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Den Alltag bravourös mit Höhen und Tiefen meistern

Als wir über Mona Pihusch einen Artikel brachten, war sie 10 Jahre alt und ging in die vierte Klasse der Grundschule in Roßhaupten. Damals erzählte sie uns, dass sie Köchin werden wolle. Sie hörte die Musik von Justin Bieber und hatte Pferdeposter in ihrem Zimmer hängen. Zehn Jahre sind seitdem vergangen. Aus der kleinen Mona ist eine junge, attraktive Frau geworden.

Mona Pihusch mag Mode, sich die Fingernägel lackieren, Tanzen und vor allem klettern. Irgendwann will sie mal in eine WG ziehen, vielleicht mit ihrer besten Freundin Mia, mit der sie zusammen arbeitet, Theater spielt und klettert oder auch mit ihrem Freund. „Doch das Zusammenziehen hat noch ein bisschen Zeit“, sagt sie. Die junge Frau ist 21 Jahre alt und arbeitet in den Wertachtal-Werkstätten. Sie ist in der Montage tätig, eine Arbeit, die ihr Spaß macht. Eigentlich ist sie nicht viel anders, als andere in ihrem Alter. Etwas macht sie jedoch besonders. Sie hat Trisomie 21, bekannt auch als das Down-Syndrom. Und trotz allem bewältigt sie ihren Alltag bravourös, mal mit Höhen und mal mit Tiefen. Irgendwie kommt uns das bekannt vor!

Mona Pihusch weiß, was sie will und was nicht. Klettern zum Beispiel ist etwas, was sie leidenschaftlich gerne macht. Markus Reichart, Leiter der Sportabteilung der Lebenshilfe Ostallgäu, brachte ihr diese Sportart näher. Bedingt durch die Corona-Pandemie konnte sie nicht mehr trainieren. Noch vor einem Jahr trafen sie sich immer montags zum Training. Mit dabei ihre Freundin Mia, die auch das Down-Syndrom hat. Warum sie gerade Klettern fasziniert, erklärt sie in wenigen Worten: „Es ist für mich ein Erfolgserlebnis, weil ich dann sehen kann, was ich geschafft habe.“ Geschafft hat sie einiges, unter anderem drei Medaillen. Denn zwei Mal im Jahr finden Wettkämpfe statt. Einer davon sollte dieses Jahr in Regensburg abgehalten werden. Ob sie dabei sein wird, hängt von den jeweiligen Corona-Bestimmungen ab. Ohne Sport wäre es nicht ihr Alltag. Dazu gehören auch das tägliche Tanzen und die Übungen mit dem Hula-Hop-Reifen. Mona Pihusch braucht ihren geordneten Ablauf genauso wie, dass alles seinen richtigen Platz hat. Irgendwo irgendetwas hinstellen kommt für sie nicht in Frage. Jeden Tag bereitet sie für den morgigen Tag ihre Kleidung vor, manchmal auch für die ganze Woche. Manche nennen dies eine Eigenheit, andere nennen es Struktur, für Mona ist es eine notwendige Selbstverständlichkeit.

Die 21-Jährige träumt davon, Schauspielerin zu werden. Es ist kein abgehobener Gedanke. Ganz im Gegenteil. Sie spielt Theater im „Mobilé“ in Marktoberdorf unter der Regie von Monika Schubert. Je nach Theaterstück sind es mal große oder auch kleine Rollen. „Am Anfang habe ich Lampenfieber. Sobald ich auf der Bühne stehe, ist es aber weg“, meint die Roßhaupterin. Ihre Mutter Simone Pihusch bestätigt es. „Auf der Bühne ist sie ein ganz anderer Mensch.“ Mona Pihusch mag es, in andere Rollen zu schlüpfen oder auch mal Dialekt zu sprechen. Sie wäre auf jeden Fall nicht die erste Schauspielerin mit Down-Syndrom. Luisa Wöllisch hat gezeigt, dass alles möglich ist und dass Träume nicht nur Träume bleiben müssen. Inwieweit für Mona Pihusch ihr Traum in Erfüllung gehen wird, ist ungewiss. Bis dahin wird sie weiter Theater spielen und Musicals anschauen, tanzen und andere Menschen mit ihrem herzhaften und fröhlichen Lachen anstecken.

Für die begeisterte Kletterin hat sich in den letzten zehn Jahren vieles geändert. Trotz mancher Widrigkeiten ist sie ihren Weg gegangen „und den hat sie wunderbar gemeistert“, so Simone Pihusch. Monas starkes soziales Umfeld hat sie darin bestärkt ,ihr Leben so normal wie möglich zu leben wie zum Beispiel ins Kino und mit Freunden Eis essen zu gehen oder zu reisen. Was für manche ganz normal erachtet wird, bedeutet für andere eine perfekte Planung ihres Zeitmanagements und ihrer Terminkoordination. „Egal, wo Mona hingehen will oder muss, es muss immer ein Fahrer dabei sein, oft auch ein Betreuer. Mona stört das gar nicht so, aber für uns ist es manchmal anstrengend und terminlich schwierig“, erzählt ihre Mutter. Daher ist sie dankbar, dass ihre Schwester Mona zum Reiten bringt. Mona weiß, dass sie selbst nie alleine mit dem Bus fahren wird, weil ihr dafür die Orientierung fehlt. Auch der Umgang mit dem Geld ist nicht ihr Ding. Das hindert sie allerdings ganz und gar nicht, mit ihrer Mutter shoppen zu gehen, sich neue Klebetatoos oder Kleidungsstücke zu kaufen. Die junge Frau ist konsequent, insbesondere was ihre Ernährung anbetrifft. Seit Jahren ist sie Vegetarierin und das aus Überzeugung. „Ich will keine toten Tiere essen“, sagt sie kurz und knapp. Süßigkeiten stehen auch nicht auf ihrer Ernährungsliste, denn „das ist nicht gut für die Figur“, sagt sie ernst.

Justin Bieber hört Mona schon lange nicht mehr. Dafür haben es ihr die Lieder von Hansi Hinterseer angetan. Als er in Kempten ein Konzert gab, war sie mit ihrer Oma dort. „Ich kann jedes Lied von ihm mitsingen“, sagt sie und lacht. Es ist ein unbeschwertes Lachen einer jungen Frau, wo einem plötzlich bewusst wird, dass das Augenscheinliche etwas Besonderes und Großartiger ist als nur eine Banalität.

Text: Sabina Riegger · Fotos: Simone Pihusch

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