Menschen

Eiserne Liebe

Alfred & Franziska Köpf feiern „Eiserne Hochzeit“

Fünfundsechzig Jahre Seite an Seite, durch dick und dünn, mit allen Höhen und Tiefen. Aber es ist viel mehr als das. Es ist die Entscheidung sein gesamtes Leben ohne Wenn und Aber miteinander zu verbringen. Eine Entscheidung die am 23. Oktober 1954 offiziell und amtlich getroffen und besiegelt wurde. Alfred und Franziska Köpf dürfen somit in diesem Jahr ihre sogenannte „Eiserne Hochzeit“ feiern. Silberne Hochzeit, Rubinhochzeit, Goldene, Platine und sogar die Diamanthochzeit haben die beiden längst hinter sich.

Franziska ist gebürtige Füssenerin, wuchs in einem Haus in der Ritterstraße auf, an dem ihr zukünftiger Ehemann in seiner Jugendzeit öfters vorbei radelte. Alfred dagegen hatte das Licht der Welt laut seiner Geburtsurkunde in Eschach-Häusern erblickt, ein beachtlicher Unterschied, auf den innerhalb der Familie stets großer Wert gelegt wurde. Auf dem Weg zu seinem Ausbildungsbetrieb, der Schreinerei Steger an der Lechhalde, kam Alfred täglich an dem Haus von Franziskas Familie vorbei, das direkt gegenüber der alten Färberei Löckher war. „Sie saß oft am Fenster oben, das weiß ich noch genau“, erzählt er. „Wir haben in der Ritterstraße sehr wenig Sonne gehabt“, ergänzt Franziska. „Da haben wir es natürlich genossen, wenn mal die Sonne ins Fenster gescheint hat, einen Balkon hatten wir nicht.“ „Eigentlich war ich damals ein schüchternes Büble“, lacht Alfred. „Aber trotzdem hab ich immer einen Blick hinauf geworfen, wenn ich sie gesehen habe.“ Bis sich die beiden dann tatsächlich näher kamen, sollte es aber noch etwas dauern.

Nach der Volksschule begann Alfred Köpf, der als ältestes von drei Geschwistern geboren wurde, eine Schreinerlehre, die er als Schreinergeselle und schwäbischer sowie bayerischer Landessieger im Schreiner-Handwerk erfolgreich abschloss. Im Dezember 1944 wurde er für ein knappes halbes Jahr zum Arbeitsdienst/Fronteinsatz eingezogen und geriet danach anschließend in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er Ende des Jahres 1945 wieder zurückkehrte. Seine zukünftige Frau lernte zu dieser Zeit ihren Beruf als Friseurin. Nach seiner Rückkehr wurde Alfred Köpf Mitglied beim EV Füssen und war von 1946 bis 1968 dort auch aktiver Spieler. Der Sport war es auch, der die beiden letztendlich im Winter 51/52 dann zueinander führte. „Wir waren zu einem Spiel nach Lindenberg unterwegs“, erinnert sich der heute 92-Jährige, der von seinen Kameraden nur mit dem Spitznamen „Trepp“ angesprochen wurde, in Anlehnung an den Schweizer Nationalspieler Hans-Martin Trepp aus Arosa, der seinerzeit als einer der schnellsten Stürmer Europas galt. „Auf der Fahrt im Bus saß ich dann plötzlich neben Franziska, das haben die Mannschaftskollegen damals irgendwie ein bisschen inszeniert.“ „Zusammen mit meiner Freundin war ich viel im Eishockey, es gab ja sonst auch nicht viel. Es war allerdings nicht Liebe auf den ersten Blick, eher auf den zweiten. Es hat also schon etwas gedauert.“

16 Schaufeln = ein Schubkarren,
16 Schubkarren = 1 Kubik

Zum jährlichen Eishockey-Ball im Füssener Stadtsaal, der damals noch auf dem Gelände des heutigen Hotel Luitpoldpark zu finden war, lud Alfred seine Franziska schließlich zum ersten Mal offiziell ein, ihn an seiner Seite zu begleiten. Geheiratet haben die Zwei schlussendlich am 23. Oktober 1954. „Den Anzug dafür hat mir damals ein Polizist geliehen“, lacht er. „Das Brautkleid hat mir meine Schwester aus Fallschirmseide zusammengenäht“, sagt Franziska. Gefeiert wurde traditionell im Füssener Bräuhaus, zusammen mit Familien und Freunden sowie der Mannschaft des EVF, die damals noch unter der Leitung von Bruno Leinweber stand. Schon rund ein Jahr zuvor begann Alfred mit der selbstständigen Errichtung eines eigenen Wohnhauses mit einer integrierten Werkstatt direkt in der Nähe des Eisstadions. „Zusammen mit unseren Vätern haben wir hier in gut sechs Wochen insgesamt über 400 Kubikmeter Kies heraus geschaufelt, mit bloßen Händen. Das Wohnhaus entstand nahezu in reiner eigener Handarbeit innerhalb von nur wenigen Jahren. Eingezogen sind wir aber schon am Tag unserer Hochzeit.“

Am 6. Mai 1955 legte Alfred Köpf schließlich die Meisterprüfung im Schreinerhandwerk ab. Keine leichte Aufgabe, zumal er dafür monatelang mit dem Motorrad jeden Morgen bis nach Augsburg fahren musste. „Es war teilweise so kalt, dass mir dabei sogar die Zehen und Finger angefroren sind. Nachdem Franziskas Eltern dann nach Buchloe umgezogen waren, konnte ich zumindest eine Zwischenstation einlegen oder sogar bei ihnen übernachten. Das war eine harte Zeit, die sich aber auch gelohnt hat.“ In all den Jahren der Selbständigkeit als Meister und Inhaber eines Betriebes mit ausgezeichneter Reputation beschäftigte Alfred Köpf schließlich bis zu 20 Schreinergesellen und bildete über 170 Lehrlinge aus. 30 Jahre lang war er zudem ehrenamtlicher Obermeister der Schreiner-Innung Füssen sowie Vorstandsmitglied der Kreishandwerkerschaft Füssen-Marktoberdorf. Alfred und Franziska Köpf haben zusammen drei Töchter und einen Sohn. Eine große Familie, die es vor allem in schwierigen Zeiten galt zusammen zu halten, wofür stets Franziska zuständig war. Denn durch seine vielen verschiedenen beruflichen und sportlichen Tätigkeiten und vor allem die zahlreichen politischen Ämter, in denen sich Alfred Köpf Jahrzehnte lang engagierte, war er auch viel unterwegs, von München bis nach Bonn. „Dabei hat er nie einen Geldbeutel mitgenommen“, betont die 88-Jährige. „Wie er das geschafft hat, ist mir heute noch ein Rätsel.“

„Geometrie einer Ehe“

Feiern wollen die Köpfs ihren Tag der „Eisernen Hochzeit“ ganz im Kreise ihrer Liebsten und engsten Freunde und Angehörigen. Wie es den beiden heute geht? „Unkraut vergeht nicht oder gute Ware hält sich“, lacht Franziska. In einem Regal im Wohnzimmer steht neben vielen anderen Büchern unter anderem auch Willi Heinrichs Roman „Geometrie einer Ehe“. Auf die Frage, inwiefern die Ehe der Köpfs geometrisch wohl zu definieren ist, antworten sie beide mit „kantig und mit Ecken, eher ein Achteck, als ein Dreieck und schon gar kein Kreis, dennoch aber eine runde Sache.“

Text: Lars Peter Schwarz · Fotos: Sabina Riegger

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