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Festspielhaus Füssen: Ungewisse Zukunft

Ein Förderverein, der sich finanziell tatkräftig für das Fortbestehen und den Erhalt des Festspielhauses einsetzt und eine hauseigene Gesellschaft, die dafür sorgen soll, dass öffentliche Zuschüsse in Form von Fördergeldern für Kulturprojekte fließen. Diese Kombination könnte, zusammen mit einem eigenen erfolgreichen Spielplan und einer ausgelasteten Belegung der Räumlichkeiten, in der Tat der Schlüssel sein, mit dem eine Zukunft von Ludwigs Festspielhaus realisierbar sein könnte.

Das Haus soll bis Ende des kommenden Jahres in ein Fahrwasser manövriert werden, in dem es sich auch in den nächsten Jahren selbstständig und nachhaltig fortbewegen kann.

Erst gegen Ende August hatte sich, wie berichtet, der „Förder- und Freundeskreis Festspielhaus Füssen“ gegründet, in dem sich Unternehmer, Politiker, Macher und Festspielhausbegeisterte zusammen geschlossen hatten, um sich für die Zukunft und den Erhalt des Hauses einzusetzen. Diese Idee eines Freundes- und Förderkreises ist nicht neu. Auch beim ersten Musical bildete sich ein Verein, der das Festspielhaus unterstützte. Man wollte eine Bindung zwischen den Einheimischen und dem Haus schaffen.

Unabhängig davon wurde bereits vor wenigen Wochen von den Betreibern des Festspielhauses selbst die „Königswinkel Kultur gGmbH“ gegründet. Zweck dieser sogenannten gemeinnützigen GmbH ist es, Kultur und Bildung zu fördern, ob durch die Aufführung von Musik- und Theaterveranstaltungen, oder auch die Erteilung von Musik-, Kunst-, Tanz- und Kulturunterricht. Als Geschäftsführer wurde Florian Zwipf-Zaharia bestellt, der bereits früher schon als Intendant für das Festspielhaus tätig war. Die Gelder, die von Kulturfördereinrichtungen an die gGmbh fließen, können ausschließlich für Kulturprojekte ausgegeben werden. „Immer wieder kommt der Wunsch nach einem klassischen Opernprogramm“, erklärt Theaterchef Benjamin Sahler. „Das ist für uns aber nur mit öffentlichen Fördergeldern oder Subventionen machbar. Mit der Kultur gGmbh können wir Fördergelder beantragen, die uns helfen, ein attraktives Programm zusammenzustellen. Immerhin leisten wir hier auch eine kulturelle Grundversorgung. Wir öffnen unser Haus für Tanz- und Laiengruppen oder Schultheater, dazu kommt unsere Musical Academy, die sich innerhalb kürzester Zeit enorm etabliert hat. Das alles fällt auch unter die Gemeinnützigkeit.“

Diese gemeinnützigen Projekte sollen somit den regulären Betrieb des Festspielhauses ergänzen. Denn auch das Musical Ludwig2 soll im kommenden Jahr weitergeführt werden, wenn auch mit einer deutlich geringeren Anzahl an Vorstellungen. So werden es im nächsten Jahr rund 45 Aufführungen sein, entgegen der Zahl von 77 in diesem Jahr. Dabei werden die Ludwig-Shows auch nicht mehr in Spielblöcke aufgeteilt, sondern über das ganze Jahr hinweg verteilt. Ebenso bleibt das Haus für viele Fremdveranstaltungen weiterhin geöffnet.

Pächter für die Gastronomie gesucht

Derzeit wird am Spielkalender 2020 noch gearbeitet. Dazu wird es aber auch sonst im Haus noch weitere Veränderungen geben. Mit Beginn des kommenden Jahres endet vertraglich die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Pächter der Gastronomie, dem Unternehmen Lerch aus Biberach. Für den Betrieb des Restaurants, zu dem neben dem Biergarten auch die hinteren Veranstaltungsräume, wie der Panoramasaal oder das Romantik-Restaurant, gehören, sucht das Festspielhaus nun einen neuen Betreiber oder Caterer. Die beliebte Bar im Rondell will das Haus dagegen künftig in eigener Regie betreiben.

Neues Ticketgeschäft in Kempten eröffnet

Um den Direktvertrieb anzukurbeln, wurde im Forum in Kempten ein Ticketgeschäft eröffnet und eine Marketingfirma beauftragt, die Werbung breiter zu streuen. Neu ist auch, dass es ab sofort keine verbilligen Karten mehr geben wird, die teilweise bis zu 50 Prozent unter ihrem Preis angeboten wurden.

Manfred Rietzer zieht sich zurück

„Klar ist, dass weder der Förderverein noch die „Königswinkel Kultur gGmbh alleine das Festspielhaus retten können. Das alles sind nur Bausteine, die dem Haus eine breitere finanzielle Basis geben sollen“, betont Besitzer Manfred Rietzler. Nachdem er seine Pläne für den Bau eines Fünf-Sterne-Hotels endgültig zurückgezogen hatte, will er sich ab Anfang nächsten Jahres auch aus der Arbeit im Haus nahezu komplett heraushalten. „Ich werde dann nur noch einmal im Quartal hier sein. Birgit Karle als Geschäftsführerin und Benjamin Sahler als Theaterchef werden das Haus im Management weiterführen.“ Immerhin konnte das Haus die Defizite, die im Jahr 2017 noch bei rund 2,3 Millionen Euro lagen, im darauffolgenden Jahr bereits auf etwa 1,2 Millionen reduzieren. Ziel ist es, bis Ende des kommenden Jahres einen Betrieb ohne noch verbleibende Defizite zu erreichen, wenn möglich sogar im wirtschaftlich positiven Bereich. „Eine Insolvenz, wie es sie in der Vergangenheit mehrmals gegeben hat, wird es mit uns definitiv nicht geben“, betont Birgit Karle. „Sollte es uns nicht gelingen, das Haus in eine positive Zukunft zu führen, käme es im allerschlimmsten Falle zu einer geregelten Schließung des Hauses. Bis dahin wird aber auf jeden Fall alles so weitergeführt, wie es auch angekündigt ist.“

Nun gilt es die positiven Bewegungen des Fördervereins zusammen mit der eingerichteten „Königswinkel Kultur gGmbh“ und den Betreibern des Festspielhauses einen Weg in eine Zukunft zu gestalten, um das Festspielhaues zu erhalten.

Text: lps, rie · Foto: Hubert Riegger

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