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Königliche Hochzeitsfeierlichkeiten in Hohenschwangau

Am 12. Oktober 1842 heirateten Kronprinz Maximilian von Bayern und Prinzessin Marie von Preußen, die Eltern des späteren König Ludwigs II. von Bayern. Das Datum wurde nicht zufällig gewählt, war es doch der Hochzeitstag der Eltern des Bräutigams, die sich zweiunddreißig Jahre vorher an einem 12. Oktober das Jawort gegeben haben.

Die Feierlichkeiten zu Ehren der Brautleute zogen sich über Wochen hin. Beginnend mit einer ersten Trauung in der Heimat der Braut am 5. Oktober im Berliner Stadtschloss. Allerdings war dies nur eine Hochzeit per procurationem, mit Stellvertreter. Der eigentliche Bräutigam, Kronprinz Maximilian, war nicht zugegen. Als Stellvertreter fungierte Maries Cousin, Prinz Wilhelm von Preußen. Am darauffolgenden Tag begab sich die frisch gebackene bayerische Kronprinzessin auf ihren Brautzug von Berlin nach München. Hier fand am 12. Oktober die eigentliche Trauung in der Allerheiligen Hofkirche statt. Diesmal war auch der Bräutigam anwesend. In den nächsten Tagen reihten sich Bälle und Empfänge aneinander. Der viele Teile umfassende, feuervergoldete Tafelaufsatz, der heute im Museum der bayerischen Könige besichtigt werden kann, wurde vom Bräutigam selbst anlässlich seiner Hochzeit in Auftrag gegeben.

Am 26. Oktober, einem Mittwoch, fuhr das frisch vermählte Paar dann das erste Mal gemeinsam in Maximilians Schloss am Rande der Alpen, nach Hohenschwangau, um dort einige Wochen fernab der Hauptstadt zu verbringen. Natürlich war die Bevölkerung im Vorfeld über die Ankunft des Kronprinzen und seiner jungen Ehefrau informiert worden. Man gründete ein Festkomitee, plante Feierlichkeiten zu Ehren der königlichen Hoheiten, suchte einen Festplatz aus, errichtete einen Pavillon mit Tribüne und Festsaal, steckte ein Gelände zum Festschießen ab, fertigte Preisfahnen an, studierte Musikstücke ein und komponierte eigens Lieder. Die Vorbereitungen bedurften vieler helfender Hände, um rechtzeitig bei der Ankunft des hohen Paares fertig zu sein.

In Hetten bei Hohenpeißenberg erreichten Max und Marie die erste von vielen Ehrenpforten, die ihren weiteren Weg säumen würden. Die dortigen Honoratioren erwarteten die königliche Kutsche, hießen die Brautleute willkommen und gratulierten zur Vermählung.

Auch alle weiteren Dörfer, die sie auf ihrer Reise durchfuhren, hatten sich herausgeputzt und mit Fahnen, Wimpeln und Kränzen dekoriert. Da sich der Tag bereits dem Ende zuneigte, als das Kronprinzenpaar an der Colomannskirche ankam, beleuchteten bunte Lichter zu beiden Seiten der Straße den Weg nach Hohenschwangau bis zur Schlossstraße. Tausende Menschen von nah und fern waren gekommen und hießen Max und Marie mit Jubelrufen willkommen. Den Eingang des kleinen Ortes schmückte eine große, beleuchtete Ehrenpforte, die ein Schwan und ein Adler flankierten. Am Fuße des königlichen Schlosses wurde das Brautpaar vom Festkomitee empfangen. Bis zuletzt war nicht klar gewesen, ob der Empfang der königlichen Hoheiten wie geplant von statten gehen könnte, war doch das Wetter, bis zwei Stunden vor deren Ankunft, ungewöhnlich schlecht gewesen. Ein gewaltiger Herbststurm fegte durch das Voralpenland, von dem man bei deren Ankunft allerdings nichts mehr spüren konnte.

Am Donnerstag gönnte man dem frisch vermählten Brautpaar eine Verschnaufpause. Das Hauptfest begann am 28. Oktober. Morgens um 8 Uhr wurden in der Schwangauer Gemeindekirche und in der Füssener Stadtkirche je ein ortsansässiges Brautpaar vermählt. Auch ein Jubelpaar aus Niederhofen erhielt einen Segen. Im Anschluss versammelte man sich zum Festzug. Alle Brautpaare, deren Familien und Hochzeitsgäste, das Musikkorps aus München unter der Leitung von Peter Streck, das Festkomitee, die Festschützen, Liederkränze und Chöre aus Füssen, Schongau, Kaufbeuren, Kempten, Obergünzburg und Sonthofen, eine Deputation aus dem Werdenfelser Land, der königliche Kapellmeister Stunz, der die musikalische Leitung des Festes übernommen hatte, sowie die Landwehr gingen in einem geschlossenen Zug hinauf zum Schloss, in dessen Hof sie sich aufstellten. Während der Zug draußen wartete, gingen nur die Herren des Festkomitees in das Schloss, um die Glückwünsche der Bevölkerung zu überbringen. Doch auf Wunsch von Max und Marie durften ebenso die beiden jungen Brautpaare, die aus Horn und Füssen stammten, sowie das Jubelpaar ins Schloss eingelassen werden, wo sie den königlichen Hoheiten vorgestellt wurden. Als der Zug wieder am Festplatz angekommen war, begann das Festschießen, und das Musikkorps spielte zur Unterhaltung der Anwesenden. Sobald es dämmerte, entzündete man ca. dreißig Feuer auf den Gipfeln ringsherum. Gegen sechs Uhr abends begaben sich die Liederkränze, im Schein hunderter Fackeln in einem geschlossenen Zug zurück in den Schlosshof, um für die königlichen Hoheiten einige Stücke zum Besten zu geben. Das Lied „die Burgfrau“, das eigens für diesen Anlass komponiert wurde, musste auf Wunsch des Kronprinzenpaares sogar wiederholt werden, da es ihnen so gut gefiel. Auch eine gebundene und verzierte Abschrift des Liedes wurde den königlichen Hoheiten überreicht. Mit einem grandiosen Feuerwerk schloss der Tag ab.

Auch am Samstag waren die Feierlichkeiten in vollem Gange. Man veranstaltete einen Tanz im eigens errichteten Festsaal auf dem Festplatz im königlichen Filz. Auch das Festschießen ging weiter. Es hatten sich so viele Teilnehmer eingefunden, dass die Siegerehrung nicht, wie geplant am Samstag, sondern erst am Sonntag stattfinden konnte. Zur Überraschung aller Feiernden erschienen auch Kronprinz Max und Kronprinzessin Marie auf dem Festplatz und tanzten mit den Brautpaaren. Hinterher ließ es sich Max nicht nehmen, bei der Begutachtung der Schießstände auch einmal selbst zu schießen. Marie nahm währenddessen auf der Tribüne im Pavillon Platz und unterhielt sich mit den Anwesenden. Das Diner nahmen die königlichen Hoheiten allerdings wieder im Schloss ein. Musikmeister Stunz und auch das Festkomitee waren zur Tafel geladen.

Die Nacht zum Sonntag brachte einen drastischen Temperatursturz mit sich. Es schneite. Wo gestern noch getanzt wurde, lag Zentimeter hoch Schnee. Doch die Siegerehrung des Festschießens, die die Feierlichkeiten zum hohen Hochzeitsfest abschloss, konnte wie geplant abgehalten werden. Die Siegerfahnen der ersten drei Plätze zierten das Schloss Hohenschwangau, die Burg Falkenstein und das Schloss Fischbach, in dem die Kronprinzessin aufgewachsen war.

Das Fest war für alle Mitwirkenden, Beteiligten und Anwesenden ein voller Erfolg und etwas Einmaliges in Hohenschwangau.

Text: Vanessa Richter, Kulturvermittlerin
im Museum der bayerischen Könige in Hohenschwangau
Foto: Hubert Riegger

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