Menschen

Ein Leben für die Musik

Lilian und Alexander Holzammer verabschieden sich von Musikschule Füssen in den Ruhestand

Wie viele Schüler Lilian und Alexander Holzammer während ihrer Zeit in der Musikschule in Füssen unterrichteten, wissen sie nicht genau – es müssen viele gewesen sein, „bestimmt über 1000, die ich selbst unterrichtet habe“ überschlägt Lilian Holzammer, die zuletzt die stellvertretende Leitung der Musikschule innehatte. Jetzt, nach 30 Jahren, verabschieden sich die beiden von der städtischen Einrichtung und gehen in den Ruhestand.

Lilian und Alexander Holzammer lernten sich in Amsterdam während ihres Klavierstudiums kennen. Dorthin zog es Alexander Holzammer, nachdem er in Füssen aufgewachsen und in Reutte sein Abitur gemacht hatte. Die Musik hat sie von Kindesbeinen an begleitet. „Das stimmt“, lacht Alexander. „Irgendwie haben wir beide die Musik mit unseren Genen schon mit auf den Weg bekommen. Lilians Großvater war ein großartiger Klarinettist in Den Haag, und mein Vater ein sehr guter Konzertpianist. Während Lilian also in ihrer Kindheit viel Klarinette gehört hat, hat sich eben bei mir vor allem das Klavierspiel eingeprägt. Die Liebe zur Musik war bei uns beiden schon immer da.“

Gut sechzehn Jahre lebten die zwei Musiker in Holland, bevor sie ihren Lebensmittelpunkt 1983 nach Füssen verlegten, wo sie ein sehr gut gehendes Klavierstudio betrieben. „Wir hatten damals wunderbare Konzerte, sogar mit Ballettaufführungen im Kurhaus“, erinnert sich die Musikpädagogin. 1990 begann sie schließlich an der Musikschule Füssen, die 1986 gegründet wurde, zu unterrichten. Ihr Ehemann Alexander kam gut drei Jahre später als Lehrer für Klavier und Flügel dazu.

Einen eigenen musikalischen und künstlerischen Traum haben sich die beiden längst mit ihrer „Villa“ im benachbarten Pinswang erfüllt. Im Sommer 1999 entdeckten sie das seit vielen Jahren leer stehende, beinahe zugewachsene Haus am Rande des Orts. „Wir haben damals nach etwas gesucht, womit wir unsere eigene Kreativität noch mehr verwirklichen können. Die magische Ausstrahlung der Villa, mit der unglaublichen Natur drum herum, hat uns sofort in ihren Bann gezogen.“ Durch viel Arbeitseinsatz und Idealismus gelang es ihnen, aus dieser damaligen Ruine ein mittlerweile renommiertes Kulturzentrum mit einem breiten Angebot an qualitativ hochkarätigen Veranstaltungen zu schaffen.

So stehen nicht selten Künstler auf der kleinen Bühne, die normalerweise in den großen Konzertsälen dieser Welt auftreten. Wie etwa die dreizehnjährige Pianistin, die alle 24 Chopin Préludes in der Villa gespielt hat, oder auch Cellist Professor Julius Berger.

Die zwei wollen sich jetzt im Ruhestand vor allem „mehr Zeit für sich selbst“ nehmen. Den Unterricht ganz aufgeben werden sie aber nicht. Im Rahmen ihrer kulturellen Arbeit in der Villa wollen sie ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen auch weiterhin an junge interessierte und fortgeschrittene Musiker weitergeben.

Text: rie/lps · Foto: Manfred Sailer

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