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Des Königreichs Bayern Verweser

Die Geschichte Hohenschwangaus ist eng mit der bayerischen Königsfamilie verbunden. Vor allem die Könige Maximilian II. und Ludwig II. haben bei der Bevölkerung bis heute einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Eine Assoziation zu Prinzregent Luitpold oder gar seinem Sohn Ludwig, der als letzter König Bayern bis 1918 regierte, ist dagegen nicht präsent.

Dabei ist es gerade Prinzregent Luitpold, dem im Jahr 1902 ein überlebensgroßes Denkmal in Füssen gesetzt wurde. Zu seinen Ehren errichtete die Stadt auf dem Platz vor dem damaligen „Hotel Bayerischer Hof“ ein Monument aus Bronze, das den Prinzregenten in ziviler Kleidung zeigt.

Seit sein älterer Bruder, der spätere König Maximilian II., das Schloss Hohenschwangau für sich entdeckt hatte, beehrte auch Luitpold diese Region vermehrt mit Besuchen. Der Wittelsbacher Prinz war ein gern gesehener Gast im Schloss seines Bruders, auch wenn er nur auf der Durchreise kurz an der Mittagstafel Platz nahm. Selbst nach dem unerwarteten Tod Maximilians kehrte Luitpold weiterhin nach Hohenschwangau zurück, um dessen Witwe, seine Schwägerin Marie zu besuchen, die jedes Jahr mehrere Wochen in Hohenschwangau verbrachte. Auch Luitpolds Kinder Arnulf, Therese, Leopold und Ludwig waren fast jedes Jahr zu Gast bei ihrer Tante Marie in Hohenschwangau. Besonders Therese, Luitpolds einzige Tochter, verbrachte viel Zeit bei der geliebten Tante.

Im Jahr 1886 änderte sich alles. Aus dem schon 65-jährigen Prinz Luitpold wurde der Prinzregent von Bayern oder wie es damals offiziell hieß „des Königreichs Bayern Verweser“. In der Zeit seiner Regentschaft brach die Liebe zu Hohenschwangau nicht ab. Luitpold, der ein begeisterter Jäger war, kam jedes Jahr ans Ufer des Alpsees. Durch ihn wurde die von König Ludwig II. untersagte Hochgebirgsjagd in den Revieren um Schwangau wiederbelebt. Die erste königliche Hofjagd während seiner Regentschaft begann am 1. August 1887 und dauerte zwei Wochen. Oft lud der Prinzregent Gäste aus Adel, Militär, Kunst, Wissenschaft und aus den Reihen der Politik zur Hofjagd ein.

Seiner Jagdleidenschaft ging Luitpold von Bayern natürlich nicht nur in Hohenschwangau nach. Jagden in Berchtesgaden, Oberstdorf, Pfronten, Hinterstein und auch im Spessart gehörten zum Jahreskalender Seiner Königlichen Hoheit. Die Jagdaufenthalte spiegelten seinen Charakter wider. Luitpold war ein sehr bodenständiger, und bescheidener Mensch. „Wenn er hinausfuhr ins Allgäu oder in die Hinterriß, dann wünschte er kein Horrido und kein Halali; ihm genügten als Jagdgesellschaft ein paar vertraute Freunde, Leute, die wie er ihr edles Handwerk weidmännisch betrieben, vornehm und ritterlich. (…).“ Die von ihm bewohnten Jagdhütten waren spartanisch eingerichtet. Nur das Nötigste war darin zu finden. Auch bei den Mahlzeiten wünschte der Prinzregent keinen Schnickschnack. Es ging ihm nie um Prunk, Pomp und Glanz, sein Fokus lag auf dem Wesentlichen: der Jagd, guter Gesellschaft von freundlichen Menschen und der Liebe zur Natur.

Durch die stundenlangen Märsche bei der Jagd, oft bergauf und über Stock und Stein, befand sich der Prinzregent bis ins höchste Alter in herausragend guter körperlicher Verfassung. Und das, obwohl er täglich dem Genuss von Zigarren frönte. Aber nicht nur die Jagden trugen zur guten körperlichen Konstitution bei. Luitpold von Bayern war ein leidenschaftlicher Schwimmer. In der Zeit vor seiner Regentschaft fuhr er während seiner Aufenthalte in München täglich nach Nymphenburg, um schwimmen zu gehen. Bis ins hohe Alter stürzte er sich mit Begeisterung in das kühle Nass. Dazu schrieb sein Sohn Leopold: „Ich traf Papa unberufen bei bestem Wohlsein. Es war ein schöner Sommertag und er schwamm trotz seiner achtundachtzig Jahre mit uns in den herrlich klaren Fluten des Alpsees.“

Über seine Aufenthalte in Hohenschwangau berichtete stets die örtliche Zeitung, wie zu seinem vorletzten Aufenthalt 1911. Das Füssener Blatt schrieb: „25. September 1911. Seine königliche Hoheit Prinzregent Luitpold hat am gestrigen Sonntag nachmittags Schloss Hohenschwangau, wo er heuer länger als wie in früheren Jahren Erholung gesucht und gefunden hat, wieder verlassen, um sich nach Berchtesgaden zu begeben. Wie bei seiner Ankunft am 11. Juli, so hatte es sich auch gestern nachmittag die hiesige Bürgerschaft nicht nehmen lassen, ihrem geliebten und verehrten Landesvater beim Abschiede eine überaus herzliche und begeisterte Ovation zu bereiten. In dichten Scharen hielt das Publikum schon lange vor der Abfahrtszeit des Zuges den Bahnhofsplatz besetzt, von allen Häusern, an denen vorbei der Prinzregent seinen Weg nahm, wehten die weiß-blauen Flaggen und als dann gegen 3 ½ Uhr der Hofwagen, in dem an der Seite des Prinzregenten Seine königliche Hoheit Prinz Ludwig Platz genommen hatte, der um die Mittagszeit von Pfronten nach Hohenschwangau gefahren war und nun seinen hohen Vater zur Bahn begleitete, durch die Straßen gefahren kam, da erschollen überall herzliche Hochrufe, Hüte und Taschentücher wurden geschwenkt, vor dem Hotel Bayerischer Hof spielte die Fabrikfeuerwehrkapelle, am Bahnhof selbst aber schwoll das Hochrufen zu einem wahren Brausen an. Bei der Gelegenheit zeigte sich so recht wieder, wie das Volk, ohne Unterschied des Standes und der Person, an seinem Prinzregenten hängt. Zur offiziellen Verabschiedung hatten sich am Bahnhofe der kgl. Bezirksamtmann Laber und Herr Bürgermeister Wallner eingefunden. Zur festgesetzten Zeit verließ der Zug unter anhaltenden Hochrufen der Menge die Station. Seine königliche Hoheit Prinz Ludwig begab sich wieder nach Pfronten zurück. Hoffentlich dürfen wir unseren Prinzregenten im nächsten Sommer ebenso gesund, wie er uns jetzt verlassen, wieder begrüßen!“

Noch einmal kehrte Luitpold nach Hohenschwangau zurück. Doch der mehrwöchige Aufenthalt im Frühsommer des Jahres 1912 sollte sein letzter sein. Am 12. Dezember 1912 verstarb Luitpold von Bayern im Alter von 91 Jahren, nachdem er 26 Jahre die Geschicke Bayerns gelenkt hatte.

Text: Vanessa Richter, Kulturvermittlerin im
Museum der bayerischen Könige in
Hohenschwangau
Foto: Wikipedia

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