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Nachgefragt bei Helmut Schauer

Werkleiter der Forggensee-Schifffahrt und der Stadtwerke Füssen

Es waren wieder mehr Menschen im Vergleich zum Vorjahr, die die Angebote und Möglichkeiten der Füssener Forggensee-Schifffahrt genutzt haben. Klar bestimmt war aber auch diese Saison von der immer noch anhaltenden Coronapandemie und den damit verbundenen Auflagen und Regeln, die es einzuhalten galt. Zum Abschluss der Schifffahrtssaison 2021 hat Füssen aktuell mit Helmut Schauer, dem Werkleiter der Forggensee-Schifffahrt Füssen, gesprochen.

Herr Schauer, wie fällt Ihre persönliche Bilanz für das abgelaufene Jahr aus?
Es war für uns jetzt die zweite Coronasaison, allerdings wussten wir wenigstens in diesem Jahr, dass wir überhaupt fahren können. Im letzten Jahr waren die Fahrten über den See auch nur ab der Anlegestelle am Füssener Bootshafen möglich. In diesem Jahr konnten wir wenigstens wieder zwei Anlegestellen anfahren. Wir haben dafür unser Sicherheits- und Hygienekonzept vom letzten Jahr weiterentwickelt, um den jeweils wechselnden Vorgaben gerecht zu werden, was sehr gut geklappt hat. Erheblichen Aufwand bereitet hat uns dabei aber die Einrichtung des Info-Points für die Registrierung der Gäste, um die Kontaktnachverfolgungen gewährleisten zu können. Nachdem über 80 Prozent in Füssen zusteigen, haben wir den Info-Point auch dort eingerichtet. Bei 800 Gästen oder mehr pro Tag können Sie sich vorstellen, wie viel Arbeit hier anfällt. Die Schifffahrt hängt zudem auch immer davon ab, wie viele Touristen in der Region sind. Zwar war die Frequentierung von Urlaubern in Füssen relativ hoch, was uns in diesem Jahr allerdings gefehlt hat, war der klassische Bus-Tourismus, wovon auch wir normalerweise profitieren. Es war eine Saison mit nicht viel vorhersehbaren Eigenschaften.

Sie haben für 2021 extra ein neues Konzept entwickelt. Wie wurde es angenommen?
Sehr gut. Wir haben unser Konzept, das sehr aufwändig war, angepasst. Mit der MS Füssen haben wir, weil wir weniger Anlegestellen anfahren, statt drei nun vier Rundfahrten angeboten, allerdings zeitlich reduziert auf anderthalb Stunden. Bei der MS Allgäu haben wir auch auf dem Sonnendeck Trennwände installiert, wodurch wir rund 50 zusätzliche Plätze anbieten konnten. Das hat uns bis zu 150 Plätze pro Tag mehr gebracht. Das Konzept ist aufgegangen, Dank auch unserer Mitarbeiter, die hier sehr viele Ideen mit eingebracht haben.

Wie fällt die Saison 2021 finanziell aus?
Dafür, dass wir zu Beginn des Jahres noch nicht wussten, was auf uns zu kommt, müssen wir zufrieden sein, dass wir Erträge erwirtschaften konnten. Die Ergebnisse zeigen uns, dass wir auch in diesem Coronajahr Verluste gehabt haben. Wir hoffen allerdings, dass diese Verluste niedriger ausfallen als im letzten Jahr. Die endgültigen Zahlen für das Jahr 2021 liegen uns noch nicht vor.

Welche Besucherzahlen verzeichnen Sie und wie war die Stimmung an Bord?
Insgesamt haben wir 64.246 Gäste befördert, das sind rund 3.300 mehr als im letzten Jahr. Dazu kommen 1.137 Hunde und 448 Fahrräder. Die meisten Gäste kommen dabei aus Bayern, Baden-Württemberg oder anderen Bundesländern. An sich war die Stimmung auf den Schiffen immer sehr gut. Natürlich gab es auch ein paar wenige Fälle und Situationen, in denen manche Gäste mit den bestehenden Maßgaben und Regeln nicht zurecht gekommen sind oder diesen nicht zustimmen wollten. Unsere Mitarbeiter, die alle sehr erfahren sind, wurden unter anderem in Kommunikationsschulungen vorbereitet, so dass sie auch gut reagieren konnten. Ich muss hin und wieder schmunzeln, wenn manche Gäste etwas gestresst oder angespannt aufs Schiff kommen. Man merkt dann, dass sie sich an Bord aber sehr bald wohl fühlen. Wenn sie dann das Schiff verlassen, sind sie oft viel gelöster. So eine Bootsfahrt hat eben auch was Therapeutisches und Beruhigendes.

Wie sehen die Planungen für das nächste Jahr aus?
Insgesamt sind wir auch für 2022 zuversichtlich, obwohl eine gewisse Unsicherheit für die kommenden Monate besteht. Dann muss man schauen, wie man in das Frühjahr hineinkommt. Unser Ziel und Plan ist es, den Info-Point nicht mehr zu bedienen, sondern zu versuchen, das dann auf dem Schiff direkt zu optimieren. Wir hoffen, dass wir die Schiffe dadurch vielleicht noch mehr befüllen können. Immerhin mussten wir dieses Jahr den ein oder anderen Gast aufgrund der Corona-Situation auf eine andere Fahrt vertrösten. Das wollen wir vermeiden, wir wollen den Gast zu seinem Wunschtermin auch mitnehmen. Ein weiteres Thema, das wir anpacken müssen, um die Schiffe auch weiterhin sicher durch den See zu manövrieren, ist die voranschreitende Ver- und Anlandung des Sees, besonders im südlichen Teil. Das hat beispielsweise zur Folge, dass wir eine neue Routenführung entwickeln müssen, um etwa die Anlegestelle Waltenhofen weiterhin sicher anfahren zu können. Mit den Behörden sind wir hierzu schon in Kontakt. So werden wir Waltenhofen wohl nicht mehr wie bisher von West nach Ost, sondern künftig von Süd nach Nord im Lechbett anfahren müssen. Sowohl Route als auch möglicherweise die Zeiten werden wir also teilweise ändern müssen.

Vielen Dank für das Gespräch!
Ich danke Ihnen.

Das Interview führte Lars Peter Schwarz
Foto: privat

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