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Die Dokumentation einer großen Geschichte

Zehn Jahre Museum der bayerischen Könige

Am 9. September 2011 eröffnete das Museum der bayerischen Könige mit großen Feierlichkeiten seine Pforten. 520 geladene Gäste folgten damals der Einladung des Wittelsbacher Ausgleichsfonds Hohenschwangau. Darunter Seine königliche Hoheit Herzog Franz von Bayern, der die Idee zum Museum hatte. Auf 1.200 Quadratmetern Fläche entstand in einem Teil der Räume des ehemaligen Hotels Alpenrose das Museum der bayerischen Könige. Vier Jahre lang wurde gebaut. Technisch, architektonisch und museal ist das Museum in der obersten Liga der Museen einzuordnen. Hier stimmt die Mischung aus Tradition, Moderne und Eleganz, die das Architekturbüro Staab aus Berlin umgesetzt hat. Der Umbau umfasste eine Erweiterung des historischen Gebäudes mit einem 45 Tonnen schweren Gewölbe aus Stahl. Weil das Dach von beiden Königsschlössern aus zu sehen ist, legte man auf seine Gestaltung besonderen Wert. Es besteht aus Aluminiumschindeln und schimmert in variierenden Rottönen. Doch das ist nicht der einzige Blickfang. Schon der Eingang in das imposante Museumsfoyer lässt mehr erahnen. Der eigentliche Rundgang durch das Museum beginnt im Obergeschoss des dreischiffigen Stahlgewölbes – im „begehbaren“ Stammbaum. Dieser Raum macht es dem Besucher möglich, eine der ältesten Dynastien Europas kennenzulernen. Manch einer wird sicherlich verwundert sein, dass es neben dem bayerischen Märchenkönig Ludwig II. auch noch andere namhafte und sehr interessante Persönlichkeiten der Familie Wittelsbach gab und gibt. Der darauf folgende Saal bildet das Zentrum des Gewölbes – der „Saal der Könige“. In seiner Mitte wird ein prächtiger mehrteiliger Tafelaufsatz aus feuervergoldeter Bronze präsentiert.

Zehn Meter lang ist der Tisch, auf dem der Nibelungen-Tafelaufsatz aus feuervergoldeter Bronze, der zur Hochzeit von Maximilian und Prinzessin Marie von Preußen gefertigt wurde, steht.

Optische Spielerei

Als Genialität erweist sich das dritte Schiff mit seinem 21 Meter langen Panoramafenster, das mit einer optischen Spielerei den Blick auf den Alpsee und das Schloss Hohenschwangau vereint. Durch die Spiegelung des Rahmens und der Streben des Fensters bleibt dem Betrachter nichts verborgen. Die Themen des Museums sind vielfältig und äußerst anspruchsvoll – von Politik über Technik, Kunst und Wirtschaft bis hin zum Gesellschaftlichen Leben und dem Nationalsozialismus – selbst das Ende der Monarchie sind hier dokumentiert und leicht verständlich in digitaler und visueller Form dargestellt. Das Museum der bayerischen Könige ist ein Ort zum Verweilen, ein erstklassiges Pendant zu den Schlössern. Am Ende des Rundganges dürfen sich die Besucher auf den Museumsshop freuen, der Literatur zu unterschiedlichen Familienmitgliedern der Dynastie Wittelsbach, Schmuck, Porzellan aber auch witzige und originelle „Mitbringsel“ zu bieten hat.

10 Jahre sind seit der Eröffnung vergangen und das Museum der bayerischen Könige hat an seiner Attraktivität nichts verloren. Im Gegenteil. Seit einigen Jahren steigen die Zahlen kontinuierlich an. Füssen aktuell sprach darüber mit Kulturvermittlerin Vanessa Richter.

Albert Aulinger (links im Bild) ist der Verwalter des Wittelsbacher Ausgleichsfonds in Hohenschwangau. Vanessa Richter (Kulturvermittlerin) und Chris Marlo (Technischer Leiter) leiten gemeinsam das Museum.

Wie sich das Museum in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat, wie sich das Angebot der Führungen und Veranstaltungen bis heute verändert hat und welche Pläne das Museum für die Zukunft hat, darüber haben wir mit Kulturvermittlerin Vanessa Richter gesprochen.

Was sind neben den Exponaten die wirklichen Besonderheiten des Museums?
Ohne Zweifel die Inhalte der Führungen. In den Führungen erfährt man die spannende Geschichte der Dynastie Wittelsbach mit dem Fokus auf die Zeit des Königtums in Bayern von 1806 bis heute. Dazu bekommt man viele Hintergrundinformationen, die mit jeder Menge Anekdoten gewürzt sind. Es sind nicht nur die harten Fakten und Jahreszahlen, wir erzählen die Geschichte der bayerischen Monarchie anschaulich. Alle unsere Museumsführer verfügen über ein sehr hohes Maß an Wissen. Genau das macht es aus.

Abgesehen von der letzten Zeit, in der vieles durch die geltenden Corona-Maßnahmen nicht möglich war, wie haben sich die Führungen speziell für Kinder entwickelt?
Grundsätzlich können wir sagen, dass wir seit der Eröffnung des Museums einen wirklich großen Zuspruch bekommen haben. Sowohl die individuellen, als auch die öffentlichen Führungen in der Sommersaison werden nach wie vor sehr gut angenommen. Ebenso die Kinderführungen, die sehr beliebt sind, weil die Inhalte kindgerecht aufgearbeitet sind und die Kinder hier spielerisch lernen können. Die Schulklassen, die uns besuchen, kommen dabei aus dem gesamten bayerischen Raum.

Was denken Sie, auf was die ansteigenden Besucherzahlen zurückzuführen sind?
Natürlich ist der Bekanntheitsgrad heute wesentlich höher als noch vor einigen Jahren. Heute werden wir in vielen wichtigen Reiseführern mit aufgeführt. Im Internet haben wir auf den großen Plattformen sehr gute Rezensionen, auch das spielt hier mit rein.

326 Teile zählt das Porzellanservice, das König Ludwig III. und seine Frau Marie Therese anlässlich der Feier zu ihrer goldenen Hochzeit von ihren Kindern als Geschenk erhalten haben. Das Besondere: Jedes Teil ist mit einem anderen Motiv bemalt.

In den letzten zehn Jahren hat das Museum zwei Sonderausstellungen präsentiert. Neben einer Ausstellung über Kurprinz Josef Ferdinand von Bayern, die 2014 zu sehen war, läuft derzeit die Sonderausstellung über Prinzregent Luitpold. Sind weitere Ausstellungen geplant?
Wir mussten erst einmal eine Art Rahmen finden, in dem Sonderausstellungen generell hier im Museum stattfinden können. Diesen Rahmen haben wir nun gut gesteckt. Künftig planen wir in regelmäßigen Abständen Sonderausstellungen zu präsentieren. Hier wollen wir nicht zu viel verraten, aber natürlich ist allein der Ort Hohenschwangau ein Thema, das unbedingt behandelt werden muss. Die intensive Verbundenheit des Ortes und der Bevölkerung zum bayerischen Königshaus ist untrennbar. Auch das Thema Königinnen steht auf dem Plan. Denn alle vier Königinnen finden zu wenig Beachtung. Durch die Sonderausstellungen und auch durch unsere Veranstaltungen wollen wir viele Menschen erreichen und vor allem auch für die einheimischen Besucher das Museum weiterhin interessant halten.

Welche individuellen Führungen bietet das Museum der bayerischen Könige an? Welche Themengebiete gibt es hier oder wo liegen die Unterschiede der Führungen?
Individuelle Führungen bieten wir auf Anfrage im Grunde zu allen Zeiten an. Manche Gäste sind dabei an speziellen Themengebieten, wie Königin Marie, Ludwig oder anderen Mitgliedern der Königsfamilie interessiert. Das versuchen wir möglich zu machen.

Was wären Bausteine, die in den kommenden Jahren noch dazu kommen könnten oder in wie weit kann sich das Museum noch verändern oder erweitern?
Was auf jeden Fall noch ausbaufähig ist, sind die Angebote für Kinder und Jugendliche. Denn wir wollen nicht nur die Kinder ansprechen, sondern auch die älteren Jugendlichen. Interaktive Führungen und Programme stehen hier auf dem Plan. So lange die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus aber noch andauern, liegt das fast alles noch auf Eis. Genau wie unser Veranstaltungsangebot. Wir wollen aber auch künftig gute Redner und Referenten zu spannenden Themen einladen. Gerade die sogenannten Wittelsbacher Wintersemester haben enormen Zuspruch erhalten. Die Besucherzahl hat sich im Lauf des letzten Wintersemesters vom ersten bis zum letzten Vortrag insgesamt vervierfacht. Der Bildungsauftrag, den das Museum der bayerischen Könige hat, soll auch weiterhin im Vordergrund stehen. Das ist uns wichtig.

Museum der bayerischen Könige
Alpseetraße 27 · D – 87645 Hohenschwangau
Telefon / Museumskasse: +49 (0)8362 / 887 252
(Montag-Sonntag)

Text: rie, lps · Fotos: rie(1), Museum der bayerischen Könige

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