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100 Jahre TSV Schwangau
„Frisch, fromm, fröhlich, frei“

Der Turn- und Sportverein Schwangau ist ohne Zweifel der größte Verein im Ort. Immerhin stehen rund ein Drittel der Bewohner des Dorfes auf der Mitgliederliste.

Der Turn- und Sportverein Schwangau ist ohne Zweifel der größte Verein im Ort. Immerhin stehen rund ein Drittel der Bewohner des Dorfes auf der Mitgliederliste. Es ist die sportliche Zusammengehörigkeit, die hier seit jeher an oberster Stelle steht. Ob beim Fußball in den Schüler-, Jugend- und Erwachsenenmannschaften, beim Skifahren oder Langlaufen, beim Kinderturnen oder auch bei der Gymnastik in der Damen-, Herren- oder Seniorengruppe. Gegründet wurde der Verein am 20. November 1921 mit dem Zweck der „Hebung und Förderung der Volksgesundheit durch Leibesübungen“, ganz gemäß Turnvater Jahns Leitspruch: „Frisch, fromm, fröhlich, frei“. 45 Mitglieder waren es damals im Gründungsjahr, über 1007 verzeichnet der Verein heute zu seinem großen Jubiläum.

Das Fundament des Clubs bilden die Kinder- und Jugendteams, die bei allen Bemühungen im Mittelpunkt stehen. Immerhin bedeuten die verschiedenen Altersgruppen der einzelnen Sparten auch dementsprechend unterschiedliche Anforderungen, gerade im Hinblick auf die Trainingsgestaltung. Dabei verfolgt der Verein grundsätzlich eine klare Philosophie, die es Kindern und Jugendlichen ermöglicht, unter bestmöglichen Voraussetzungen gefördert und ausgebildet zu werden, von qualifizierten und ausgebildeten Trainern und Sportlehrern. Es ist nicht der kurzfristige Erfolg, der zählt, sondern der Zugang aller interessierten Kinder zum Breitensport, unabhängig von deren sportlichem Talent. Erlebnis statt Ergebnis. Individualität, Kreativität, die Schulung geistiger und körperlicher Fähigkeiten sowie die Stärkung von Motorik, Spielübersicht und Koordination, sind die Ziele und Bausteine der Trainingsmethoden. Dabei werden Werte wie Toleranz, Fair-Play, Respekt, Disziplin und Engagement von Anfang an im Verein vermittelt und vorgelebt, mittlerweile über viele Generationen hinweg.

Große Ereignisse und wichtige Jahre

Als herausragende Ereignisse, so steht es in der Vereinschronik, gelten die Gründungen der Sparten Wintersport 1929, die Wiederbelebung des Vereins 1947, sowie die Gründungen der Sparten Eishockey und Eisstockschießen im Jahr 1951. Ebenso sind hier auch Fahnenweihen oder die Einweihung des Fußballplatzes und Vereinsheimes 1984 sowie einige Jahre später der Turnhalle in Schwangau verzeichnet. Alte Informationsblätter berichten von ersten alpinen Skirennen und Abfahrtsläufen dagegen schon ab Anfang der dreißiger Jahre. Bereits seit 1977 wird mit dem Dorfsportfest der alljährliche Höhepunkt des Vereins ausgetragen. Das im Sommer stattfindende Fest besteht überwiegend aus sportlichen Wettkämpfen, soll aber auch die Kameradschaft unter den Teilnehmern fördern. 1980 waren hier zum ersten Mal auch Damen am Start, seit 2009 gibt es eigene Kinder- und Jugendmannschaften. Die Teams messen sich dabei in verschiedenen Disziplinen, wie im Laufen und Radfahren, Schießen, Bowling, Asphaltstockschießen, Tauziehen oder auch im Holzsägen und müssen ihr Wissen bei verschiedenen Quizfragen unter Beweis stellen.

Altherren-Promi-Mannschaft

So kann der Verein in den vergangenen einhundert Jahren auch auf unzählige sportliche Einzel- und Mannschaftserfolge zurückblicken. Für das prominenteste und erfolgreichste Mitglied in seinen Reihen steht dabei ohne Zweifel der Name von Andreas Schweiger. Der Schwangauer war siebenfacher Deutscher Meister und ab 1976 Mitglied der Biathlon-Nationalmannschaft, mit der er in der Staffel WM-Silber und Bronze holte. Unvergessen bleibt aber auch Skisportler und Langläufer Peter Helmer, der unter anderem um die Olympiateilnahme 1936 kämpfte. Große Erfolge wurden zudem auch immer wieder im Jugendbereich verzeichnet. Darunter zahlreiche Erst-, Zweit- und Drittplatzierungen bei Allgäuer, bayerischen und deutschen Meisterschaften, Sieger im Deutschlandpokal oder Schülercup.

Kinderturnen

Traditionelle Wettbewerbe

Jedes Jahr veranstaltet der TSV Schwangau die verschiedensten sportlichen Wettkämpfe, von denen die meisten mittlerweile auch eine sehr lange Tradition haben. Allen voran natürlich die Clubmeisterschaften in den einzelnen Abteilungen. Allgemeine Veranstaltungen wie der Tegelberglauf, bei dem die Teilnehmer eine Strecke von insgesamt acht Kilometern und 920 Höhenmeter bewältigen müssen, sind in der Laufszene längst tief verankert. So kam es im Rahmen dieses Berglaufs schon zur Austragung mehrerer offizieller Meisterschaften. Aber auch der Schwansee- und der Gaudiskitourenlauf, das Kurzskirennen oder der anspruchsvolle Neuschwanstein Marathon sowie die Langlauf Skate Nacht sind bei Sportlern aus der Region überaus beliebt.

„Es ist dieses besondere und einzigartige Gemeinschaftsgefühl, das es ausmacht. Dazu kommt eine außergewöhnliche Hilfsbereitschaft und ein hohes Maß an Engagement, was die Mitglieder mitbringen“, sagt Artur Kling, der mittlerweile 18. Vorstand in der Geschichte des Vereins. „Früher war es oft so, dass neugeborene Kinder schon gleich nach der Taufe als Mitglieder im TSV aufgenommen wurden. Das ging von Generation zu Generation dann so weiter.“ So sind viele der Mitglieder dem TSV auch schon seit vielen Jahrzehnten treu. Wie etwa Max Lori, der die vereinseigene Ilgmösle Hütte 50 Jahre lang als Hüttenwart betreute. Sogar 75 Jahre Mitgliedschaft sind keine Seltenheit. Ganz neu ist seit diesem Sommer allerdings die neu gegründete Damenmannschaft, in der rund fünfzehn bis zwanzig junge Damen kicken und trainieren. Bisher wurden zwar nur Freundschaftsspiele ausgetragen, bereits im kommenden Jahr soll das Damenteam dann aber auch an einer offiziellen Punkterunde des Verbands teilnehmen.
Feiern zum großen Jubiläum geplant.

Vorstandschaft 2021

Seinen großen Festakt im dann 101. Jubiläumsjahr will der TSV im kommenden Jahr und wenn möglich ganz ohne jegliche Corona-Maßnahmen begehen. Zur Vorbereitung auf das geplante Festwochenende wurde bereits die originale Vereinsfahne zum bisher dritten Mal seit ihrer ersten Weihe im Jahr 1928 frisch restauriert. Geht es nach dem Vorstand, soll auch das Clubheim so bald wie möglich barrierefrei umgebaut, renoviert und modernisiert werden. „Unser Wunsch ist es, den Gastraum im neuen Clubhaus mit viel Glas zu gestalten, so dass man dort freien Blick auf den Trainings- und Hauptplatz hat“, so Kling. „Die Planungen sind soweit fertig. Das geht vom Innenausbau, der Vergrößerung des Daches und der Terrasse, bis hin zu einer neuen ökologischen Heizungsanlage.“ Sobald die Genehmigung vorliegt, können schließlich auch Zuschüsse beim Bayerischen Landessportverband beantragt werden. Ebenso sollen für das großangelegte Vorhaben auch Spenden generiert werden, sei es in finanzieller Weise über ein Crowdfunding oder auch in Form von Leistungen und Arbeiten rund um den Umbau.

Der Nachwuchs beim Schwanseelauf

Die Bausumme schätzt Kling dabei auf insgesamt 200 bis 250.000 Euro. „Wir möchten, dass unser Clubheim mit dem Sportgelände wieder zu einem Treffpunkt für Jung und Alt wird“, sagt Artur Kling. Ein erster Schritt in diese Richtung war bereits die Verlegung des Stockschützenplatzes, der seit Anfang dieses Jahres nun auf dem Clubgelände integriert ist. Auch einen Gastwirt als Betreiber für das Clubheim hält Kling künftig durchaus für möglich. Mit einigen Plänen und vielen Erneuerungen steuert der TSV Schwangau somit in eine neue und vielversprechende Ära seiner bald 101-jährigen Geschichte. „Turnvater Jahns Leitspruch hat uns hundert Jahre lang begleitet und geprägt und wird uns auch in Zukunft weit über die Jahrtausendwende hinaus Verpflichtung und Ansporn sein“, heißt es auf der letzten Seite der Festschrift zum großen Jubiläum. In diesem Sinne: „Frisch, fromm, fröhlich, frei“.

Text: Lars Peter Schwarz · Fotos: Singer Stiftung , TSV Schwangau

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