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40 Jahre Fußgängerzone in Füssen

Die Füssener Fußgängerzone ist 40 Jahre alt geworden. Noch bevor man sich für die Fußgängerzone entschied, gab es heftige Diskussionen, mitunter auch Streit. Otto Wanner musste für sein Vorhaben auch zum Teil deftige Kritik einstecken, was ihn allerdings eher selten tangierte. Er sorgte für die Restaurierung des Klosters St. Mang und die damit verbundene Verlegung des Rathauses bis hin zur Neugestaltung der Hopfener Uferpromenade.

Wanner war ebenso Vorreiter in der Entstehung einer städtischen Fußgängerzone, die in Füssen schließlich eine der ersten in Bayern war. Bis dahin lief der Durchgangsverkehr zur Grenze noch mitten durch die Innenstadt, am heutigen Rathaus die Lechhalde hinunter und über die Brücke schließlich in die Ziegelwies. „Was glauben Sie, wie allein die Füssener Geschäftswelt geschimpft hat, als die Reichenstraße dann damals zur Fußgängerzone umgewandelt wurde? Jeden Tag musste er sich von einem Konditor in der Reichenstraße beschimpfen lassen“, erzählen Otto Wanners Söhne Michael und Joachim im Gespräch mit Füssen aktuell. „Ein paar Jahre später waren sie alle froh, weil die Geschäfte durch die Einführung der Fußgängerzone besser liefen, als jemals zuvor.“

Zwei Jahre dauerte der Bau der Fußängerzone und kostete 2,6 Millionen Mark. Das große Vorhaben war umstritten. Als 1972 erstmals die Rede davon war, den motorisierten Verkehr aus der Altstadt rauszunehmen, regte sich schnell Widerstand. Die Geschäftsleute hatten Sorge, dass die Kunden weg bleiben. Gemütlich vor das Geschäft zu fahren war eine Normalität. „Man war es so gewöhnt“, erzählt Marianne Heichele-Bruhns, die auch heute noch ihre Buchhandlung in der Reichenstraße hat. „Wir haben im Stock oben in der Buchhandlung gewohnt. Es war manchmal ganz schön wild und laut“, erinnerst sie sich zurück. Die Einzelhändler haben längst ihren Frieden mit der Fußgängerzone geschlossen. Die Fußgängerzone ist nicht mehr wegzudenken.

Jetzt galt das Ziel, die Innenstadt zu stärken und zu beleben. Zehn Mitglieder waren es, die im März 1984 die Werbegemeinschaft Füssen gründeten. Zum 1. Vorsitzenden wurde damals Hans-Jürgen Lüdicke (Drogerie Lüdicke, heute Parfümerie Wiedemann) gewählt, zum langjährigen Kassier Manfred Schwenger. Sie erinnern sich: Damals, als der V-Markt nach Füssen kam, wollten die Gründungsmitglieder der Werbegemeinschaft die Geschäfte der Innenstadt besser in Szene setzen, damit auch auf sie größere Aufmerksamkeit zukäme. Auch die Parkplatzsituation war geklärt. Immerhin hatte die Werbegemeinschaft damals ein zweistündiges kostenloses Parken ermöglicht.

Doch es ging noch um viel mehr: Man wollte die Fußgängerzone zu einem Ort der Begegnung machen, an dem man Freunde und Bekannte trifft, mit denen man in Ruhe plaudern kann, ohne „durch die Gegend geschoben zu werden“. Ein weiteres wichtiges Ziel der Gründungsmitglieder war: Statt neidvoll aufeinander zu schauen, wollte man zum Vorteil jedes einzelnen gut miteinander zusammenarbeiten. Schnell stand auch mit dem bayerischen Original „Xare“ eine Werbefigur, also das Logo, fest. Man wollte Werbung bündeln und auch mit zusätzlichen Veranstaltungen die Innenstadt beleben. An diesen Grundgedanken hat sich bis heute nicht viel geändert, obwohl sich in der zurückliegenden Zeit Handel und Wirtschaft sehr verändert haben. Das Internet ist mittlerweile zu einer großen Konkurrenz geworden, auch das Kaufverhalten der Kunden, erzählen die Geschäftsleute. Nach wie vor will man dieses „Juwel“, wie damals der erste Vorsitzende Hanns-Jürgen Lüdicke die Fußgängerzone nannte, attraktiv gestalten. Überteuerte Mieten, machen es allerdings kleinen Geschäften nicht leicht. Zwar sind in Füssen noch einige Inhabergeführte Geschäfte vorhanden, doch größere Ketten finden an Füssen mittlerweile auch Gefallen.


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Im Gespräch mit Füssens
Bürgermeister Max Eichstetter über die Fußgängerzone Füssen

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