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65 Jahre Segelclub Füssen-Forggensee

Zwei sportliche Highlights zum Geburtstag

Der Segelclub richtet eine Deutsche sowie eine Europameisterschaft aus

Mit 65 Jahren, die der Segelclub Füssen-Forggensee heuer alt wird, ist er der „älteste Segelclub am Forggensee“, erklärt sein erster Vorsitzender Jürgen Jentsch nicht ganz ohne Stolz. Großartig feiern wird der 1956 von einigen Wassersportenthusiasten aus Füssen und Umgebung gegründete Verein dieses Jubiläum heuer aber nicht. Während man den Geburtstag in diesem Jahr allerdings „im kleinen Rahmen ein bisschen“ begehen werde, soll es 2026 zum 70. laut Jentsch wieder eine etwas rauschendere Fete geben.

Mit einer kleinen Mole hatte alles angefangen beim Bau eines Hafens am Ufer des Forggensees, dessen Umfang und Ausmaße in den folgenden Jahrzehnten peu à peu zugenommen haben. So bietet er den derzeit 362 Vereinsmitgliedern, darunter rund 80 Jugendliche bis 20 Jahre, heute 64 Liegeplätze im Wasser sowie weitere 66 auf einem Trailer auf der Nordmole an Land für Jollen, Katamarane und Kielboote. „Wir sind kein elitärer Segelclub“, versichert Jentsch, dass man beim SCFF „allen sozialen Schichten gerecht werden“ wolle. Daher spiegelt sich ein breites gesellschaftliches Spektrum an Mitgliedern in den Reihen des Clubs wider, das unter anderem vom Schüler, Handwerker und Beamten über den Zahnarzt bis zum Unternehmer reicht. Alle Segelsport-Interessierten finden damit „einfach ein Angebot“ vor, ihrer Leidenschaft frönen zu können, wobei dies laut dem Vorsitzenden auf jeden Fall „keine Frage des Geldbeutels“ sein soll. Recht bunt präsentiert sich denn auch die Mischung von verschiedenen Bootsklassen beim SCFF, unter denen Einhand- und Tornado-Katamarane allerdings die überwiegende Mehrheit darstellen. Nach Auskunft Jentschs ist der Segelclub Füssen-Forggensee schließlich „eine Hochburg des Katamaran-Segelns“, nachdem die Boote mit doppeltem Rumpf einst wachsende Popularität genossen haben.

Eigens angestellte Trainer gibt es in dem Allgäuer Verein dabei nicht, sondern für bestimmte Schwerpunktmaßnahmen immer nur spezielle Experten, die häufig aus Spanien und Griechenland stammen. Es habe sich herausgestellt, dass dadurch die Lernkurve der SCFF-Sportler steigt, erzählt Jentsch. Indes habe Segeln seiner Einschätzung nach in jüngster Zeit „ein gewisses Comeback erfahren“, weshalb man beim Segelclub nach Corona-bedingter Pause auch wieder die Freitagsregatten aufleben lassen möchte, bei denen „jeder mitfahren“ kann. Immerhin ist der Forggensee „ein sehr schönes Segelsport-Revier zu bestimmten Jahreszeiten mit phasenweise sehr, sehr starken Winden.“ Die Zeit, ihn nutzen zu können, ist dabei ziemlich begrenzt und dauert nur von Juni bis Mitte Oktober.
Jürgen Jentsch freut sich deswegen ganz besonders, dass der SCFF heuer im Jubiläumsjahr am 17. und 18. sowie vom 21. bis 25. Juli zwei sportliche Großereignisse organisieren darf. Demzufolge geht dann zuerst die vom Vorsitzenden als „warm up“ bezeichnete Internationale Deutsche Klassen-Meisterschaft und der Alpencup auf dem Gewässer zu Füßen von Schloss Neuschwanstein über die Bühne, bevor die Open-, Mixed- und Jugend-Europameisterschaft 2021 in der Tornado-Klasse stattfindet. Letzteres stellt dabei „heuer das Highlight schlechthin“ im Veranstaltungskalender des Segelclubs Füssen-Forggensee dar.

Zwei erfolgreiche Aushängeschilder für die Jugendarbeit beim Segelclub Füssen-Forggensee
Die 19-jährige Estela Jentsch und der 15 Jahre alte Benjamin Rades haben klare Ziele vor Augen

Beim Segelclub Füssen-Forggensee (SCFF) haben im Laufe seiner mittlerweile 65-jährigen Geschichte schon einige erfolgreiche Wassersportler wie etwa der mehrfache deutsche Meister Bob Baier besonders auf sich aufmerksam gemacht. Auch sie alle haben dabei allerdings mal klein angefangen. So spielt die Kinder- und Jugendarbeit unter der Leitung von Sarah Jentsch eine sehr gewichtige Rolle bei dem Verein. Mit dem 15-jährigen Benjamin Rades und der 19 Jahre alten Estela Jentsch kann er denn auch derzeit zwei junge vielsprechende, hochkarätige Talente als sportliche Aushängeschilder vorweisen. In „Füssen aktuell“ berichten die mehrmalige Weltmeisterin in der Tornado-Klasse sowie der letztjährige Gewinner einer bayerischen Meisterschaft am Chiemsee im Laser-Boot über ihre große Leidenschaft.

Wann und wie seid ihr zum Segeln gekommen?
Estela Jentsch: „Richtig aktiv segeln tue ich schon seit ich fünf Jahre alt bin. Aber schon vorher war ich als kleines Kind mit meinen Eltern unter anderem in Spanien beim Segeln.“
Benjamin Rades: „Ich bin mit neun zum Segeln gekommen. Damals fand beim SCFF eine Jugend-Schnupperwoche statt und da hat mich das Segelfieber gepackt.“

Warum segelt ihr, beziehungsweise, was ist das Besondere am Segeln, weshalb ihr euch für diesen Sport entschieden habt?
Jentsch: „Für mich spielt die Gemeinschaft speziell hier im Club eine große Rolle und ich mag es einfach, auf dem Wasser zu sein und Abstand von anderen Dingen zu gewinnen. Darüber hinaus gefällt mir das Element Wind gut.“
Rades: „Das Gemeinschaftsgefühl macht auch für mich viel aus. Außerdem habe ich Spaß am strategischen Denken und daran, dass man beim Segeln den Fokus ganz speziell darauf richten muss, was gerade auf dem Wasser passiert.“

Ist der Forggensee ein gutes Segelrevier?
Jentsch: „Auf jeden Fall. Er bietet nämlich viele verschiedene Bedingungen und stellt deshalb auch für erfahrenere Segler manche Herausforderungen dar, die einen in der sportlichen Entwicklung voranbringen.“
Rades: „Ich finde den Forggensee vor allem deswegen super, weil er mit den umliegenden Bergen inmitten einer tollen Landschaft liegt und man gut auf ihm lernen kann.“

Habt ihr sportliche Vorbilder?
Jentsch: „Ja. Das ist für mich Santiago Lange aus Argentinien, gegen den ich auch schon mal gesegelt bin.“
Rades: „Mein Vorbild ist Philipp Buhl aus Immenstadt.“

Welche sportlichen Ziele habt ihr?
Jentsch: „Ich möchte an den Olympischen Spielen 2028 in Miami teilnehmen.“
Rades: „Mein Traum ist es, irgendwann Mitglied des deutschen Nationalteams zu sein und unter die Top 15 in der Weltrangliste zu kommen.“

Text · Foto: Alexander Berndt(1) · Hubert Riegger (1)

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