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Dave Rich ist neuer Nationaltrainer

Der ehemalige Trainer des EV Füssen, Dave Rich, ist neuer Trainer der Nationalmannschaft der Vereinigten Arabischen Emirate. Der Kanadier, der den EVF von 2007 bis 2009 sowie in der Saison 2012/2013 trainierte und für einige Erfolge sorgte, hat den Vertrag vorerst für ein Jahr unterzeichnet. Dabei ist Rich als Trainer vornehmlich für das Team der Abu Dhabi Storms zuständig. Da die Mannschaft, als eine von insgesamt fünf Mannschaften in den Emiraten, aber das Team mit den meisten einheimischen Spielern darstellt, ist es gleichzeitig auch als Nationalmannschaft des Landes offiziell im Einsatz. Gespielt wird in der Emirates Ice Hockey League, der höchsten Eishockeyliga in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo die Storms unter anderem auf die „Abu Dhabi Scorpions“, die „Al Ain Theebs“ oder die „Dubai Mighty Camels“ treffen.

In seiner Karriere als Spieler war Dave Rich in Deutschland unter anderem für den Adendorfer EC und den EV Duisburg in der damaligen 1. Liga Nord aktiv. Für die Ratinger Löwen bestritt er zudem einige Spiele in der DEL. Nach einer Zwischenstation beim ERSC Amberg beendete er seine Karriere 2002 beim ERC Selb. Als Trainer begann Rich 2005 bei den Eisbären Juniors in Berlin, bevor er dann zum EV Füssen wechselte. Weitere Stationen folgten in Tölz, Landsberg, Passau und Sonthofen. 2015 wurde er Coach der Hamburg Freezers Juniors in der DNL. Zuletzt war er als Trainer beim norditalienischen Verein Hockey Pergine Sapiens beschäftigt. Wir haben mit Dave Rich telefoniert.

Dave, wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen den Abu Dhabi Storms und Dir?

Das war eigentlich ganz einfach. Das Angebot habe ich im Sommer bekommen. Ich war ja jetzt zwei Jahre lang in Pergine Valsugana im Trentino, wir hatten da eine sehr gute Zeit. Aber letztes Jahr, als Covid kam, wurden wir alle nach Hause geschickt. Als dann dieses Angebot im Juli kam, dachte ich zuerst, das ist ein Witz. Aber hier am Persischen Golf wird tatsächlich auch Eishockey gespielt. Also hab ich mir das mal angeschaut und dann gedacht, warum nicht?

Wie sieht Deine Mannschaft aus?

Meine Mannschaft besteht zum größten Teil, gut 90 Prozent, aus einheimischen arabischen Spielern, dazu kommen aber noch zwei junge Spieler aus Russland, drei aus Kroatien und einer aus Lettland. Die Ausländer dürfen uns allerdings nur in der Liga unterstützen, nicht aber in den internationalen Begegnungen. Insgesamt habe ich junge und auch alte Spieler. Hier ist es etwas anders, als in Europa. Ans Aufhören denken manche hier gar nicht. Viele sind auch schon sehr alt. Ich habe einen 44-, einen 45- und einen 49-Jährigen Spieler. Der große Unterschied zum europäischen oder nordamerikanischen Eishockey ist, dass hier, wenn es um die Meisterschaft geht, so gut wie ohne Körperkontakt gespielt wird. Fast alle Spieler haben noch andere Berufe und keiner will hier mit großen Verletzungen vom Eis gehen. Die wollen hier nur Hockey spielen, das ist kein Vergleich zur Ober- oder Bundesliga. Jetzt habe ich noch rund 35 Spieler, bis zum Saisonstart muss ich noch zehn aussortieren.

Wo wird genau gespielt?

Wir spielen hier im Abu Dhabi Ice Rink, einer großangelegten Sportstätte, wo es auch noch Hallen für Handball, Tennis oder Fussball gibt. Finanziert wird das alles vom Staat, bis auf die Spiele der Storms, die privat finanziert werden. Ich bin also bei einem Scheich angestellt, genauso aber auch bei der Regierung. Alles hier ist noch in der Entwicklung, weil das Projekt Eishockey hier erst vor gut zehn Jahren begonnen wurde.

Wie sieht der Spielplan für diese Saison und für Dich genau aus?

Die richtige Saison beginnt jetzt im September. Aber wir spielen auch internationale Turniere und Wettbewerbe. Im April sind wir zum Beispiel auf der IHF Weltmeisterschaft in der Division III in Luxembourg eingeladen. Dort werden wir gegen Türkei, China, Turkmenistan oder Nordkorea spielen und natürlich gegen den Gastgeber. Unser Ziel ist es, so viel wie möglich zu spielen und die Qualität des Teams zu steigern. Außerdem haben wir ein Turnier in Weißrussland und sind auch schon für die Kuwait Olympics gemeldet. Mein Vertrag dauert neun Monate, bis zur Weltmeisterschaft. Danach werden wir weitersehen.

Gibt es auch Fans in den Vereinigten Arabischen Emiraten?

Nicht wirklich. Gestern beim Training waren immerhin gut zweihundert Leute hier, die meisten waren aber wohl Freunde oder Verwandte. Es kann aber auch sein, dass viele deswegen in die Eishalle kommen, weil es hier drinnen schön kühl ist, während es draußen etwa um die 40 Grad hat.

Wo lebst Du in Abu Dhabi jetzt?

Ich wohne hier etwa zwölf Minuten von der Eishalle entfernt. Das ist ein altes Hotel, umgebaut in Wohnungen. Hier habe ich riesiges Wohnzimmer, ein riesiges Schlafzimmer und ein noch größeres Badezimmer. Dazu habe ich hier im zweiten Stock einen tollen Ausblick und unter mir ist ein Restaurant. Morgen gehen wir an den Stand und auch für mein großes Hobby, das Golfen, habe ich hier fantastische Möglichkeiten. Ohne Klimaanlage geht es hier aber nicht.

Ausblick aus Daves Appartement

Wie sehen die Corona Maßnahmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus?

Gleich am Flughafen müssen anreisende Gäste einen PCR Test machen. Ohne den sogenannten Green Pass, einer App auf dem Handy, geht hier gar nichts. Hier in den VAE sind sie wirklich sehr streng mit den Auflagen. Masken tragen muss man auch im Auto und man muss geimpft sein, um überhaupt irgendwo rein zu kommen. Nur beim Training in der Halle brauchen wir keine. Per Fingerabdruck und Augenscan ist man sowieso registriert. Die technische Überwachung hier ist unglaublich.

Wir wünschen Dir Alles Gute weiterhin, Dave!

Vielen Dank und ganz liebe Grüße nach Füssen.

Text/Bild: Lars Peter Schwarz/privat

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