Kolumne

Offene Fragen

Es gibt diesen Slogan aus Schweden: „Du bist, was Du isst.“ Schweden ist toll. Ich war da. Die raue Weite, die Ruhe, Wimpelketten, Elche, rote Herrenhäuser, Clogs und unglaublich saubere Großstädte, die sich nicht nach Hektik und Zeitdruck anfühlen. In Schweden hatte ich eine wunderbare Zeit und das schönste Freiluft-Frühstück meines Lebens, hoch über einem See, mitten im Nirgendwo. Schweden ist so vielfältig schön: Da ist Pettersson und Findus, Bullerbü, Pipi.

Schweden ist die Mutter von Ikea, die Heimat von Alfred Nobel, dem Begründer des Nobelpreises. Die Schweden erfanden nicht nur das Dynamit, sondern auch den Herzschrittmacher, den Dreipunktgurt, Skype und Spotify, Volvo, Hennes und Mauritz und eben diesen Slogan: „Du bist, was du isst.“ Ich finde diesen Satz „Skit“. Oder auf Deutsch: Scheiße.
Sind wir wirklich das, was wir essen? Und was sind wir wenn wir Knäckebrot essen? Im Umkehrschluss bedeutet das: Wer sich bewusst und gesund ernährt, wird mit Gesundheit, Freude Vitalität und einer tollen Figur belohnt.

Und wer sich ungesund ernährt, wird krank, träge, unzufrieden und dick. Aber was ist mit schlanken Leuten, die sich ungesund ernähren? Oder denen, die Übergewicht haben, obwohl sie auf ihre Ernährung achten?

Gibt es solche? Darf das sein? Darf ein Veganer Yoga hassen und dick sein? Oder dürfen nur Yogis vegan leben und schlank sein?

Was ist mit den Fleischessern? Ist ein Fleischesser ein Klimasünder mit erhöhtem Cholesterin? Und was ist jemand mit Gemüsebeet im Garten und Fertiggerichten im Kühlfach? Verrückt? Dick oder dünn?

Und was ist mit Über -und Untergewicht aus medizinischen Gründen?

Sehen wir das unserem Gegenüber an? Sehen wir, wieso er schlank oder übergewichtig ist? Wissen wir, wieso jemand erschöpft wirkt? Oder jemand vor Freude strahlt? Zu wenig Kaffee? Grüner Smoothie? Aura? Karma? Gut? Schlecht? Wann ist etwas gesund und wann ist es ungesund? Und wieviel davon? Was isst ein Egoist? Und was ein Neurochirurg? Was kocht eine Stripperin? Was essen Familien, die ihren Kindern vorleben, herablassend über Körperformen fremder Menschen zu sprechen? Currywurst? Oder gebackenen Fenchel?

Ich weiß es nicht.

Aber was wäre, wenn wir essen, was uns gut tut und uns glücklich macht? Und es dabei keine Rolle spielt, was andere darüber denken? Ich jedenfalls bin, was ich fühle, denke und mache und wahrscheinlich so etwas wie die Summe aus meinen Erfahrungen und Wünschen. All das macht hungrig. Also esse ich. Guten Appetit, Freunde. Oder wie die Schweden sagen: „Smaklig måltid“.

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1 Kommentar

  1. Hallo Frau Ademi,
    mit Begeisterung habe ich in der Printausgabe Ihre wirklich wahren Worte/Gedanken gelesen. Sie bringen auf den Punkt womit sich viele Menschen tatsächlich täglich beschäftigen, ganz egal von welchem Standpunkt aus. Ein toller Beitrag, ich freue mich auf mehr aus Ihrer Feder!
    Beste Grüße
    Marc Müller

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