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Nichts für Warmduscher

Fackelschwimmer feiern Jubiläum

Traditionsbewusste Zuschauer können ein neues Jahr schon gar nicht mehr anders beginnen, Außenstehende klappern bereits bei den nüchternen Zahlen mit den Zähnen. Bei bis zu -15 Grad Außen- und knapp 5 Grad Wassertemperatur stürzen sich seit 30 Jahren jeden Neujahrstag Schwimmer in den Lech. Es handelt sich hier in der Mehrheit um Lebensretter aus verschiedenen Wasserwachten, die den Füssener Bürgern damit ein gutes neues Jahr wünschen wollen. Maxi Achatz, technischer Leiter der Wasserwacht Füssen, fragt dafür jedes Jahr mehrere Vereine an, unter anderem bis zu 15 Wasserwachten aus dem Ostallgäu, fünf Tauchclubs oder auch die Schwimmvereine im Umkreis. So kommen dann die bis zu 100 Teilnehmer zusammen. Mit dem Schwimmen im kalten Wasser stellen die Wasserretter unter Beweis, dass ihre Einsatzbereitschaft auch im Winter gegeben ist. „Oft war es aber so, dass das Wasser wärmer war als die Luft. So haben die Zuschauer mehr gefroren als wir im Wasser“, stellt Rudi Achatz klar, Chef der Füssener Wasserwacht.

Wasserwacht Füssen ist schon über 70 Jahre alt

„In diesem Jahr feiert das Fackelschwimmen zwar Jubiläum, aber außer einem etwas anderen Feuerwerk wird es keine größeren Aktionen zur Feier geben. Uns fehlen schlicht die Ressourcen, um noch mehr zu organisieren“, erklärt Achatz. Die Füssener Wasserwacht ist schon über 70 Jahre alt und zählt derzeit um die 300 Mitglieder. Mitglied kann dort jeder werden, sowohl aktiv und als auch passiv, es wird jeder als Mitglied angesehen. Als aktives Mitglied bei der Wasserwacht kann man seinen Rettungsschwimmer machen, seine Schwimmstufe, den Tauchschein und auch den Bootsführerschein erwerben. Mitglied werden kann man ab einem Alter von 7 Jahren. Die Jugendgruppe absolviert jeden Dienstag in Nesselwang ihr Training und ein Mal jedes Jahr nehmen sie am Kreisschwimmen, eingeteilt nach den Stufen 1 bis 3 je nach Altersklasse, teil. Erwachsene haben mittwochs Training und müssen ebenfalls ein Mal im Jahr ihren Leistungsnachweis erbringen.

„Im Sommer schieben wir Dienst am Forggensee und an der Bannwaldsee-Hütte, außerdem gibt es da noch die Schnelleinsatzgruppe in Füssen mit Fahrzeug und Boot“, so Achatz. „Auch Wachgänge sind möglich und notwendig, man muss also nicht unbedingt gut schwimmen können, um sich bei uns als aktives Mitglied einbringen zu können.“

Der Ablauf

Sobald die erste Fackel an der Lechbiegung zu sehen ist, werden die Rettungsschwimmer traditionell von den Böllerschützen mit schweren Handböllern und der Kanone angekündigt. Zusammen mit einer überdimensionalen „2020“ und einem Meer aus brennenden Fackeln rufen die Schwimmer „ein gutes neues Jahr“ auf der Höhe der Brücke. Sind alle wohlbehalten wieder auf dem Trockenen, gibt es zum Abschluss ein gesponsertes Brillantfeuerwerk über dem Lech.

Die Wartezeit lässt sich gemütlich mit Punsch und Wienerle an den Ständen des Fördervereins der Wasserwacht verkürzen.

Doch wie kam es zu diesem imposanten Schauspiel? „Der damalige technische Leiter, Jürgen Geisenfelder, hatte ein Fackelschwimmen in einer anderen Art schon mal woanders gesehen und griff diese Idee auf. Er wollte der Kälte trotzen und einen Neujahrsgruß der etwas anderen Art ins Leben rufen. Mittlerweile ist es schon Tradition geworden“, erzählt Rudi Achatz. In der Tat ist diese Art von Fackelschwimmen einzigartig, nirgends sonst im Allgäu wird so ins neue Jahr gestartet.

Wer das eindrucksvolle Schauspiel miterleben möchte, sollte sich am 01.01. rechtzeitig einen guten Platz am Lechufer oder auf der Theresienbrücke sichern. Ab 16 Uhr gibt es Bewirtung und gegen 17.30 Uhr schwimmen die Fackeln vorbei.

Text: Sven Ademi · Foto: Hubert Riegger

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