Kolumne

Salz

In einer Mindmap sammle ich Aphorismen, Zitate, Geschichten, lyrische Werke und Bilder. Und im Sammeln bin ich gut.

Nur verliere ich manchmal den Überblick.

Aber es gibt ein Stück, ein Zitat in meiner Sammlung, das mir immer präsent ist und das ich nicht vergesse.

Ich kann es nicht vergessen, weil es sich in mein Gedächtnis gebrannt hat. Manches vergisst man einfach nicht. So wie den ersten Kuss zum Beispiel.

Naja, vielleicht ist der Vergleich schwierig, weil der Aha-Effekt ein anderer ist. Das eine berührt die Seele, das andere ernüchtert, während der Speichel im Zehn-Zentimeter-Radius um den Mund langsam wieder trocknet.

Als ich dann irgendwann über die zwei Zeilen der dänischen Schriftstellerin gestoßen bin, dann war das wieder wie ein Kuss. Ein toller zweiter, erster Kuss – ohne Pfütze im Gesicht.
Ein Kuss, den ich nicht vergessen werde. Weil es sich angefühlt hat, als hätten ihre Worte nur nach mir gesucht, oder ich nach ihnen.

Vielleicht passiert nichts einfach nur so. Vielleicht ergibt alles Sinn, auch dann, wenn man ihn noch nicht sieht.

So ist das auch mit dem Zitat. Ich sammle Worte, die mich berühren, die irgendetwas in mir auslösen. Entweder bestärken sie mich, bringen mich zum Nachdenken, zum Lachen, zum Weinen oder sie wecken die heimliche Rebellin in mir. Aber mit den Worten von Tania Brixen war es nochmal anders.

Ihre Worte fühlten sich an wie die Wahrheit. Wie ein Ratschlag ohne Schlag, wie eine innige Umarmung, wie ein Wegweiser, wie eine simple Formel für Glück, mein Glück.

Vor ein paar Jahren, es war Sommer, da stand ich irgendwo im tiefsten Süden Frankreichs am Meer. Es war früh am Abend, das Wasser war so türkis-blau, wie ich es vorher noch nie gesehen hatte. Ich konnte die salzige Luft schmecken, ich sah den Wellen zu und hörte das Meer rauschen. Und auf einmal musste ich furchtbar weinen. Hinter mir lag ein schweißtreibendes Jahr und ich wusste, es war noch nicht vorüber. Bald stand mir eine große Operation bevor, und genau deshalb wollte ich entgegen jedem Rat trotzdem ans Meer fahren. Ich ging weinend ins Wasser und kam Glück erfüllt wieder raus.

Und dann lese ich Jahre später ihr Zitat- sie hat recht. Für sich und für mich…

„Die Lösung für alles ist Salzwasser. Schweiß, Tränen und Meer.“

Tania Brixen

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