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„Es ist etwas sehr Schönes entstanden“

Pfarrer Markus Dörre verabschiedet sich

Vor gut acht Wochen erst hat Pfarrer Markus Dörre von seiner neuen Aufgabe erfahren. Der Generalvikar der Diözese Augsburg rief ihn an, um ihm persönlich mitzuteilen, dass man ihm die Leitung der Pfarreiengemeinschaft Gersthofen bei Augsburg übertragen und anvertrauen würde. Am 15. März 2021 wird Dörre dort seine neue Arbeit beginnen, seine letzte Messe in der Pfarreiengemeinschaft am Forggensee wird er Ende Januar halten. „Ich bin jetzt an einem Punkt angekommen, an dem es gut wäre, die Arbeit in andere Hände zu geben, weil ich den Eindruck habe, einer Weiterentwicklung im Weg zu stehen“, erklärt Markus Dörre. „Es fällt mir auch schwer, jetzt Dinge zu verändern, die ich selber einmal so eingerichtet habe. Zehn Jahre sind eine sehr lange Zeit. Es ist aber auch ein guter Zeitpunkt, um abzuschließen und neue Aufgaben zu übernehmen.“

Dass Pfarrer in jungen Jahren in eine Gemeinde kommen und dort bis zu ihrem Ruhestand bleiben, ist heute ohnehin nur noch sehr selten der Fall. Der gebürtige Kauferinger studierte Theologie in Augsburg und Würzburg und wurde im Jahr 2003 zum Priester geweiht. Nach seiner ersten Station als Stadtpfarrer in Illertissen kam er im September 2010 nach Schwangau. Mit einem großen Einführungsgottesdienst, der in der Pfarrkirche St. Andreas in Trauchgau stattfand, wurde Dörre feierlich in sein neues Amt geleitet. „Das war damals auch gleichzeitig der Startschuss für die neugegründete Pfarreiengemeinschaft Waltenhofen, wie sie damals noch hieß. Meine Aufgabe war es, die drei Gemeinden St. Michael Bayerniederhofen, St. Maria und Florian Schwangau-Waltenhofen und St. Andreas Trauchgau dabei anzuleiten, künftig enger zusammenzuarbeiten. Das war sicher die größte, aber nicht die schwierigste Aufgabe. Ich hatte da anfangs auch Bedenken, drei ganz eigenständige Orte dazu zu bringen, gemeinsam zu agieren, was aber doch überraschend gut funktioniert hat“, sagt er. „Denn alle waren sich im Klaren, dass sich etwas verändern wird. Aber alle haben schnell gemerkt, dass hier auch sehr viel Potential drin steckt und gemeinsam vieles realisiert werden kann. Das ist hier passiert.“

Gemeindeberatung und Organisationsentwicklung

Durch die engere Zusammenarbeit konnten im Laufe der vergangenen Jahre bereits viele Synergien genutzt werden, wodurch sich letztendlich auch völlig neue Möglichkeiten und Initiativen ergaben. So wie unter anderem die Kooperation zwischen dem Singkreis Bayerniederhofen und dem Kirchenchor in Trauchgau, die gemeinsam eine große Orchestermesse auf die Beine stellen konnten. Für Pfarrer Markus Dörre zählen genau solche Momente mitunter auch zu den schönsten Erinnerungen, die er nun nach über zehn Jahren mitnimmt. Ebenso das einzigartige jährliche Colomansfest oder unzählige Taufen oder Hochzeiten, die er feiern durfte. Sicher nicht ganz einfach war für den Geistlichen oft der Spagat zwischen den einzelnen Gemeinden. Dabei konnte es, zum Glück nicht oft, auch mal vorkommen, dass die Zeit für die Fahrt von einem Ort zum anderen etwas knapp wurde. „Ich erinnere mich an einen Ersten Advent, da musste ich von Schwangau aus zur Abendmesse nach Bayerniederhofen. Wegen Blitzeis auf der B 17 kam ich dann eine halbe Stunde zu spät“, lacht er.

Verkündet hatte Markus Dörre das Ende seiner Schaffenszeit erst vor wenigen Wochen im Sonntagsgottesdienst persönlich, wie es in diesen Fällen in der Kirche auch üblich ist. „Natürlich haben die Besucher sehr überrascht reagiert, oder sie waren etwas überrumpelt, was aber auch daran liegt, dass das alles jetzt sehr schnell geht“, so Dörre. Schon vor längerer Zeit hatte er dem Generalvikariat gegenüber signalisiert, bereit für eine neue Herausforderung zu sein, wenn bestimmte Kriterien dazu passen würden. Denn zusätzlich zu seiner Aufgabe als Pfarrer hat Dörre noch einen Auftrag in der Gemeindeberatung des Bistums Augsburg übernommen. Für diese Tätigkeit hatte er in den letzten drei Jahren eine Ausbildung in Gemeindeberatung und Organisationsentwicklung gemacht. „Im Oktober kam dann der Anruf vom Generalvikar mit dem Vorschlag Gersthofen, wo ich eben diese Zusatztätigkeit auch ausüben kann.“

Pfarrer im Dorf der Königsschlösser gesucht

Auf seine vielen Jahre der Tätigkeit in Schwangau, Buching und Trauchgau, die er selbst und eher bescheiden als eine Zeit der Dienstleistung auf einer Baustelle oder gar nur als Begleiter sieht, blickt Dörre jetzt vor allem mit sehr viel Freude zurück. Genauso wiegt aber auch der Stolz auf das gemeinsam Erreichte und das, was daraus gewachsen ist. „Zwar ist der Amtssitz der Pfarreiengemeinschaft in Schwangau, mir war es aber immer wichtig, nicht der Pfarrer von Schwangau zu sein, sondern der Pfarrer von allen drei Gemeinden“, betont der 45-Jährige. „Die größte Herausforderung für die Menschen hier war, so glaube ich, mit mir einen Pfarrer zu bekommen, der großen Wert darauf legt, dass die Mitglieder der Gemeinden ihre Gemeinde auch selbst mitgestalten. Dass das gut funktioniert, wird sich jetzt in der Vakanz zeigen. Ich nehme sehr viele Erfahrungen und Erinnerungen mit, bin aber auch ein selbstkritischer Mensch“, überlegt der Priester. „Deswegen nehme ich auch meine Fehler mit, manches würde ich heute vielleicht anders machen. Das Wandern hier in der Natur werde ich vermissen.“

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Nach seiner letzten Messe in der Pfarreiengemeinschaft am Forggensee wird sich Markus Dörre eine Auszeit nehmen, um das Kapitel Königswinkel endgültig zuzuschlagen und um, wie er sagt, es für sich selbst in Ruhe zu verarbeiten. Wer der Nachfolger für das Amt des Pfarrers am Forggensee wird, steht bisher noch nicht fest. Offiziell wurde die Stelle von der Diözese Augsburg bereits ausgeschrieben, das Bewerbungsverfahren läuft noch. Markus Dörre rechnet aber nicht damit, dass es hier zu einer längeren Suche kommen wird. In der Zeit der Vakanz wird Pfarrer Martin Maurer, der als Krankenhausseelsorger in Füssen und Pfronten, sowie als Priester auch schon seit längerem in der Pfarrei tätig ist, die Leitung vorübergehend übernehmen.

Text · Fotos: Lars Peter Schwarz

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