KulturLeben

Nachgefragt! 70 Jahre Kaisersaalkonzerte

bei Karina Hager, Kulturamtsleiterin der Stadt Füssen

Am 8. Juli 1951 veranstaltete der Leiter der städtischen Singschule Hanns Lang das erste öffentliche Konzert im Fürstensaal und verwirklichte damit einen lang gehegten Wunsch der Füssener Musikliebhaber. Nach den Kriegsjahren war die Bevölkerung regelrecht „ausgehungert“ und nahm das Kulturprogramm mit großer Freude an. Die im Krieg beschädigten Fenster des Fürstensaals wurden erneuert und so stand der Nutzung des Saales nichts mehr im Wege. Am Freitag, dem 22. Juni 1951 kündigt ein Bericht im „Allgäuer“ die geplanten Konzerte im Fürstensaal an. Darin heißt es u. a.: „ (…) Über 100 Kerzen werden an diesen Musikabenden den Fürstensaal festlich beleuchten und eine Atmosphäre schaffen, die die Musik des Barock stimmungsvoll zur vollen Geltung kommen lassen wird. Dann wird der Saal künftig die Beachtung finden, die er verdient, und so mancher Musik- und Kunstfreund wird in ihm eindrucksvolle, unvergeßliche Stunden erleben.“ Füssen aktuell sprach mit Karina Hager über die besonderen Konzerte und den Gründer der Kaisersaalkonzerte, die früher den Namen Fürstensaalkonzerte trugen.

Es steckte sicher sehr viel Idealismus dahinter, diese besonderen Konzerte zu veranstalten, zumal Hanns Lang das alles selber finanziell stemmen musste.
Es war ein langgehegter Wunsch von ihm. Man kann sicher sagen, dass es Idealismus war. Seinem fundiertem Fachwissen ist es zu verdanken, dass die Kaisersaalkonzerte von Anfang an auf einem hohen künstlerischen Niveau standen und von Publikum und Fachwelt anerkannt wurden. Tatsächlich finanzierte er alles alleine. Der Kaisersaal wurde ihm kostenfrei zur Verfügung gestellt. Im ersten Jahr verbuchte er ein Defizit von 83,40 DM. Als er 1952 die Stadt um den Ausgleich eines Fehlbetrages von ca. 500,– DM bittet, wird dieser zwar übernommen, aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er in Zukunft als Veranstalter „den Mehrausgaben Rechnung tragen sollte, da derartige Defizite nicht mehr auf die Stadt umgelegt werden können“. In den Folgejahren hat er das dann auch gemacht.

Wenn man bedenkt, dass das durchschnittliche Nettojahreseinkommen etwa 3.500 DM betrug, war das sehr viel Geld.
Durchaus. Sein Sohn Wolfgang Lang berichtete viele Jahre später, dass die Mutter mit Ihrem Geschäft in Schwabmünchen, wo die Familie lebte, den eigentlichen Lebensunterhalt bestritt. Ab 1959 wurde er durch das Gästemeldeamt organisatorisch und gleichzeitig von der Stadt Füssen und dem Landkreis finanziell unterstützt. Er bekam einen Zuschuss von etwa 500 Mark.

Wann wurden die Konzerte dann von der Stadt komplett übernommen?
Dass war 1977, als Bürgermeister Otto Wanner das Kulturamt unter Leitung von Cilly Kahle gründete. Sie übernahm gemeinsam die Organisation und Betreuung der Konzertreihe mit Alfons Nieberle, der sich schon ehrenamtlich um die Konzerte kümmerte. Auch er hatte ein großes Netzwerk an Künsler*Innen, so wie Hanns Lang, der 1968 verstarb, und Oberlehrer Schweiger, der die Konzerte vier Jahre lang organisierte. Etwa 1990 habe ich es dann gemeinsam mit Alfons Nieberle übernommen. Er kümmerte sich um die künstlerische Auswahl und ich um das Organisatorische. Ich habe sehr viel von ihm gelernt, über die Musik und worauf es ankommt. Irgendwann sagte er, „du brauchst mich nicht mehr, das kannst du alleine“ – ich glaube, das war Mitte der 90er Jahre.

Warum wurden die Fürstensaalkonzerte in die Kaisersaalkonzerte umbenannt?
Während der Landesausstellung 2010 wies uns in einer kulturhistorischen Betrachtung Prof. Dr. Franz Matsche darauf hin, dass der Saal aufgrund seiner baulichen und künstlerischen Gestaltung als „Kaisersaal“ konzipiert sei. Um dieser Bedeutung im Sprachgebrauch Rechnung zu tragen, wurden der Saal und damit auch die Konzertreihe 2011 umbenannt.

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Welche Veränderung führten Sie bei den Kaisersaalkonzerten ein?
2001 entstand parallel die Reihe Jazz und Modernemit kammermusikalischem Jazz, Weltmusik und neuer Musik zwischen Klassik, Pop-, Rock-, Volksmusik und anderen Stilrichtungen. Ergänzend zur Klassik kann damit das große Spektrum der Kammermusik erschlossen und ein erweitertes Publikum begeistert werden.

Wie ist die Akzeptanz?
Sehr gut.

Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und alles Gute.
Vielen Dank.

Text · Foto: Sabina Riegger

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