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Tourismus ist ein starker Wirtschaftsfaktor für Füssen

Alle drei Jahre beauftragt Füssen Tourismus und Marketing (FTM) das dwif e.V. (Deutsches Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr e. V. an der Universität München), um den Wirtschaftsfaktor Tourismus in Füssen zu prüfen.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben auch in Füssen den Tourismus – mindestens als wirtschaftliche Einnahmequelle – von Mitte März bis Mitte beziehungsweise Ende Mai und dann wieder ab November 2020 zum Erliegen gebracht. In Zahlen ausgedrückt sind das ca. 28,8 Mio. Euro Verlust durch Umsatzausfall im März & April 2020. Hochgerechnet auf die gesamten Lockdown-Phasen im Tourismus lässt sich für das Jahr 2020 ein touristischer Umsatzausfall von mindestens 50,0 Mio. Euro für Füssen annehmen.

Insgesamt sind die Gästeübernachtungen um rund 27 % von gut 1,44 Mio. (2019) auf rund 1,05 Mio. (2020) zurückgegangen und die Gästeankünfte um rund 45 % von 551.229 (2019) auf rund 301.200 (2020). Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 2,6 Übernachtungen (2019) ist 2020 auf 3,5 Übernachtungen gestiegen. Das hat seine Ursache ebenfalls in der Pandemiesituation: Bedingt durch die Einreise-Quarantänebestimmungen wurden im Zeitraum Ende Mai bis Anfang November 2020 vor allem Gäste aus dem Inland beherbergt, die gegenüber Gästen aus dem weiter entfernten Ausland eine längere durchschnittliche Verweildauer aufweisen.

Die Zahlen aus der dwif-Studie sprechen für sich: Die Stadt Füssen ist zu einem erheblichen Teil auf die Einkünfte aus dem Tourismus angewiesen. Genauer gesagt trägt der Tourismus 25 % zum Gesamteinkommen der Bürger – das sind Löhne, Gehälter und Gewinne der unmittelbar im Tourismus Beschäftigten wie auch der touristischen Vorleister wie Zulieferer, Handwerker und Dienstleister – bei. Um diese Prozentzahl anschaulicher zu machen: Das Einkommen aus dem Tourismus 2019 würde rein rechnerisch ca. 3.850 Füssenern mit einem Durchschnitteinkommen von 29.792,- Euro pro Kopf und Jahr entsprechen.

Zusätzlich profitiert die Stadt auch vom Steueraufkommen aus dem Tourismus: Während die Einnahmen aus Grundsteuer, Gewerbesteuer, Zweitwohnungssteuer, Kur- und Fremdenverkehrsbeiträgen direkt an die Kommune fließen, werden die Einnahmen aus Mehrwertsteuer und Einkommensteuer als Gemeinschaftssteuer auf Bund, Länder und Kommunen aufgeteilt. Füssen erhält also aus dem touristischen Mehrwert- und Einkommensteueraufkommen von rund 21,4 Millionen Euro nur einen Teil.

Aus der Studie geht hervor, dass allein aus Mehrwertsteuer + Einkommensteuer 2019 etwa 21,4 Millionen Euro Steueraufkommen aus dem Tourismus resultieren. Hinzu kommen Grundsteuer, Gewerbesteuer, Zweitwohnungssteuer, Kurbeitrag (Gast) sowie der Fremdenverkehrsbeitrag (Gewerbe).

Füssen aktuell hat mit Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier über den Tourismus als Wirtschaftsfaktor gesprochen und welchen Stellenwert er bei den Einheimischen sowie der Kommune hat.

Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob der Tourismus ein Wirtschaftsfaktor für Füssen ist, sondern wie man ihn halten und fördern kann.
Die Frage geht über Füssen hinaus. Entscheidend wird es sein, wie lange der Tourismus Corona-bedingt noch geschlossen bleiben muss, wieviele Einschränkungen das Virus oder seine Mutationen uns noch auferlegen sowie, wie schnell und umfangreich die Unterstützungsleistungen des Bundes und des Freistaats ausfallen und ausgezahlt werden.

Hat der Tourismus einen Stellenwert in Füssen?
Die Zahlen aus der dwif belegen sehr nachdrücklich den hohen Stellenwert des Tourismus für Füssen. Viele Geschäfte spüren es täglich und sehen es an ihren Bilanzen, und auch den Einheimischen, die nicht direkt mit dem Tourismus zu tun haben, wird spätestens jetzt die hohe Abhängigkeit unserer Stadt von Tourismus klar geworden sein. Zum Beispiel an dem fehlenden Leben in der Stadt mit teilweise fast gespenstischer Atmosphäre oder an Läden, die in ihrer Existenz gefährdet sind, weil die touristische Nachfrage fehlt, und deren Angebot dann auch den Einheimischen nicht nehr zur Verfügung steht.

Welche Maßnahmen müssen getroffen werden, um den Tourismus vor Ort nach der Krise wiederzubeleben und welche Instrumente stehen hierfür zur Verfügung?
Die Erfahrungen aus 2020 haben gezeigt, dass sich das hohe Engagement des Allgäus aus den vergangenen Jahren ausgezahlt hat. Die Marke Allgäu ist stark, das Urlaubsgebiet beliebt und begehrt, die Angebote weisen eine hohe Qualität auf. Die Wiederbelebung wird quasi automatisch kommen, sobald das touristische Reisen wieder erlaubt ist. Die Region und die Orte sind freilich angehalten, sich intensiv mit dem Thema Sicherheit zu beschäftigen. Dazu gehören ausreichende Kapazitäten für Corona-Tests für Einheimische und Gäste, aber auch wirksame Methoden der Besucherlenkung und ein intelligentes Parkraummanagement. Vieles ist in Bearbeitung, aber nicht jede Herausforderung ist per Klick lösbar. Und natürlich ist und bleibt es eine der wichtigsten Aufgaben von FTM, die Gastgeber bei Prozessen zu begleiten, sich zu qualifizieren, zu digitalisieren und online buchbar zu machen. Gerade in Zeiten, in denen viel Umsatz aufzuholen ist, dürfen keine Präsentationsmöglichkeit, keine Anfrage und keine Buchung verloren gehen.

Wie wichtig sind Investitionen von Kommunen in die touristische Infrastruktur?
Unabhängig von Corona sind solche Investitionen immer wichtig, um eine Stadt und Region attraktiv und interessant zu halten. Letztlich machen wir aber einen Fehler, wenn wir eindimensional von touristischer Infrastruktur sprechen. Es gibt keine Infrastruktur, die allein für Touristen geschaffen wird und von der Einheimische ausgeschlossen werden. Machen wir uns bewusst, dass jegliche Infrastruktur unsere Stadt als Lebensraum aufwertet, der dadurch für Einheimische wie auch für Touristen noch schöner wird.

Der Tourismus ist Umsatzbringer und leistet über Steuereinnahmen einen Beitrag zur Finanzierung der öffentlichen Haushalte. Wie könnte ein ideales Miteinander zwischen Kommunen und dem Tourismus aussehen? Da die sogenannten touristischen In-
frastrukturen auch von Einheimischen genutzt werden und städtische Angebote auch von Touristen.

Tatsächlich befinden wir uns bei dieser Frage bisweilen im Schwitzkasten des kommunalen Abgabenrechts und des Steuerrechts. Bürgermeister, Hauptamtsleiter, Kämmerer und Tourismusdirektor können sich noch so einig sein, was die gemeinsame Strategie betrifft: Vor allem das Steuerrecht fordert sehr nachdrücklich eine klare Unterscheidung zwischen Nutzen für die Gäste und Nutzen für die Einheimischen. Erschwerend in Füssen kommt hinzu, dass FTM sich allein durch Gelder aus dem Übernachtungstourismus finanziert, ein erheblicher Teil der Nachfrage und der touristischen Einnahmen aber über den Tagesgast in die Stadt kommen. Ohne diese Umstände zu kennen, bewegt man sich bei einer Beurteilung schnell auf dem Holzweg. Ein ideales Miteinander beruht auf dem Wissen um alle Hintergrundfaktoren, dann aber auch auf dem gegenseitigen Vertrauen der handelnden Akteure, das gerade bei Finanzierungsfragen nicht enden darf. Letztlich geht es auch immer um unsere Stadt, nicht primär um einzelne Gewerke oder einzelne Personen.

Text: Sabina Riegger · Grafiken: dwif · Foto: FTM

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