Menschen

Ein Zopf für krebskranke Kinder

Verliert ein Kind aufgrund einer Krankheit seine Haare, geht oft auch das Selbstwertgefühl verloren.

Der Wiener Friseur Yochai Mevorach baut es wieder auf und lässt ein Märchen wahr werden. Aus gespendeten Haaren werden hier kostenlose Echthaarperücken für Kinder angefertigt, die durch Chemotherapie, schwere Verbrennungen oder die Krankheit Alopecia Areata ihre Haare verloren haben. Ihnen will Yochai eine neue Perspektive schenken. Seit den Anfängen 2013 hat sich einiges getan. „Das Bewusstsein für das ganze Thema ist unglaublich gewachsen“, erzählt Yochai Mevorach mit Stolz. Das führt dazu, dass nicht nur immer mehr Haare gespendet werden, sondern auch die Anfragen nach den Perücken immer mehr werden. Doch nicht nur in Österreich zaubert er schwerkranken Kindern und Jugendlichen ein Lächeln ins Gesicht. Bereits in sechs Ländern haben er und sein Team Perücken übergeben. Unterstützt wird „Haarfee“ dabei von über 80 Partnersalons, die Haare sammeln und nach Wien schicken, aber auch private Haarspenden erreichen Yochai Mevorach und sein Team. „Natürlich kann man sein Haar überall schneiden lassen und es dann an uns schicken. Ansich können wir bereits Haarspenden ab einer Mindestlänge von 25 cm für unsere Perücken verwenden. Da viele Kinder lange Haare haben möchten, sollten dafür die abgeschnittenen Haare mindestens 40 cm betragen. Wichtig ist auch, dass die Haare in der Naturfarbe, keine nachgefärbten, gebleichten oder sonst irgendwie beschädigten Haare sind“, beschreibt Yochai Mevorach die Vorgehensweise.

Florian Guggemos aus Erkenbollingen bei Füssen, ließ sein Haar über zwei Jahre lang wachsen, um es dem Verein spenden zu können. „Angefangen hat alles in der achten Klasse. Da habe ich den Entschluss gefasst, mir die Haare bis zur 10. Klasse nicht schneiden zu lassen“, erzählt der 16-Jährige. Gleichzeitig beginnt für den Teenager damit auch ein neuer Abschnitt. Er wechselt auf das Gymnasium nach Füssen. „Ich wollte nicht mehr der Florian mit den langen Haaren sein, sondern einfach nur Florian“. Dass er einem Kind mit seinen gespendeten Haaren einen Wunsch erfüllen kann, darüber freut er sich besonders. „Ich kann mir die Haare immer wieder länger wachsen lassen, kranke Kinder haben vielleicht nicht die Möglichkeit dazu“, erklärt er. Dass sich vielleicht seine Mitschüler über ihn lustig gemacht haben könnten, interessierte den jungen Mann nicht. „Das war mir egal, ich bin dazu gestanden. Die langen Haare haben zu mir gehört“, sagt er. 30 Zentimeter konnte er nun spenden.

Finanziert wird die Herstellung der Perücken durch Eigenmittel und Spenden. In seiner Arbeit mit „Haarfee“ ist Yochai Mevorach schnelle und effiziente Hilfe ohne viel bürokratischen Aufwand besonders wichtig. „Die Eltern und die Betroffenen sind total begeistert von der Qualität und können nicht glauben, wie schnell sie eine Perücke bekommen“, erzählt er. Stolz schwingt in der Stimme des Gründers mit, wenn er über den Verein und sein engagiertes Team spricht. „Ich habe gewusst, dass es sich gut entwickeln wird, aber nicht, dass es so schnell bekannt wird. Für mich geht damit ein großer Traum in Erfüllung.“ Ein Traum nicht nur für ihn, sondern besonders für die Betroffenen, die durch die Perücken wieder ein Stück Normalität in dieser Ausnahmesituation ihres Lebens bekommen. Für eine Perücke braucht man etwa vier bis fünf Zöpfe und etliche Wochen zur Fertigstellung. Grundsätzlich zahlen die Familien der betroffenen Kinder nichts für die Perücken. Auch betroffene Kinder aus Deutschland können sich an den Verein wenden. „Die meisten Anfragen kommen aus Österreich. Wir haben aber auch schon Perücken nach Deutschland, in die Schweiz und nach Italien verschickt. Wir würden unsere Perücken in jedes Land verschenken, wenn Bedarf besteht“, so Yochai Mevorach.

Wer seinen Haarzopf spenden möchte, auch einen alten, sollte das Haar in einer Küchenrolle oder Zeitungspapier wickeln und in ein Papierkuvert geben. Vergessen Sie nicht ihre E-Mail-Adresse dazu zu schreiben und schicken Sie es an:
Verein Haarfee “Echthaarperücken für bedürftige Kinder”
Salon Folgeeins · z.H.: Yochai Mevorach
A – 1070 Wien, Lindengasse 32

Mehr Infos unter:
www.vereinhaarfee.at

Text · Fotos: Sabina Riegger

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