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Nach langen und teils lauten Jahren ein leiser Abschied

Ganz kurz vor dem großen Jubiläum verabschiedet sich Uli Pickl aus dem Haus Hopfensee, dessen Leitung er vor fast 25 Jahren im März 1996 übernommen hatte. Einen Christbaum hat er trotzdem noch einmal dort aufgestellt, wo er und sein Team in den vergangenen Jahren immer wieder mit seinem Stammpublikum festlich, aber auch meist mit viel Arbeit verbunden das Wiegenfest von Jesus Christus gefeiert haben. Das geht heuer nicht und daher dürfte auch der letzte offizielle Arbeitstag des am 3. Januar 70 Jahre alt werdenden Gastronomen und Ex-Lokalpolitikers am Jahresende ziemlich unspektakulär und leise über die Bühne gehen. Pickl befällt denn auch ein gehöriges Stückchen Wehmut, „dass ich mich nicht so verabschieden kann wie ich möchte.“ Immerhin ist Uli Pickl bekannt dafür gewesen, aus runden Festen auch eine runde Sache zu machen.

Vollkommen raus aus dem Haus hoch über dem Hopfensee wird Uli Pickl, dessen Vertrag offiziell am 28. Februar endet, allerdings noch ein ganzes Weilchen nicht sein. Schließlich wünscht sich der neue Pächter, dass der Laientheater-Leiter 2021 noch dabei ist. Im Rahmen dessen kommt dieser dann vielleicht sogar noch in den Genuss, auch jene zwölf Hochzeiten miterleben zu dürfen, die 2020 wegen Corona auf 2021 verschoben wurden. Hochzeiten gehörten denn auch meistens zu den Highlights der vielen Veranstaltungen, die im Haus Hopfensee, „mein Haus“, wie Uli Pickl sagt, vonstatten gingen und manchmal überaus große Resonanz erfuhren, wie etwa der Auftritt von Rüdiger Nehberg oder die Buchpräsentation des Münchner Pfarrers Rainer Maria Schießler. Auch eine ganz „besondere Gerichtsverhandlung“ blieb ihm im Gedächtnis haften. Weil ein Rehapatient aus der Fachklinik Enzensberg nicht befördert werden konnte, fand kurzerhand eine Gerichtsverandlung im Haus Hopfensee statt. Ein weiterer Beteiligter wurde mit Handschellen durch das Lokal geführt. „Er wurde frei gesprochen und setzte sich an Tisch 1 und fragte, ob er ein kostenloses Essen bekommt, weil er kein Geld dabei hat. Das bekam er auch. Die ganze Szenerie erinnerte mich an ‚Das Königlich Bayerische Amtsgericht‘ “, erzählt der Gastronom. Jetzt ist aber alles anders. Der Trubel ist vorbei und deshalb wird es diesmal auch an Silvester still zugehen im Haus Hopfensee, wo Pickl seinerzeit als erster Pächter bayernweit in einem ehemals städtischen Kurhaus privat die Regie übernommen hatte. Und dies gilt sogar im doppelten Wortsinn, da der begeisterte Hobby-Schauspieler 1997 dort mit der Hopfensee-Bühne sein eigenes Laienspiel-Ensemble ins Leben gerufen und im Laufe der Zeit zu einer Art „Geheimtipp“ im Füssener Kulturkalender geformt hat. Mit dem Wunsch, ein „Haus mit Bühne“ zu betreiben, hatte Pickl dem gastronomischen Betrieb im Zuge der Zeit auch sonst immer mehr seinen eigenen Stempel aufgedrückt, der von großer Herzlichkeit und Geselligkeit geprägt ist. Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass die Hopfener Vereine die Räumlichkeiten im Haus Hopfensee immer „zum Nulltarif“ bekommen hatten.

Am 10. Januar beginnen die Renovierungsarbeiten im Haus. Dann gibt es eine große Baustelle, um die sich Uli Pickl kümmern wird. Voraussichtlich wird das Haus Hopfensee dann am 1. April wieder eröffnet Dem neuen Pächter soll ein technisch intaktes Haus übergeben werden, „so wie bei mir damals“, meint er. Kurz schweift er in seine Anfagszeit zurück, als er sich mutig für das Haus bewarb. „Ich weiß nicht, ob ich jetzt so unbedarft an manche Dinge ran gehen würde wie damals. Zum Glück, habe ich einfach nur gemacht“. Zum Glück sagen auch seine vielen Stammgäste, Vereine und Geschäftspartner. Einige haben sich von ihm bereits verabschiedet, andere werden es noch tun, spätestens dann wenn er am 3. Januar seinen 70. Geburtstag feiert.

INFO:
Essen to Go ab dem 25. Dezember bis Neujahr noch, auch über Mittag. Vorreservierung am Vorabend zwischen 17 und 19 Uhr. Die Speisekarte ist auf der Homepage ersichtlich.
Abholzeiten: 11.30 bis 13.30 Uhr sowie von 17 bis 19 Uhr.
Tel.: 08362 6752

Text: ale, rie · Foto: Sabina Riegger

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