BrauchtumLeben

Glaube verbindet

Wir sind da nur anders, heißt es aus den Kirchen und Glaubensgemeinschaften in Deutschland. Gottesdienste dürfen wegen der Corona-Krise nicht gefeiert werden, auch an Ostern nicht. Umso mehr erhalten die Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften besonders jetzt viel Zulauf, wenn auch nur telefonisch. Insbesondere Gespräche scheinen den Gläubigen besonders wichtig zu sein. Sie haben Angst, sind besorgt und beunruhigt. Noch nie war das Internet in den Kirchen und Glaubensgemeinschaften so präsent wie jetzt. Facebook, YouTube und Co. finden selbst bei den Älteren Zugang ins Wohnzimmer beziehungsweise auf den PC oder Laptop. Online-Gottesdienste und -Gebete werden angeboten und mit dem Glockenläuten laden die Kirchen zum Gebet ein. „Jeden Tag läuten unsere Glocken zu den entsprechenden Zeiten zum Gebet. Was früher selbstverständlich war, wird nun in Vielen wieder wach“, steht auf der Internetseite von katholisch-fuessen.de. Auf dieser Seite sind auch die Uhrzeiten der Gottesdienste sichtbar. Und unter evangelisch-fuessen.de informiert die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde in Füssen über die Gottesdienste im Bayerischen Fernsehen.

Füssen aktuell bat die jeweiligen Seelsorger und Sellsorgerin um ein paar Zeilen zum Thema Miteinander.

Pfarrerin Ilka Huber

Ich wurde gebeten, aufmunternde Zeilen zu schreiben. Das ist momentan etwas schwierig. Ich muss an die denken, die rastlos sind. Die, die rund um die Uhr für andere da sind. Leute, die Angst um ihre Existenz und ihre Gesundheit haben. Die, die jetzt gerne wüssten, wie der Plan ist und wie es in Zukunft weitergehen soll. Manche Termine stehen ja trotzdem, auch wenn der äußere Rahmen anders sein muss: So zum Beispiel Ostern – das Fest der Auferstehung Christi. Wir Christen feiern es vielleicht dieses Jahr stiller als sonst, aber wir feiern es – verbunden im Gebet für uns und andere. Ein Osterbrauch ist bei uns, der Gemeinde zu Ostern mindestens einen Witz zu erzählen. Das wäre meiner gewesen: Nach der Kreuzigung Christi kommt Nikodemus zu Josef von Arimathäa und bittet ihn, sein Grab für Jesus zur Verfügung zu stellen, doch dieser nennt Ausflüchte: „Ich brauche das Grab für mich und meine Familie.“ – Darauf Nikodemus: „Stell dich nicht so an – ist doch nur übers Wochenende!“

Leere Straßen und Städte, man geht nicht aufeinander zu, vielmehr geht man sich aus dem Weg – eine seltsame und befremdende Zeit. Und doch blüht Vieles auf! Nicht nur Knospen an Sträuchern, sondern auch bei Menschen. Ich erlebe, wie kreativ wir werden, um miteinander in Verbindung zu bleiben und wo Nächstenliebe erfahrbar wird, wenn Menschen einander brauchen. Mir macht das in der Krise Mut. Denn auf das Miteinander kommt es an. Dazu macht uns die Krise Mut!

Pfarrer Frank Deuring
Pfarrer Yevnon Cepe

Unser Leben ist darauf ausgerichtet, vieles im Voraus, Monate und Jahre vorher zu planen, um uns auf das entsprechende Vorhaben vorzubereite und es zu organisieren. Manchmal kommen unvorhersehbare Situationen, mit denen keiner von uns gerechnet hat, wie diese weltweite Pandemie, die unsere ganzen Pläne über Bord geworfen hat: wir sind isoliert, eingesperrt, in unserer Freiheit eingeschränkt und unsere Gemeinschaft ist auseinander gerissen. Aber wir haben durch die moderne mediale Vernetzung der Welt die Möglichkeit unsere Mitmenschen in diesen schwierigen Zeiten nicht zu vergessen, ihnen zu helfen und sie zu betreuen. Vor allem während dieser Zeit des Jahres, das wichtigste Fest des Christentums, bereiten wir uns auf Ostern vor. Wir setzen ein Zeichen der Verbundenheit, um füreinander da zu sein. Kranke und Menschen, die alleine sind, zu unterstützen, dass sie sich nicht einsam fühlen und ein Teil unserer Gesellschaft sind. Ostern ist das Fest der Auferstehung. Wir bereiten uns auf dieses Fest der Hoffnung vor, das uns Licht bringt. Eine Botschaft, die Leben verkündet.

Der unsichtbare Virus stellt die Menschheit auf eine große Probe. Es ist eine schwierige Zeit und dennoch verbindet sie uns, weil wir Alle davon betroffen sind. Denn der Virus kennt den Unterschied von Herkunft, Hautfarbe und Religion nicht. Ich freue mich über den Zusammenhalt in den Gemeinden, die Hilfsangebote für die Älteren und Schwachen. Danke dafür. Jetzt erst wird es dem Einen oder Anderen bewusst, was für einen großen Stellenwert unsere Freiheit hat und wie dankbar wir dafür sein müssen. Bleiben Sie Alle miteinander gesund.

Imam Abdulmutalip Gül

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