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Segen bringen

Sternsinger der Gemeinde Rieden zum 40. Mal unterwegs

An der größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder beteiligen sich die Riedener Sternsinger heuer zum 40. Mal. Die Organisation für den Dreikönigstag und die Betreuung der Kinder und Jugendlichen haben seit dem letzten Teamwechsel vor fünf Jahren Margit Senn und Uta Schneider übernommen. Zu Beginn ihrer damals neuen Aufgabe musste erst mal kräftig die Werbetrommel gerührt werden, da viele Sternsinger mit den vorigen Organisatoren wegfielen. Mitmachen durften und dürfen alle ab dem Vorschulalter, egal ob evangelisch oder katholisch. Hauptsache sie haben Spaß daran und sind motiviert. „Es ist immer wieder toll zu erleben, mit wie viel Eifer die Kinder jedes Jahr wieder dabei sind und helfen wollen,“ erzählt Margit Senn. Die Planung und Treffen finden hauptsächlich in den Weihnachtsferien statt, sonst wäre es für sie und Uta Schneider, beide selbst Mütter von drei Kindern nicht zu bewältigen. Unterstützt von ihren Ehemännern und vielen Gemeindemitgliedern im Hintergrund, werden die Kinder auf die Aktion gut vorbereitet.

Dieses Jahr lautet das Motto „Frieden! Im Libanon und weltweit“ Beim ersten Treffen Mitte November 2019 erhielten die Sternsinger bei der Projektvorstellung ausführliche Informationen durch Uta Schneider. Im dem eigens zu diesem Zweck gedrehten Film von Sternsinger-Reporter Willi Weitzel: „Willi im Libanon“ erhielten sie mehrere Einblicke in das Leben von christlichen und muslimischen Gleichaltrigen im Libanon. Obwohl das kleine Land selbst noch unter den Folgen des Bürgerkriegs (1975 bis 1990) leidet, gelingt ihnen ein harmonisches und friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religionen. Noura, Rabella aus Beirut oder Kassem aus Syrien und alle Kinder in dem 50 Kilometer entfernten Flüchtlingslager haben eines gemeinsam: Den Wunsch nach Frieden.

Seit 2011 hat der Syrien-Krieg fast eine halbe Million Menschenleben gefordert und mehr als die Hälfte (14 Millionen) der Bevölkerung zu Flüchtlingen gemacht. Das Flüchtlingsleben in der Bekaa-Ebene ist nicht einfach, (die Menschen leben in kleinen selbst gebauten Hütten, die sie mit Planen vor Kälte schützen). Nichts destotrotz sind die Menschen dankbar für den Frieden, den sie in ihrem eigenen Land nicht haben. Die von den Sternsingern unterstützten Hilfsorganisationen, wie z.B. Caritas, Jesuiten-Flüchtlingsdienst und Stiftungsprogramm Alwan führen die teilweise vom Bürgerkrieg traumatisierten Kinder behutsam in die Normalität zurück. Denn für alle dort lebenden Libanesen, Syrer und Iraker, für jeden Glauben gilt die gleiche goldene Regel: „Behandle andere Menschen so, wie Du selbst behandelt werden möchtest.“

Ende November trafen sich die Mitwirkenden zum zweiten Mal zur Gottesdienstbesprechung und Liederprobe. Angeleitet von Musikpädagogin Dr. Veronika Vötterle, deren 5-jähriger Sohn Anton heuer das erste Mal dabei ist, wurden zwei neue Lieder eingeübt. Am 3 .Januar ist das nächste Treffen zur Gottesdienst- und Gesangsprobe in der Kirche geplant, am 4. Januar schließlich findet im Pfarrheim die Kleider- und Generalprobe statt.

Der Dreikönigstag beginnt um 8.00 Uhr mit Ankleiden und Schminken im Pfarrheim. Um 8.45 Uhr geht es in die Kirche zum Gottesdienst von Gemeindepfarrer Hans-Ulrich Schneider. Ab 10 Uhr machen sich die knapp 40 Kinder als Heilige Drei Könige verkleidet bei jedem Wetter auf den Weg, um vor ca. 600 Häusern und Wohnungen in Rieden und Umkreis zu singen und ihnen den Segen zu bringen. Die Kinder bzw. Jugendlichen ziehen aufgeteilt in 10 Gruppen (4 oder 5 Personen) von Tür zu Tür, um Spenden zu sammeln. Gruppen jüngeren Alters werden natürlich von einem Erwachsenen begleitet, der mit den Abläufen vertraut ist. Gerade die kleineren Kinder wären auch nicht groß genug, um den Segensspruch 20C+M+B20 (für Caspar, Melchior und Balthasar 2020) mit Kreide an die Türen zu schreiben. Von Anfang an mit viel Engagement dabei die Mittagsstationen Pizzeria Gambero, Da Pietro, Landhotel Schwarzenbach, Gasthof Rössle und 6 private Haushalte, die zwischen 12 Uhr und 12.30 Uhr zu königlichen Mahlzeiten einladen. Gegen 17 Uhr kehren die Gruppen hoffentlich mit hohem Ertrag zurück. Aus organisatorischen Gründen macht sich am 7. Januar eine Königsgruppe extra nochmal auf den Weg, um Firmen der Gemeinde aufzusuchen. Seit drei Jahren werden die betreffenden Gewerbe rechtzeitig angeschrieben und können einem Besuch der Königssinger zustimmen und entsprechende Spendenquittungen erhalten. Die Spendengelder gehen zu 100 Prozent an das Kindermissionswerk, versichert Initiatorin Margit Senn. Alle restlichen Ausgaben werden von der Gemeinde getragen. Das Kostüme wurden selbst gefertigt aus gespendeten Tüchern oder Vorhängen. So auch das besonders kleine Königsgewand von Magdalena Senn, gerade mal 4 Jahre alt. Alle Teilnehmer erhalten von der Pfarrei Rieden Traubensaft und ein Foto ihrer Königsgruppe.

Träger der deutschen Aktion Dreikönigssingen sind das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der „Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)“. Seit der Aktion Dreikönigssingen 1959 konnten rund 1,14 Milliarden Euro für notdürftige Kinder gesammelt und damit auf mehr als 74.400 Hilfsprojekte verteilt werden. Allein 2019 haben 300.000 Friedensbringer 50,2 Millionen Euro zusammengebracht.

Text: Verena von der Goltz · Foto: privat

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