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85 Jahre Alpenfilmtheater in Füssen

Wenn alle vier Säle im Alpenfilmtheater in Füssen voll belegt wären, dann würden 530 Menschen Platz darin haben. Durch die Corona-Pandamie waren viele Kulturbetriebe, so wie das Alpenfilmtheater, geschlossen. Erst vor wenigen Monaten durften sie wieder öffnen und nur 20% ihrer Sitzplätze belegen. Inzwischen darf das Kino wieder zu 100 Prozent auslasten. „Wir haben uns allerdings aus Verantwortung und zum Wohle unserer Gäste auf 70 Prozent beschränkt“, so Lars Doppler.

Vor 22 Jahren, genauer gesagt am 1. April 1999, übernahmen Bettina und Lars Doppler das Alpenfilmtheater. Als zweites Lichtspielhaus in Füssen erbaut, öffnete sich im Alpenfilmtheater erstmals 1936 der Vorhang. Wilhelm Nebel baute damals seinen mit Holzstühlen ausgestatteten Kinosaal, in dem über 450 Menschen Platz fanden. Für wenig Geld konnte man damals ein paar Stunden der Realität entfliehen und in die fantastische Welt der bewegten Bilder eintauchen. Dieses Jahr feiert das Alpenfilmtheater sein 85jähriges Bestehen. Ein stolzes Jubiläum in einer schwierigen Zeit. Einige Male schon wurden die Kinos tot gesagt. Erst war es der Fernseher, dann die VHS-Filmkassetten, kurz darauf die DVD’s und jetzt sind es die Streaming-Dienste, die diese Debatte wieder neu entflammen lassen. Warum sollte man also ins Kino gehen? Eine Studie zum Kinoerlebnis von Psychologin Kerstin Fröbel, die im Deutschlandfunk über den Kinobesuch sagte: „Es scheint ein emotional intensiveres Erlebnis zu sein.“ In einem Gefühlsfragebogen wurden 21 Gefühle abgefragt, bei 15 kam raus, dass sie im Kino stärker erlebt wurden.“ Faszination habe den größten Effekt gehabt, aber auch Traurigkeit. Es gab nur eine Ausnahme: „Langeweile, die wurde zu Hause stärker erlebt“, so die Psychologin.

Keine Frage, Kino gehört zum Gemeinschaftserlebnis und es ist ein sozial-kultureller Treffpunkt. „Ich liebe es in einem ausverkauften Kino zu sitzen und alle lachen. Emotionen sind in meiner Welt etwas Besonders, es steckt andere an. Vor dem Fernseher kann ich es nicht, zumindest nicht in dem Rahmen. Der Mensch ist ein sozialer – er will die Gemeinschaft, er will genießen und das kann Kino“, erklärt Lars Doppler, Filmtheaterkaufmann und Dozent an der MFA-Schauspielschule in München. Das Alpenfilmtheater in Füssen gehört zu den führenden Häusern in Bayern. Die Liste der Innovationen ist lang. Das Lichtspielhaus gehörte nicht nur zu den ersten 3D-Kinos in Deutschland, im Allgäu war es das erste Lichtspielhaus mit einer Dolby Digital Surround-Anlage und gehört heute noch zu den Kinos im süddeutschen Raum mit einer hervorragenden Projektionstechnik. Sie waren auch die ersten mit den D-Box Motion Effect Seats. Damit konnten die Zuschauer die Filme nicht nur sehen, sondern auch spüren. 2018 wurden Kassenautomaten eingesetzt, um Tickets, Snacks und Getränke zu kaufen, im übrigen einer der ersten in Deutschland und im süddeutschen Raum sowieso. „2020 haben wir dann auch das 3. Kino fertig gestellt. Den letzten Teil im hinteren Bereich geändert, 28 Stühle rausgenommen und dafür sieben bequeme Sessel eingebaut. Man sitzt schon separiert, ich würde es fast wie eine Loge bezeichnen“, beschreibt Bettina Doppler die Veränderungen. Ein Aha-Effekt ist die hinter Glas beleuchtete Silhouette vom Schloss Neuschwanstein. Jetzt steht Kinosaal 4 im Fokus der Modernisierung. Auch hier sollen die Wandbespannung, die Erneuerung der Stühle sowie ein neues Lichtkonzept dem Alten weichen. „Das Grunddesign vom Saal ist 23 Jahre alt. Es war an der Zeit, ihn an die anderen Säle anzugleichen. Ich bin es dem Kinogast schuldig, ihm das Bestmögliche zu bieten.“

Text · Foto: Sabina Riegger

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