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Jerusalem in Füssen: Die „Passion 20:20“ in Ludwigs Festspielhaus

„Man muss es selbst gesehen haben, um es zu erleben, zu spüren, zu riechen, zu hören und zu begreifen. Es geht darum, die Ostergeschichte nicht nur zu sehen, sondern auch zu fühlen“, sagt Regisseur Manfred Schweigkofler über „Die Passion 20:20“. Das Projekt, das Ende März seine Weltpremiere in Füssen feiern und insgesamt 22 Mal aufgeführt wird, wirft große Schatten voraus. Am Nachmittag wurden erste tiefere Einblicke in die einzigartige Inszenierung in Ludwigs Festspielhaus offiziell vorgestellt. Zudem gab Festspielhaus Geschäftsführerin Birgit Karle am Rande des Gesprächs bekannt, dass nun ein neuer Betreiber für die Gastronomie gefunden ist.

Iim Mittelpunkt der Passion 20:20 steht ohne Zweifel, die weltbekannte Geschichte von Christi Passion in einer völlig neuen Art und Weise zu erzählen. Die vier letzten Tage Jesu, von Gründonnerstag bis Ostersonntag, das letzte Abendmahl, die letzten Stunden am Ölberg, der Verrat, die Gefangennahme, das Verhör durch Pilates, die Kreuzigung auf Golgatha und schließlich die Auferstehung bis hin zu Christi Himmelfahrt. Dabei soll die Passion 20:20 den Besuchern die Geschichte auf verschiedenen Ebenen nahe bringen und neue Verbindungen schaffen. Das Besondere ist die Mischung aus historischen Darstellungen, Musik, Show, Luftakrobatik, Special Effects, Sound, Kunstgeschichte und Storytelling. Der Zuschauer ist mittendrin im Geschehen.

Jerusalem begehbar, erlebbar und interaktiv

Bereits im Foyer des Festspielhauses sollen die Gäste standesgemäß empfangen und direkt in die Zeit vor 2000 Jahren zurückversetzt werden. Das Foyer, das sich an diesen Tagen auf einer Fläche von 350 Quadratmetern in das Jerusalem der damaligen Zeit verwandelt, soll die Besucher möglichst authentisch auf das anstehende Osterfest einstimmen. Mitten im Raum werden Olivenbäume stehen, Marktweiber und Schreier an Ständen in engen Gassen um Waren wie Datteln, Feigen oder Gewürze feilschen, sogar eine Klagemauer soll aufgebaut werden, an der die Besucher kleine Nachrichten oder Gebete und Wünsche hinterlassen können. Dargestellt wird ebenso der Kreuzigungsberg Golgatha, ein Beduinenzelt der Begegnung oder der Prozessionsweg Via Dolorosa. Über 100 Statisten und Laiendarsteller werden dabei für eine einzigartige und lebhafte Atmosphäre im Foyer sorgen.

Der Theatersaal von Ludwigs Festspielhaus wird dann zum Schauplatz der eigentlichen Passion. Auf der Bühne wird die Ostergeschichte von insgesamt elf Schauspielern und Tänzern erzählt. Sie zeigen ungewohnte Sichtweisen und die Passions-Geschichte aus ihren ganz persönlichen Blickwinkeln, Maria Magdalena, Petrus, Judas, der Hohepriester oder Pilatus. In einem übergreifenden Genre-Mix von geschichtlicher Erzählung, Theater, Video-Mapping, alter und neu komponierter Musik, Klangbildern, sowie Tanz und Projektionen, wird dabei eine völlig neue Kunstform geschaffen, unterstützt von verzaubernden Licht-und Lasereffekten. Abgerundet wird das Gesamterlebnis durch den Soundtrack, opulente Hollywoodfilmmusik mit Straßenmusik aus dem Nahen Osten verbindet.

Der multikreative Filmemacher, Autor, Musiker und Schauspieler, Manfred Schweigkofler verwirklicht damit „eine völlig neuartige, immersive, emotionale Erfahrung“. Dazu hat er zwei junge, innovative Künstler gewonnen, den Komponisten David Hüger und den Video-Künstler Christoph Grigoletti. Insgesamt wirken rund 180 Personen an der Passion 20:20 mit, die Produktionskosten betragen rund eine halbe Million Euro. „Man muss nicht an die Geschichte glauben, um sich von ihr begeistern zu lassen“, garantiert der Südtiroler.

Neuer Betreiber der Gastronomie ab März

Neuer Wind weht ab dem Monat März in der Gastronomie des Festspielhauses. Nach dem Ausscheiden des bisherigen Betreibers, der Firma Lerch aus Biberach, wird dann ein Unternehmer aus dem Raum Friedrichshafen den Gastrobereich, der den Betrieb des Biergartens, der Veranstaltungsräume sowie der Bierwirtschaft beinhaltet, übernehmen. „Wir haben lange gesucht“, sagt Festspielhaus Geschäftsführerin Birgit Karle, „Jetzt haben wir mit Enis Imeraj aus Friedrichshafen, der dort auch einige Restaurationen betreibt, einen sehr guten und starken Partner gefunden.“ Der Betrieb soll demnach nahezu nahtlos übergehen, eine Wiedereröffnung der Festspielhaus Gastronomie ist für Mitte bis Ende März geplant. Zuvor will der neue Betreiber allerdings noch die gesamten Küchenanlagen restaurieren und dementsprechend erneuern lassen. Das Cafe im Rondell des Hauses, die Theaterbar, wird dagegen künftig von den Mitarbeitern des Theaters selbst betrieben. „Das Theater und die Theaterbar gehören zusammen“, sagt Birgit Karle. „Geöffnet hat sie nach jeder Vorstellung, die im Haus stattfindet.“

Für das Festspielhaus selbst bedeutet der neue Gastro-Betreiber, der somit auch in den Betrieb vor Ort finanziell investiert, nicht nur die Fortführung der Bewirtschaftung der Gasträume, sondern gleichzeitig auch ein weiteres Signal für die immer noch eher wacklige Zukunft des Hauses. „Das kann man durchaus so sehen“, bestätigt Karle. „Investitionen macht man schließlich für längere Zeiten. Dazu kommt, dass wir auch erst vor wenigen Wochen nun den Spielplan 2020 abgeschlossen und jetzt auch schon den Spielplan für das Jahr 2021 geöffnet haben, bisher ging es ja nur bis Ende des Jahres. Wir schwimmen jetzt auf einer kleinen Welle der Euphorie, wir müssen aber weiterhin vorsichtig sein.“

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