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Das Osterei in der Volksheilkunde

Diesmal vielleicht ein etwas kurioses Thema, aber ich fand es einfach sehr interessant… Anfang April ist ja schon Ostern und deshalb für Sie jetzt schon eine kleine „Einführung“ über das Osterei!

Bei meinen Recherchen habe ich selbst noch viel Neues und kaum Bekanntes gelernt und würde es gerne mit Ihnen teilen.

Dass der Hase keine Eier legt, ist eigentlich schade, denn das hat mir als Kind immer besonders gut gefallen, aber erstaunlicherweise gibt es sogar einen historischen Hintergrund dazu, denn das Wort Ostern leitet sich angeblich ab von der germanischen Frühlingsgöttin Ostara, der der Hase als heiliges Tier zugeordnet wurde. Aber natürlich hat das Ei schon in den Bräuchen vieler Völker eine jahrtausende alte Tradition, sei es bei den Ägyptern, Persern, Griechen oder Römern. Es galt bei ihnen als Symbol der Wiedergeburt. In den slawischen Völkern wurde das Ei mit der Fruchtbarkeit des Bodens verbunden, mit dem Erwachen der Natur nach dem Winter. Gefärbte Eier, die heutigen Ostereier, gab es bei den Slawen wahrscheinlich bereits lange vor Annahme des Christentums.

Welch seltsame und teils auch skurrile Anwendungsbereiche und Bräuche es rund um das Oster-Ei gab und sicher heute noch gibt, möchte ich Ihnen vorstellen:
So gibt es z.B. aus der Symbolmedizin des Mittelalters und der frühen Neuzeit die Vorstellung, dass man eine Krankheit von sich wegleiten kann, wenn man ein Ei in einen Ameisenhaufen legt, wo es die Ameisen wegfressen. Viele Ratschläge aus der Volksmedizin scheinen dagegen aus Erfahrungen zu entstammen, so etwa das Aufbringen von Eidotter oder Eiklar auf Brandwunden – natürlich heute nicht mehr gebräuchlich! Mit Mehl und Honig vermischtes Eigelb sollte als Pflaster bei Blattern, also den Pocken, wahre Wunder wirken. Mit anderen Zusätzen wurde Eigelb zu Umschlägen verwendet. Aus einem „gebrannten“ Ei, ich nehme an, dass hier ein gekochtes Ei gemeint ist, sollte mit Wein und Wasser ein Allheilmittel zusammen gebraut werden, wie es aus einem alten Rezept von 1529 überliefert wurde. Viele dieser Brauchtümer gab es nicht nur in Deutschland, sondern in ähnlicher Form in ganz Europa. Spezielle „Indikationen“ für das Osterei sind u.a. aus der heutigen Slowakischen Republik bekannt. Da heißt es: „Das Halsweh heilte, wenn man ein Ei an den Hals legte.“ Besonders wirksam soll das Osterei gewesen sein, das in der Nacht der Auferstehung in der Kirche war. Die Gelbsucht wurde auf zweifache Weise behandelt: Entweder trank man zerriebene Eierschalen in Wasser oder man setzte den Kranken dem Rauch aus, der beim Verbrennen der Eierschalen entsteht. Auf ähnliche Weise wurden Rotlauf der Schweine, Krankheiten der Blase sowie Tuberkulose geheilt. Epilepsie vertrieb man durch das Ausblasen eines rohen Eis über dem Kranken. Danach wurde die leere Eierschale mit Mohn gefüllt und vergraben. „Wie dieser Mohn nie aufkeimt und Frucht bringen wird, so wird die Epilepsie nie wiederkehren.“ Auf Brandwunden wurden Häutchen von einem Ei aufgelegt, auf größere Wunden wurde Eiweiß aufgetragen. Die Heilwirkung eines Ostereis wurde stets höher eingeschätzt als die des gewöhnlichen Eis. Aus dem Elsass wird berichtet, dass die Väter jedem ihrer Kinder ein rotes Ei übergeben haben, um deren vorzeitigen Tod abzuwenden. Auf der gleichen Vorstellung beruht eine Gesundheitsregel aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts:„Auf Ostern iss hartgesottene Eier, dann bist du das ganze Jahr gesund.“

Die obigen Vorschläge sind jetzt ja nicht unbedingt etwas zum Nachmachen, aber ich habe Nichtsdestotrotz einige sehr gute Ideen, wie man Eier, speziell deren Schalen, hier natürlich nicht der gefärbten, im Rahmen unserer Gesundheit einsetzen kann.

Nach Angaben verzehren die Deutschen jährlich 17 Milliarden Eier. Aus einer Studie des „National Institute of Health“ geht hervor, dass Eierschalen zu 90% aus purem Kalzium bestehen, einem lebensnotwendigem Mineral, das u.a. für den Muskel- und Knochenaufbau, Zähne und Nägel notwendig ist, um die Reserven zu ergänzen und aufzufüllen. Einfach so sollten Sie die übrig gebliebene Eierschale natürlich nicht verzehren. Zu groß wäre die Gefahr, mit Salmonellen oder anderen Erregern in Kontakt zu kommen.

Doch in nur wenigen Schritten kann man aus der Hülle ein gesundes Pulver herstellen. Nach Möglichkeit Bio-Eier verwenden! Die Eierschalen dafür zunächst gründlich in einem Sieb ausspülen, dabei sollte das feine Häutchen, das die Schale von innen umschließt, möglichst erhalten bleiben. Jetzt werden die Eierschalen für zehn Minuten in kochendem Wasser abgekocht, so geht es Keimen und Erregern an den Kragen. Wichtig ist, dass die Schalen dabei komplett von Wasser bedeckt sind. In der Zwischenzeit den Backofen auf 95 Grad aufheizen. Die gekochten Schalen auf ein Blech legen und die Hüllen 15 Minuten im vorgeheizten Ofen backen. Nachdem die knusprigen Schalen abgekühlt sind, können Sie sie in einem Mixer, einer Kaffeemühle oder einem Mörser zu einem feinen Pulver vermahlen. Das lässt sich wunderbar unter die täglichen Mahlzeiten oder in Getränke mischen. Ein halber TL dieses Pulvers genügt bereits für den Tagesbedarf, er enthält 400 mg Kalzium!
Wem das zu aufwendig sein sollte, kann dieses Pulver auch natürlich fertig kaufen, für den Menschen, aber auch für Tiere als wertvolle Nahrungsergänzung.

Aber auch für andere Anwendungsgebiete ist das
Eierschalenpulver sehr gut einsetzbar:

  • Bei Osteoporose ist Kalzium ja bekanntlicherweise angesagt, hier können je nach Beschwerdebild bis zu 1200 mg täglich eingenommen werden. Auch Kinder während der Wachstumsphase und schwangere Frauen profitieren von entsprechenden Dosen. Nach Knochenbrüchen wird eine zusätzliche Gabe angeraten, um die Heilung zu beschleunigen.
  • Zur Stärkung des Immunsystems wird es in der Volksmedizin gerne verwendet, um die Immunität von Erwachsenen und Kindern zu stärken. Der Vorteil besteht darin, dass es neben Kalzium noch verschiedene andere Mineralien enthält, die zur Stimulierung der Bildung von Lymphozyten (Immunzellen) im Knochenmark erforderlich sind.
  • Für die Haare ist Kalzium der Schlüssel zur Schönheit. Diese Probleme betreffen ja leider häufiger uns Frauen. Wenn diese auftreten, also z.B. bei Haarbruch, dünnem Haar oder sprödem Aussehen wird empfohlen, 1/3 TL des Pulvers mit dem Inhalt von zwei Fischölkapseln zu mischen und regelmäßig als Haarkur aufzutragen. Eine weitere Möglichkeit wäre eine Gurke im Mixer zu zerkleinern, 1 EL Eierschalenpulver hinzuzufügen und das Ganze mit Olivenöl zu ergänzen. Diese Mischung wird ca. 20 Minuten auf den Haaren belassen und danach gut mit Shampoo ausgewaschen. Eine Anwendung 2 x im Monat wäre sicher gut.
  • Eierschalen eignen sich auch ganz hervorragend untergemischt als Bodendünger, besonders auf sauren Böden.
  • Bei Hunden mit Durchfall die gemahlenen Eierschalen mit Kaffeesatz vermischen. Eine kleine Menge zum Futter geben. Ein einfaches, aber sehr effektives altes Hausrezept!

Übrigens: auch wenn man mit Fettstoffwechselstörungen zu tun hat, darf man sich schon mal ein Osterei gönnen, es müssen ja nicht gleich vier oder fünf sein, besonders dann, wenn man mit anderen Cholesterinträgern wie fettem Fleisch, Käse, Butter etc. etwas vorsichtig ist – dann schadet es auch in diesem Fall der Gesundheit nicht!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes und und gesundes Osterfest und genießen sie ruhig Ihr buntes Hühnerei. Und vergessen Sie den Osterspaziergang nicht!

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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