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Jetzt empfängt sie nur noch privat Gäste

Nach 35 Jahren hat Heidrun vom Bovert das „Haus am Forggensee“ an einen neuen Pächter abgegeben

Seit einiger Zeit kümmert sich Heidrun vom Bovert nicht mehr um die Gäste der Pension „Haus am Forggensee“ im Füssener Weidach, die sie 35 Jahre lang geführt und vor einem Jahr an einen neuen Pächter abgegeben hat. Und während die gebürtige Rheinländerin aus Solingen bis dahin jedem Gast sein Frühstück bereitet hat, kann sie sich in ihrer neuen Wohnung, in der sie seit 1. März diesen Jahres lebt, sogar selbst mal ein Frühstück servieren lassen, wenn sie es denn wollte. Darüber hinaus hat sie nun wieder mehr Muße, ihren Leidenschaften zu frönen, denen sie lange nicht richtig nachgehen konnte. Daran muss sich die 82-Jährige jedoch auch erst noch genauso allmählich gewöhnen, wie daran, ihren Tagen überhaupt eine neue Struktur zu geben. So hat vom Bovert jetzt viel mehr Freizeit für Sport, Musik, das Schreiben von Gedichten und das Genießen der Landschaft.

Ihre Hauptleidenschaft war dabei aber auch als ganz junger Mensch schon neben der „Natur und der Leichtathletik“ insbesondere die Landwirtschaft. So hatte die temperamentvolle Frau bereits von ihren Jugendtagen an den Traum, als Bäuerin einen eigenen Hof zu bewirtschaften. Das gelang ihr denn auch eine Zeitlang, bevor sie und ihr Mann Siegfried ihren Hof Anfang der siebziger Jahre aufgeben mussten und auf Anraten einer Tante, die schon im Allgäu lebte, 1973 nach Schwangau kamen. Dort bauten die beiden das „Landhaus vom Bovert“ am Jürgenfeld, wo sie bis 1983 zehn Jahre lang Ferien– und Urlaubsgäste beherbergten, bevor sie aus familiären Gründen für kurze Zeit wieder nach Solingen gingen. 1985 bot sich dann erneut die Chance, im Allgäu Fuß zu fassen, als die vom Boverts in Füssen das wenige Meter vom Ufer des Forggensees entfernt gelegene „Haus am Forggensee“ kauften. Dieses führten sie mit großem Enthusiasmus und „so ist das Haus mit den Gästen gewachsen“, wie Heidrun vom Bovert erklärt, während sie hinzufügt: „Wir hatten ein buntes Potpourri an Gästen bis hin zum Botschafter und jeder, egal welcher Nationalität, Hautfarbe und Religion war herzlich willkommen.“

Kein Wunder, dass die nach wie vor mit rheinländischem Akzent sprechende Frau, die aber auch den Allgäuer Dialekt beherrscht, einige Anekdoten auf Lager hat, was ihre Pensionsgäste betrifft. Wie etwa die über ein Ehepaar aus Köln, das begeistert über einen „Urlaub auf Kenia“ berichtete, während dem es nicht bemerkt hatte, dass das ostafrikanische Land gar keine Insel ist. Und während sie auch schon mal jemanden aus ihrem Gästehaus hinauskomplimentiert hat, konnte sich vom Bovert, aufgeschlossen und neugierig, wie sie nun mal ist, „mit fast allen Gästen gut unterhalten.“ Deshalb betont sie auch: „Es war interessant.“ In den Jahren zwischen 1985 und 2020 hat sie es dabei immerhin mit gut 40.000 Menschen aus aller Herren Länder, davon „viele US-Amerikaner“, zu tun bekommen, mit denen sie entweder deutsch oder englisch kommunizierte. Dabei hatte sie immer versucht, einen möglichst guten persönlichen Kontakt zu ihnen aufzubauen und ihnen dabei behilflich zu sein, attraktive Tipps für ihren Aufenthalt in Füssen und Umgebung zu geben. Viele Gäste hat Heidrun vom Bovert daher auch im Zusammenhang mit dem jetzigen „Ludwigs Festspielhaus“ kommen und gehen sehen. Seien es Leute, die seinerzeit beim Bau des Kulturtempels oder später als Darsteller in dem Haus beschäftigt waren, oder auch Besucher, wie die Mutter von Konstantin Wecker.

Seit 2005 befand sich im „Haus am Forggensee“ mit seinen 11 Zimmern und 25 Betten schließlich auch eine Yoga-Schule, die vom Boverts Sohn Hartmut geführt und nun aber geschlossen hat. In den vergangenen Jahren hatte er zudem seine Mutter vor allem hinsichtlich der wachsenden Digitalisierung im Gästemanagement mehr und mehr unterstützt. Nicht zuletzt, da Heidrun vom Bovert „heute vieles zu unpersönlich und die Gäste immer anspruchsvoller“ geworden seien, hat sie sich heuer eben dazu entschlossen, sich als berufliche Gastgeberin zur Ruhe zu setzen. Auch wenn sie das „Haus am Forggensee“ beinahe ebenso leidenschaftlich gerne geführt hat wie einst ihren Bauernhof bei Solingen.

Text · Foto: Alexander Berndt

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