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Die neue Kastellanin von Schloss Hohenschwangau

Gut 20 Jahre ist es her, dass es auf Schloss Hohenschwangau einen Wechsel in der Führung gegeben hat. Kastellan Gerhard Luxenhofer, der das Amt von seinem Vorgänger Max Lori 2002 übernommen hatte, verabschiedet sich zum ersten Oktober in den wohl verdienten Ruhestand. Mit Barbara Schumann, die bereits in den vergangenen fünf Jahren den Posten der Stellvertreterin ausfüllte, hat der Wittelsbacher Ausgleichsfonds auch schon eine Nachfolgerin gefunden. Zum ersten Mal leitet damit eine Kastellanin das Haus mit der langen königlich bayerischen Geschichte, in dem unter anderem auch die beiden Prinzen Ludwig und Otto groß geworden sind.

Eine Ära endet

Gerhard Luxenhofer war nun insgesamt rund dreißig Jahre im Schloss tätig. In München hatte der Schwangauer ein Studium der Kunstgeschichte begonnen, merkte allerdings schnell, dass dies doch nicht dem entsprach, was er sich vorstellte. Er zog daraufhin nach Berlin, wo er ein Studium an der Hochschule der Künste absolvierte. Nach einigen freiberuflichen Tätigkeiten landete er schließlich aufgrund einer Stellenausschreibung wieder in seinem Heimatort. „Angefangen habe ich hier als Schlossführer 1992“, erinnert er sich. „In all der Zeit hat sich bis heute natürlich sehr viel verändert, nicht nur was die digitale Technik betrifft. In der Halle stand damals noch unsere alte Kasse mit den Tickets zum Abknipsen. Besucherlenkung gab es noch nicht, die ganze Eingangshalle war stets angefüllt mit über 100 Besuchern, von morgens bis abends. Oft reichte die Schlange der Besucher bis zum Hotel Müller hinunter.“ Während sich der Betrieb früher vor allem auf die Ferienzeiten im Sommer konzentrierte, verteilt sich der Andrang der Besucher heute dagegen auf das gesamte Jahr. Allerdings sind auch die Ansprüche der Gäste im Vergleich zur damaligen Zeit enorm gestiegen. Während die Besucher früher mit einer pauschalen Einheitsführung zufrieden waren, werden heute sehr gezielte Fragen zu den historischen Inhalten gestellt. Dies erfordert neben viel Spontanität auch ein erweitertes Grund- und Detailwissen.

Netzwerk, Bürokratie und Führungsalltag

Geändert hat sich bis heute vor allem aber der administrative Aufwand, der zum täglichen Alltag des Kastellans und „Hausverwalters“ von Schloss Hohenschwangau zählt. Besonders zeitaufwändig ist dabei die Einteilung für die Dienstpläne der rund zwanzig Führer und Mitarbeiter, die im Schloss beschäftigt sind. Immerhin werden die Führungen im normalen Vollbetrieb im Fünf-Minuten Takt gestartet, in pandemiebedingten Zeiten nun alle fünfzehn Minuten. Bis zu 35 Personen nehmen gewöhnlich daran teil, jetzt entsprechend weniger. Fällt ein Schlossführer einmal kurzfristig aus, springt der Kastellan auch höchstpersönlich ein.“ Früher war man als Kastellan, sag ich mal, nur so eine Art Geschäftsführer. Heute ist die Tätigkeit mit unglaublich viel Büroarbeit verbunden“, sagt Luxenhofer. „Früher wurden nur ein paar handgeschriebene Listen geführt, heute werden Statistiken erstellt und alles wird digital festgehalten. Heute ist man auch ganz anders vernetzt mit den anderen Abteilungen und Bereichen des WAF.“ Für die Zukunft des Schlosses wünscht sich der scheidende Kastellan, dass die facettenreiche Geschichte der Königsfamilie noch mehr in den Fokus gerückt und der Öffentlichkeit näher gebracht wird.

Interview mit Barbara Schuman

Luxenhofers Nachfolgerin Barbara Schuman kennt all die Abläufe und Szenarien im Schloss mittlerweile ganz genau. Nach dem Abitur wanderte sie für mehrere Jahre in die französische Stadt Nantes aus, um dort Tourismus zu studieren, kam aber immer wieder für Ferienjobs nach Hohenschwangau zurück. Wir haben uns mit der 31-Jährigen unterhalten.

Frau Schumann, wie kam es, dass Sie trotz Ihres langen Auslandsaufenthaltes immer wieder hier im Schloss gearbeitet haben?
In Frankreich studiert man in sogenannten Trimestern. In den Ferien, den langen Sommer- und Winterpausen, kam ich so immer wieder in meine Heimat zurück, um oben im Schloss zu arbeiten. Dabei ist das Interesse an der Geschichte und der königlichen Familie im Lauf der Zeit immer mehr angewachsen, so dass ich für mich beschlossen habe, wieder ganz hier her zu ziehen. Das Schloss war natürlich für mich die erste Anlaufstelle. Für mich stand fest, dass das hier mehr als ein wunderbarer und vor allem nachhaltiger Arbeitsplatz ist. Der Tourismus wandelt sich in der heutigen Zeit sehr schnell. Dieses Haus dagegen hat etwas Zeitloses und Beständiges. Zu meiner anfänglichen Tätigkeit als Führerin kamen dann im Lauf der Zeit immer mehr Aufgaben dazu. In das Amt der Kastellanin wächst man so gesehen hinein. Wir hatten einen Übergang, der über einen längeren Zeitraum ging.

Was fasziniert Sie an der Geschichte der Wittelsbacher?
Es fängt an mit dem Grundwissen, das man sich aneignen muss, um Führungen durch das Schloss zu halten. Danach geht es fast automatisch, es führt eins zum anderen. Man liest ein Buch, das man ganz interessant findet, dann liest man ein zweites. Zudem habe ich hier im Haus auch jede Menge Wissen vermittelt bekommen, die passenden Räumlichkeiten oder Objekte und Ausstellungsstücke dazu gesehen, woraufhin man schließlich beginnt, die Dinge in dieser Welt miteinander zu verknüpfen. So gräbt man sich auch immer tiefer in diese faszinierende Geschichte hinein und das Interesse wird immer größer.

Was bedeutet Ihnen nun diese Position als erste Kastellanin auf Hohenschwangau?
Für mich ist das wirklich die Erfüllung eines großen Traumes, ein großes Glück. Das Wissen, einen spannenden Beruf zu haben, in dem ich täglich mit vielen Menschen zusammen bin, was mir auch sehr viel Spaß macht. Ich weiß, dass sich diese Arbeit zumeist aus vielen verschiedenen Aufgaben zusammensetzt, dazu wird auch immer eine gewisse Art von Krisenmanagement gefragt sein, wenn spontane Situationen aufkommen, um die sich jemand kümmern muss. Auch die Arbeit mit dem Team liegt mir sehr am Herzen, da wir hier sehr eng zusammen arbeiten. Es ist schön, wenn man sich aufeinander verlassen kann. Es ist nicht nur ein Beruf, es ist eine Passion.

Wir wünschen Ihnen alles Gute für Ihre neue Aufgabe.
Vielen Dank. Ich kann mir auch wirklich sehr gut vorstellen, diesen Beruf bis zu meiner Rente auszuüben. Das ist auch eine der großen Freuden, die mit diesem Beruf verbunden sind.

Text · Foto: Lars Peter Schwarz

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