Kolumne

Von Hundert auf Null

21 Tage dauert es, um eine Gewohnheit zu schaffen, und 90 Tage, um sie nachhaltig im Leben zu integrieren.

Ich stecke mit meiner neuen Gewohnheit noch irgendwo dazwischen. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob wir die 90-Tage-Hürde meistern werden, meine neue Gewohnheit und ich.

Ich habe sie mir nicht ausgesucht und trotzdem ist sie jetzt da, ganz dicht an mir dran. Manchmal will ich zurückgehen, zu dem Zeitpunkt, an dem sie noch nicht da war. Aber das geht nicht. Manchmal gibt es keine Möglichkeit sich zu entscheiden. Vielleicht soll das so sein. Normalerweise treffe ich auf dem Weg immer auf eine Kreuzung. Ich kann dann links herum. Oder rechts entlang. Oder einfach geradeaus weiter.

Ich bin jetzt aber langsam unterwegs. Anders als gewöhnlich. Das ist meine neue, ungewollte Gewohnheit. Plötzlich zieht meine Umgebung nicht wie ein Pinselstrich auf einem Aquarell an mir vorbei. Ich sehe alles ganz genau. Aus jeder Perspektive.

Trotzdem suche ich die nächste Kreuzung und den Weg, auf dem es schneller vorangeht. Ich bin ungeduldig. Auf meiner Suche fällt mir eine besondere Begegnung wieder ein.

Vor mir war dieser Van mit asiatischen Kennzeichen. Eigentlich hätte ich damals längst abbiegen müssen. Bin ich aber nicht. Ich wollte ihm hinterher. Immer weiter. An einem See hielt das Auto dann. Ich war so aufgeregt. Mit gesammeltem Mut im Gepäck und breitem Lächeln stand ich dann vor Jin und seiner Familie. Fünf Minuten später lagen wir uns in den Armen.

Ich bin froh, nicht abgebogen zu sein.

Vielleicht geht es gar nicht um irgendwelche Kreuzungen und die vermeintlich richtige Entscheidung. Vielleicht gibt es keine falschen „Abzweigungen“. Vielleicht kreuzen sich ohnehin alle Wege. Irgendwie. Vielleicht geht es einzig darum, unterwegs nicht stehen zu bleiben. Und vor allem nicht, wenn wir langsam sind.

„Change how you see and see how you change .“

Zen

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