. Per Newsletter wurden als erstes die Gastgeber abgefragt, welche Kapazitäten sie offen haben. „Da haben wir mit rund einem Dutzend Meldungen schon einen guten Rücklauf“. Dabei geht es in erster Linie um die Anzahl der Personen, die aufgenommen werden können und den Zeitraum“, so Tourismuschef Stefan Fredlmeier. „Die Herausforderung für einen Gastgeber ist es jetzt abzuwägen, welche Kapazitäten aufgrund von bestehenden Buchungen wie lange angeboten werden können. Grundsätzlich ist die Hilfsbereitschaft der Menschen auch hier sehr groß.“ Inzwischen wurden sowohl von der Stadt, wie auch vom Landratsamt zentrale Adressen eingerichtet, über die die Koordinierungen nun geleitet werden. „Rund dreißig Meldungen sind bisher bei uns im Rathaus eingegangen“, bestätigte Sarah Schanda, Mitarbeiterin der Stadt Füssen gegenüber Füssen aktuell. „Davon sind etwa zwei Drittel Angebote von Vermietern von Zimmern oder Ferienwohnungen, Gastronomen und Hoteliers. Etwa ein Drittel sind aber auch Angebote von Privathaushalten.“

Rechtsstatus der Geflüchteten

In einem letzten Infobrief für alle haupt- und ehrenamtlich Tätigen sowie Projektträger in den Bereichen Asyl und Integration, hat der Freistaat Bayern nun auch auf den rechtlichen Status hingewiesen, der für geflüchtete Menschen aus der Ukraine gilt. Demnach plant die Bundesregierung die Aufnahme der aus der Ukraine geflüchteten Menschen auf Grundlage der sogenannten Richtlinie zum vorübergehenden Schutz der EU. Sobald diese Richtlinie der EU zur Anwendung kommt, kann den Geflüchteten, die in Deutschland Schutz suchen, nach dem Aufenthaltsgesetz ein zunächst auf ein Jahr befristetes Aufenthaltsrecht erteilt werden, mit Verlängerungsmöglichkeiten auf maximal drei Jahre. Personen mit einem Aufenthaltsrecht sind berechtigt, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zu beziehen. Insbesondere sind sie berechtigt in Asylunterkünften zu wohnen. Sie sind aber nicht verpflichtet dazu, sondern können auch direkt in Privatwohnungen ziehen.

Mit einer Aufenthaltserlaubnis kann eine Beschäftigung von der Ausländerbehörde im Wege des Ermessens erlaubt werden. Es ist vorgesehen, hiervon großzügig Gebrauch zu machen. Auch eine selbstständige Tätigkeit ist möglich. Ebenso können Flüchtlinge aber auch Hilfen erhalten. Dies betrifft, bei Bedarf, einen Platz in einer Asylunterkunft, wie auch Geldleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Vorhandenes Vermögen haben ukrainische Geflüchtete – wie alle anderen Asylbewerber auch – bis auf einen Eigenbetrag vorrangig einzusetzen, bevor sie Hilfe des Staates erhalten. Zudem haben Geflüchtete aus der Ukraine Zugang zur medizinischen Versorgung wie ein Asylbewerber.

Möglichkeiten für Finanzielle Hilfen:

Wer Wohnraum für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine anzubieten hat, kann das bei der jeweiligen Gemeindeverwaltung rückmelden oder an die E-Mail-Adresse des Landkreises, unter asyl@lra-oal.bayern.de. Wer den Menschen aus der Ukraine helfen möchte, kann das auch über regionale Organisationen tun. Im Raum Ostallgäu/Kaufbeuren sind folgende Organisation dabei, Hilfe zu organisieren:

Humedica: IBAN DE35 7345 0000 0000 0047 47 – Verwendungszweck: Ukraine

Lebenshilfe Ostallgäu: IBAN DE48 7345 0000 0000 0147 95 – Verwendungszweck: Ukraine

Rotes Kreuz: IBAN DE63 3702 0500 0005 0233 07 – Verwendungszweck: Ukraine

Text/Bild: Füssen aktuell/Unsplash

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