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Lebensrettende Technik

80 Jahre Bergwacht Füssen

Hilfe leisten, Menschen in Sicherheit bringen und vor allem Leben retten. Egal bei welchen Wetterverhältnissen, ob in gut oder scheinbar unerreichbarem Gelände und egal zu welcher Tageszeit. Das sind die Aufgaben der Bayerischen Bergwacht. In unserer Sonderserie zum Jubiläum der Bereitschaft Füssen, die im Herbst ihr 80. Gründungsjahr feiern kann, geben uns langjährige Mitglieder und Weggefährten einen umfangreichen Einblick in ihre Arbeit, wie auch in die Geschichte der Bergwacht. Dank einer modernen und hochentwickelten Technik, speziellen Werkzeugen und umfangreichen Ausrüstungen für nahezu alle Wetter-, Höhen- und Geländeverhältnisse sind die Bergretter heute hervorragend ausgestattet.

„Das umfassende Thema Technik fängt natürlich bei unseren drei Fahrzeugen schon an“, sagt Einsatzleiter Hubert Vogler, der auch die Aufgabe als Hausmeister der Rettungswache in Füssen übernommen hat. Immerhin war die Bergwacht noch bis vor wenigen Jahrzehnten völlig auf die eigene Muskelkraft angewiesen, ohne jeglichen motorisierten Fortschritt. „Neben dem Einsatzleiterfahrzeug haben wir heute einen VW-Bus und ein Amarok als Rettungsfahrzeug. Vor Kurzem haben wir auch noch ein ATV, ein sogenanntes All Terrain Vehicle, dazu bekommen.“ Zur technischen Ausstattung zählen ebenso verschiedene Akias und Gebirgstragen, Seile, Kletterausrüstungen, bis hin zur Bohrmaschine, GPS- und Funkgeräten oder einem Anhänger für die mobile Helikopterbetankung. „Man denkt immer, die Aufgaben der Bergwacht beziehen sich nur auf die Bergrettung“, erklärt Jörg Häusler, stellvertretender Materialwart der Füssener Bereitschaft. Der gebürtige Franke ist als „Projektleiter Bergwaldbrand“ einer von insgesamt 33 festangestellten Kräften der Bayerischen Bergwacht. Seine Tätigkeit bei der Füssener Bereitschaft übt er, wie alle anderen seiner Kollegen, ehrenamtlich aus. „Zu unseren Aufgaben gehört aber auch die Höhlen- und Schacht- oder die Canyoningrettung. Und auch bei der Evakuierung aus Seilbahnen oder bei Flutkatastrophen sind wir im Einsatz. Das Spektrum ist groß. So war unter anderem auch einer unserer Hundeführer in Rettenberg dabei, als dort vor einigen Jahren ein Haus explodierte. Er half bei der Suche nach Verschütteten.“

Basisausrüstung und Spezialausrüstung

Grundsätzlich ist jeder einzelne Bergretter mit einem prall gefüllten Rucksack, seiner PSA, ausgestattet. Feste Bestandteile der persönlichen Schutzausrüstung sind ein Helm, Brust- und Hüftgurte, Abseilvorrichtungen für den Hubschraubereinsatz oder Karabiner, Steigeisen und Schuhketten. „Das ist die Basisausrüstung“, sagt Hubert Vogler. „So gut wie alle Retter verfügen heute natürlich auch über ein Funkgerät. Über GPS-Sender, die am Mann getragen werden, können wir zudem die genauen Positionen der Kollegen in der Zentrale verfolgen. Das hilft besonders bei Vermisstensuchen, hier lässt sich dann exakt ablesen, welche Bereiche im Gelände bereits abgelaufen sind und welche nicht.“ Die allgemeine Grundausrüstung wird je nach Art des Einsatzes schließlich mit den jeweils nötigen Gerätschaften ergänzt.

So stehen mehrere Pakete mit unterschiedlichen Seillängen – und -stärken immer griffbereit im Lager. Ebenso gibt es vorgefertigte Säcke für den Lawineneinsatz oder die Bergung von Gleitschirm- und Drachenfliegern. „Die meisten dieser Pakete sind bei allen Bergwachten Standard“, sagt Vogler. „Dazu hat jede Bereitschaft aber auch einzelne Geräte und Spezialausrüstungen, die eher seltener benötigt werden. Wie etwa unser 400 Meter langes, undehnbares Dyneema-Seil, das unter anderem dann zum Einsatz kommt, wenn wir Menschen aus einer Gondel retten müssen.“ Dabei bedeuten die verschiedenen Ausrüstungen und Geräte auch ein zusätzliches Gewicht, das die Retter zum Einsatz tragen müssen. Ohne Zweifel zählt die Füssener Bereitschaft in Bayern auch zu einer der Dienststellen mit dem breitesten Spektrum an Aufgaben. Falls nötig, werden zusätzliche technische Geräte von anderen Organisationen angefordert, wie etwa Scheinwerferanlagen der Feuerwehr oder des THW.

Jährliches Training im ZSA

Um für außergewöhnliche Situationen dementsprechend vorbereitet zu sein und fachliches und technisches Wissen aufzufrischen, nehmen alle Mitglieder der Bayerischen Bergwacht einmal im Jahr verpflichtend an speziellen Schulungen teil. Im ZSA, dem Zentrum für Sicherheit und Ausbildung in Bad Tölz, das weltweit einzigartig ist, werden verschiedene Rettungsszenarien erprobt. So wird nicht nur die Arbeit am und im Helikopter trainiert, auch Bergungen aus einem Klettersteig oder andere ungewöhnliche Situationen werden durchgespielt. Dafür ist die überdimensionale Halle unter anderem mit einer Simulationsanlage für Luftrettung, künstlichen Höhlen und Kletterwänden, Flugsimulatoren oder auch einer Kältekammer ausgestattet. Ob Bergwacht, Feuerwehr, THW oder die GSG 9 der Bundespolizei, ja sogar Spezialeinheiten aus dem Ausland, die verschiedensten Rettungsteams kommen hier her, um zu trainieren. „Die Bergwacht ist eine Einheit des Katastrophenschutzes“, ergänzt Jörg Häusler. “Wir arbeiten also alle zusammen, auch wenn das nicht der tägliche Fall ist.“

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Text · Foto: Lars Peter Schwarz

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