BrauchtumLeben

Scheibenschlagen

Schöner Brauch

“So genau weiß man nicht, wann das Scheibenschlagen und die Hexverbrennung ihren Ursprung hatten – aber eigentlich ist das auch egal. Wichtig ist es für die Pinswanger Buben, dass sie dabei sind, mit ihren Scheiben und den Haselnussstöcken.”

Aufregung ist immer dabei, besonders dann, wenn es am Hexensonntag los geht. Scheibenschlagen in Pinswang ist ein Brauchtum, an dem alle Bewohner des Ortes teilnehmen. Man ist immer wieder aufs Neue gespannt, wer die Scheiben am weitesten schießt. Dass viele Zuschauer aus den benachbarten Ortschaften auch dem mystischen Brauch beiwohnen, dessen Ursprung unbekannt ist, stört die Pinswanger nicht. Ganz im Gegenteil. Jeder ist herzlich willkommen. Sowohl Ober- als auch Unterpinswang haben einen sogenannten Scheibenbichl, auf dem der Scheiterhaufen aufgebaut wird und die Hexe verbrannt wird. Der Weg dorthin wird Scheibenweg genannt. Aus Stroh und alten Lumpen wird die Hexe angefertigt, dazu bekommt sie einen Regenschirm, einen Korb und eine lange Wurst angenäht. Früher gingen die Buben am „Lumpigen Donnerstag“ von Haus zu Haus, um die „Lumpen“ für die Hexe zu sammeln. „Sie bekommt a Gwand um das ned schad ist“, erklärt Gebhard Haller.

Am Hexensonntag, im Allgäu auch Funkensonntag genannt, ist es dann endlich soweit, und Jung und Alt treffen sich kurz vor dem Betläuten um 18 Uhr am Aufstellungsplatz. Erst wenn die Glocke vier mal geschlagen hat, setzt sich der Zug fröhlich und lautstark in Bewegung mit folgendem Spruch: „Vivat hoch, d‘Hex hat Durscht, will a lange, lange Wurscht, Vivat hoch … „ Der Brauch symbolisiert die Vertreibung des oft strengen Winters und steht in keinerlei Verbindung mit den Hexenverbrennungen im Mittelalter.

Woher der Spruch kommt und was er bedeutet, das weiß auch der Dorfchronist nicht. „Der Spruch ist eine mündliche Überlieferung und wird uns immer ein Rätsel bleiben“, erzählt Gebhard Haller. Auf dem Scheibenbichl angekommen, wird die Hexe durch den Hauptmann auf dem Scheiterhaufen aufgestellt und der Scheiterhaufen angezündet. Viele kleine Funken fliegen durch die Dunkelheit, und jeder schaut wie gebannt auf das Feuer. Nach einer Zeit werden die Scheiben auf die langen Stöcke gesteckt, im lodernden Feuer angeglüht und schwungvoll in die Nacht geschleudert. Nach dem Scheibenschießen kehrt man dann noch ein auf „Hexenkost“ und lässt den bezaubernden Abend ausklingen. Dieses Jahr fällt der Hexensonntag auf den 1. März 2020. Treffpunkte ist jeweils um 18 Uhr in den Ortszentren von Ober- und Unterpinswang.

Text: rie · Fotos: Hubert Riegger

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