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Eine Handvoll Vitamine

Seit 15 Jahren versorgt Niyazi Kara mit seinem Lieferdienst „Fruchtoase“ Hoteliers und Gastronomen mit Obst und Gemüse. In der Markthalle, im alten Feuerwehrhaus in Füssen, hat er draußen und drinnen einen Marktstand.

Manchmal schreibt das Leben eine andere Geschichte, als die, die man gerne gehabt hätte. Und später weiß man, dass es gut so ist, wie es ist. Niyazi Kara empfand es anfangs auch so. Er hätte lieber studiert und irgendetwas anderes gelernt, als im elterlichen Betrieb zu arbeiten. Sein Vater kam 1972 nach Deutschland. Die Mutter lebte bereits in Füssen und arbeitete in den Hanfwerken, wie so viele andere auch. „Sie war eine der ersten Gastarbeiterinnen“, sagt Kara. Viele der Füssener Gastarbeiter haben in der „Siedlung“ gelebt, wie es Niyazi Kara ausdrückt. Es sind die heutigen „Toskanischen Höfe“ die früher auch „Klein-Chicago“ genannt wurden. „Damals gab es einen türkischen Laden, den mein Vater gemeinsam mit meinem Onkel übernahm. Wir lebten zu dieser Zeit in Fürth, weil mein Vater dort eine gut bezahlte Stelle bei Triumph Adler bekam. Dann wurde ihm ein Geschäft in der Karlstraße angeboten, das er auch annahm. Fürth blieb trotzdem unser Wohnort ,und er pendelte regelmäßig zwischen Fürth und Füssen“, beschreibt der Familienvater die Anfangszeit. Aus dem Ganzen entwickelte sich ein gut florierender Großhandel für Obst und Gemüse.

Niyazi Kara arbeitete mit. Er führte das Kassenheft für den Betrieb, fuhr zwei Mal die Woche auf den Wochenmarkt in Kempten und wenn Zeit war, lernte er noch für die Schule. „Irgendwie war das alles ganz normal“, erinnert er sich zurück. Genauso, wie das Fernbleiben vom Unterricht. Nicht immer, aber oft genug. Nach der 11. Klasse ging er vom Gymnasium ab und machte die Fachoberschule. Heute ist er selbständig . „Ich bin das, was man gerne als Vorzeige-Modell beschreibt, wenn man die Schule abbricht und trotzdem weiter kommt“, lacht er und fügt hinzu: „Der Weg war holprig, aber letztendlich habe ich auch vieles daraus gelernt. Ich habe auf dem Bau gearbeitet, in der Gastronomie – Branche, wo es nicht zimperlich zugeht. Man lernt wirklich fürs Leben.“ Heute ist er über diese Erfahrungen dankbar und sieht vieles gelassener oder vielleicht bewusster. Er weiß, was es bedeutet, hart anzupacken. Sein Arbeitstag fängt um halb drei in der Früh an, weil er spätestens um fünf Uhr in der Markthalle in München sein muss, um die besten Produkte für seine Kunden auszusuchen. Die Markthalle ist wie eine große Familie, man kennt sich und weiß, wo man seine Ware bekommt. Es ist ein reges Treiben. Mit Gemüse und Obst kennt sich der Familienvater sehr gut aus. Qualität ist deshalb für ihn nicht nur ein Wort, sondern schlichtweg seine Einstellung. „Ich esse gerne und wenn man qualitativ hochwertige Produkte verwendet, schmeckt man es heraus. Gute Lebensmittel sind einfach unabdingbar, schon allein der Gesundheit wegen.“ Seine Kunden aus der Hotelerie und Gastronomie schätzen seine Einstellung und seinen Service, die meisten von ihnen seit Anfang an.

Seit 2005 beliefert Niyazi Kara seine Kunden. In der Markthalle in Füssen gehört er seit über zehn Jahren zu den festen Händlern. Hier bietet er Obst, Gemüse und frisch gepresste Säfte an. Auch vor der Markthalle führt er gemeinsam mit seiner Frau Olesya den Obst- und Gemüsestand. „Es ist schön, Menschen zu sehen, die man gefühlt seit Ewigkeiten kennt, und die täglich am Stand vorbeischauen, manchmal auch nur, um zu grüßen.“

Das Geschäft seines Vaters Süleyman Kara, das der Bruder betreibt, feiert auch ein Jubiläum. Es ist mittlerweile das 35. Jahr. Gefeiert wird dieses Jahr nicht, oder vielleicht nur ein bisschen in der Familie. „Es ist schon irre, wie schnell die Zeit vergeht und wenn man zurückblickt, sieht man erst, was man alles bewegt hat. Meinen Kunden möchte ich herzlich danken für die langjährige Treue.“

Fruchtoase Kara
Am Schrannenplatz
87629 Füssen
Tel.: 0151 / 42517542

Text: rie · Foto: Hubert Riegger

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