KulturLeben

Zum 200. Geburtstag von Prinzregent Luitpold

Sonderausstellung im Museum der bayerischen Könige

Seine Persönlichkeit steht gewöhnlich eher selten im Mittelpunkt. Erhält er doch, im Vergleich zu den Hauptprotagonisten der Wittelsbacher Familie, wie etwa Ludwig II. oder seiner Cousine zweiten Grades, Kaiserin Elisabeth von Österreich, bekannt als Sisi, meist viel weniger Beachtung. In der über 100-jährigen Geschichte des Königreichs Bayern war er allerdings derjenige, der am längsten das Land regiert hat. Und das, obwohl er als einziger der insgesamt sechs Herrscher gar kein König, sondern „nur“ Prinzregent war. Das Museum der bayerischen Könige in Hohenschwangau widmet Luitpold Karl Joseph Wilhelm Ludwig von Bayern anlässlich seines 200. Geburtstages nun eine Sonderausstellung, die knapp ein Jahr lang zu sehen sein wird.

Als König Ludwig II. im Jahr 1886 abgesetzt wurde, übernahm Prinz Luitpold als Onkel das Zepter. Zwar wurde nach Ludwigs Tod formal dessen Bruder Otto zum bayerischen König proklamiert. Weil dieser aber geisteskrank und damit regierungsunfähig war, übernahm Luitpold an seiner Stelle die Amtsgeschäfte. Seine Regentschaft dauerte am Ende insgesamt 26 Jahre. „Wir wollen seine Geschichte jetzt ausführlich erzählen“, sagt Vanessa Richter, Kulturvermittlerin im Museum der bayerischen Könige. „Anhand von über 90 originalen Bilddokumenten werden wir dabei sein gesamtes Leben nachzeichnen, von seiner Geburt bis zu seinem Tod 1912. Wenn man an ihn denkt, hat man meist diesen älteren Herrn mit einem langen grauen Bart im Gedächtnis, oft mit Jägerjoppe, Hut und der ewig glimmenden Zigarre. Aber er war eine überaus vielseitige Persönlichkeit. Er hat den Zeitgeist verstanden.“ Immerhin gilt Prinzregent Luitpold auch als einzigartiger Zeitzeuge des vollständigen bayerischen Königtums. In seinem langen Leben kannte er alle bayerischen Könige, angefangen von seinem Großvater König Maximilian I. Joseph, bis hin zu seinem Sohn, Ludwig III. Er konnte selbst direkt miterleben, wie sich die Monarchie im Laufe dieses langen Zeitraums verändert hat.

Vanessa Richter, Kulturvermittlerin im Museum der bayerischen Könige, zeichnet für die Sonderausstellung verantwortlich.

Luitpold war anders als alle seine Vorgänger, im Vergleich zu Ludwig II. sogar ein krasser Gegensatz. Man würde ihn heute wohl als „Outdoor-Fan“ beschreiben, denn er liebte die Natur, den Wald und auch die Berge, in denen er allzu oft unterwegs war. Luitpold verbrachte viel Zeit beim Reiten oder auch beim Schwimmen, ob im Nymphenburger Kanal oder in Hohenschwangau. „Dies belegt unter anderem ein Brief, in dem einer seiner Söhne erfreut schrieb, dass der Herr Papa noch im Alter von 88 Jahren mit ihnen im Alpsee schwimmen war“, so Vanessa Richter. „In der Ausstellung gibt es auch ein Foto, auf dem man den Prinzregenten hier beim Baden sieht.“ Sein leidenschaftlichstes Hobby aber war die Jagd, mit der er schon sehr früh begann. In der Nähe von Oberstdorf richtete er sich ein königliches Leibgehege ein, mit einer Fläche von über 130.000 Hektar.

Bei politischen Entscheidungen hielt er sich meist zurück und pflegte dafür eher die repräsentativen Aufgaben, die er pflichtbewusst ausübte. So gelang es dem Prinzregenten auch sehr schnell, die Beziehungen zur Bevölkerung, die nach dem rätselhaften Tod Ludwigs II. eher angespannt waren, wieder zu reparieren. Zahlreiche Anekdoten über die Volkstümlichkeit des Prinzregenten werden noch heute in ganz Bayern erzählt. So sagt man unter anderem in Oberstdorf, dass er den Kindern dort an seinem Geburtstag nicht nur einen schulfreien Tag spendierte, sondern jedem Kind ab dem dritten Schuljahr auch noch gleich einen Schoppen Bier. Er war beliebt, nicht zuletzt auch wegen seiner großen Bescheidenheit. Mehrfach hatte man ihm im Lauf seiner Regentschaft die Königswürde angetragen, die er stets ablehnte. Als er seine Militärausbildung begann, bestand er darauf, den Wachdienst in einem Münchner Wachhäusl zu absolvieren, so wie eben jeder andere gewöhnliche Anwärter auch.

Auf den Wunsch der Münchner Stadtväter, ihm am Nationalmuseum ein Denkmal zu errichten, reagierte er mit der Bitte, damit schließlich bis nach seinem Tod zu warten, da er sonst an dieser Stelle nicht mehr vorübergehen könne. Als er im hohen Alter von 91 Jahren starb, herrschte in ganz Bayern tiefe Trauer über den Tod des hochangesehenen Regenten. Seine Persönlichkeit und sein volksnahes Auftreten hatten ihm viele Sympathien eingebracht. Insgesamt erlebte Bayern in seiner Regierungszeit eine Epoche des Friedens, des wirtschaftlichen Aufschwungs und der kulturellen Blüte, ebenso aber auch des gesellschaftlichen Wandels. München stieg zu einer führenden Kunst- und Kulturstadt auf. Die umfangreiche Sonderausstellung „Prinzregent Luitpold – ein Leben in Bildern“ im Museum der bayerischen Könige zeigt unter anderem zeitgenössische Ölgemälde von Luitpold, Lithografien sowie vor allem fotografische Originalaufnahmen und eine Aquarellserie über den Prinzregenten in Hohenschwangau.

Text: Lars Peter Schwarz
Fotos: Wikipedia (1), privat

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