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Ein Haus voller Geschichte

In diesem Monat feiert das Museum der bayerischen Könige sein 10-jähriges Bestehen. Das Museumsgebäude kann allerdings auf eine weitaus längere Geschichte zurückblicken.

Der Gebäudekomplex, in dem heutzutage sowohl das Museum als auch das Hotel Alpenrose zu finden sind, besteht aus drei Teilen. Der älteste Teil wurde fast 100 Jahre vor Schloss Neuschwanstein als „Neues Bräuhaus“ erbaut. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte es sich zum „Gasthof zur Alpenrose“. Damals befand es sich im Besitz der Familie der Grafen Dürckheim-Montmartin aus Steinganden, die es allerdings nicht selbst bewirtschafteten, sondern verpachteten.

Durch die jährliche Präsenz der bayerischen Königsfamilie, die sich ab 1837 jedes Jahr mehrere Wochen im Schloss Hohenschwangau aufhielt, wuchs auch das öffentliche Interesse am Ort Hohenschwangau. Der Gasthof zur Alpenrose konnte nun auch immer mehr Gäste zählen. Die Gästezimmer waren gut belegt. Der Ort Hohenschwangau eignete sich hervorragend für den Fremdenverkehr. Nicht nur die Seen, die Berge, die atemberaubende, fast unberührte Natur boten eine hervorragende Voraussetzung.

Das Sahnehäubchen bildeten die vielen Vorzüge, die die Aufenthalte der Königsfamilie mit sich brachten. Durch deren große Liebe zur Natur, dem Wandern, Bergsteigen und Jagen erhielt Hohenschwangau ein gut ausgebautes Straßennetz in alle Richtungen und ein Reit- und Wanderwegnetz bis zu den Gipfeln. Das Königssträßchen, die Fürstenstraße, die Reitwege in die Jugend, zur Bleckenau und auf den Tegelberg, um nur einige wenige zu nennen, fanden hier ihren Ursprung. Eine hervorragende Ausgangssituation für Gäste aus nah und fern.

Sechs Wochen nach dem Tod König Ludwigs II. von Bayern wurden die bis dahin ausschließlich privat genutzten Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee für die Öffenlichkeit zugänglich gemacht. Der Fremdenverkehr in Hohenschwangau nahm hierdurch enorm an Fahrt auf. In den ersten zwölf Monaten sollen bereits mehrere Tausend Besucher Neuschwanstein besichtigt haben. Von 18.000 ist die Rede. Die Neugier der Öffentlichkeit war außerordentlich. Man wollte unbedingt einen Blick in die bisher verbotenen Räume des Schlosses werfen, in die sich der Märchenkönig zurückgezogen hatte. Und das, obwohl die Anreise nach Hohenschwangau bis 1889 eher beschwerlich war. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befanden sich in Peißenberg und Biessenhofen. Dort mussten die Reisenden auf Kutschen oder Pferderücken umsteigen. Füssen selbst erhielt seinen Bahnhof erst 1889. Im selben Jahr war es aufgrund des beachtlichen Besucheraufkommens nötig, das Gasthaus zur Alpenrose durch einen Neubau er erweitern. Der Schwangauer Chronist notierte dazu: „Einem längst gefühlten Bedürfnis wurde durch die Vergrößerung des Hotels Alpenrose entsprochen. Idyllisch am Ufer des Sees gelegen, erblicken wir jetzt einen stattlichen Neubau, mit einer größeren Zahl Balkons nebst geräumiger Veranda, welche als Speisehalle benützt wird. Das Hotel enthält 60 schöne möblierte Zimmer mit über 100 französischen Betten und entspricht den Anforderungen der Neuzeit. Küche und Keller bieten Vortreffliches“. 1904 wurde das Hotel durch einen weiteren Anbau erweitert. Der stetig wachsende Zuspruch durch gehobeneres Klientel veranlasste die Familie Wittelsbach, in deren Besitz sich das Haus seit 1894 befand, zu einem großen, identitätsverändernden Umbau. Der Gebäudekomplex erhielt sein heutiges Erscheinungsbild und wurde vom Gasthaus zum Hotel.

Doch die Konkurrenz ließ nicht auf sich warten. Um die Jahrhundertwende entstanden gleich mehrere Hotels und Gasthäuser in Hohenschwangau. So z.B. das Hotel Lisl oder auch das Hotel Schwansee – das heutige Internatsgebäude des Gymnasiums Hohenschwangau – das ebenfalls um die Gunst der hochrangigen Gäste buhlte. 1887 „nur“ als Villa erbaut, avancierte es durch diverse Neubauten und Umbauten über die Jahrzehnte zum Grandhotel. 95 Zimmer mit 150 Betten, mehreren Speisesälen, Salons, einer Bibliothek sowie einer Dunkelkammer für private Fotografen, derer es Anfang des 20. Jahrhundert nur wenige gab, zogen namhafte Hotelgäste an. So residierte beispielsweise ab 24. Juni 1890 Abu-Backer, der indische Sultan von Dschohora auf Malacar einige Tage im Hotel Schwansee.

Aber auch das Hotel Alpenrose erfreute sich großer Beliebtheit. Zahlreiche Gäste aus dem Hochadel, wie beispielsweise das Königspaar von Sachsen, logierten in dessen Räumlichkeiten. Die Gäste speisten in der warmen Jahreszeit auf der Terrasse am Ufer des Alpsees. Und hi und da konnte es passieren, dass berühmte Spaziergänger an den speisenden Gästen vorbeischritten. „Nach dem Bade im Alpsee unternahm Prinz Luitpold mit seinem Jagdhund, den der hohe Herr selbst an der Leine führte, mit Gefolge einen Spaziergang um den Alpsee, bei welcher Gelegenheit er von den anwesenden Gästen in der Alpenrose auf das Ehrfurchtsvollste begrüßt wurde“, notierte ein Chronist. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges nutze man das Hotel Alpenrose erst als Lazarett und später als Flüchtlingsheim. Das Hotel Schwansee wurde zur Kadettenschule und später zum Gymnasium umfunktioniert.

An den Glanz der „guten alten Zeit“ konnte das Hotel Alpenrose nach den Kriegswirren erst nicht mehr anschließen. Ab den 1980-er Jahren fiel es schließlich in einen fast dreißig Jahre währenden Dornröschenschlaf. 2011 eröffnete das Museum der bayerischen Könige in den einstigen Räumlichkeiten des ursprünglichen Gasthauses zur Alpenrose und dem historischen Speisesaal seine Pforten. Der Saalbau wurde im ersten Stockwerk durch ein dreischiffiges Tonnengewölbe erweitert. Bis heute konnte das Museum tausende Besucher in die Geschichte der Bayerischen Königsfamilie entführen, die untrennbar mit dem Ort Hohenschwangau verbunden ist.

Text: Vanessa Richter, Kulturvermittlerin im
Museum der bayerischen Könige in
Hohenschwangau
Foto: Museum der bayerischen Könige

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