Menschen

Terrorismus kann keine Kultur töten

Eine Attacke gegen die Menschheit

„Da fährt einer zehn Stunden nach El Paso, um Menschen zu ermorden. 22 Menschen hat er getötet. Ich schaue mir jeden Tag die Nachrichten an, und es ist jede Woche eine Schießerei irgendwo in Amerika. Es ist schrecklich“. Adriana Weisenbach ist wütend, traurig und verärgert, ängstlich und schockiert. Für sie stand am 3. August für einen Augenblick die Welt still bis sie wusste, dass ihre Familie nicht zu den Todesopfern und Verletzten gehörte. Sie kommt aus El Paso, der Stadt im Südwesten von Texas, die direkt an Mexico angrenzt. Etwa 80 Prozent der Einwohner sind mexikanischer Abstammung, so wie Adriana Weisenbach und ihre Familie. „Für den Todesschützen war das wahrscheinlich Grund genug, um dieses Massaker anzurichten. Es ist eine Attacke gegen unsere Kultur. Dabei sehen wir alle gleich aus. Mexikaner und jene, die seit zwei oder drei Generationen dort leben und längst US Amerikaner sind“, so die junge Frau. Cielovista, so heißt der Walmart, in dem der Anschlag passiert ist und eines der meistbesuchten Einkaufszentren Amerikas ist. „Man muss es sich so vorstellen: Es ist wie ein Samstag im V-Markt, nur 100 Mal extremer“, erklärt sie. Es war das Einkaufszentrum ihrer Mutter. An diesem Samstag hatte sie Glück, weil sie beschloss woanders einkaufen zu gehen. „Ihr Faible für Toilettenpapier hat ihr im wahrsten Sinne des Wortes den Arsch gerettet, sagte meine Schwester am Telefon“, erzählt Adriana Weisenbach. Die Schwester, die in einer Arztparxis arbeitet und Emigranten betreut, hat ihr von Dramen erzählt. Von Menschen, die Schreckliches gesehen haben und psychologische Hilfe brauchen. Die Polizei sagt, dass es wieder passieren könnte. Adriana Weisenbach spricht von einem schrecklichen Gefühl. „Meine Mutter sagte, das nichts mehr so ist wie es war. Die Kinder trauen sich nicht aus dem Haus, es werden Sicherheitskräfte an Schulen postiert und das erste was man macht, ist die Lage nach Fluchtwegen erkundschaften“. Dass manche Menschen tickende Zeitbomben sind, führt sie auf die Politik zurück, die Hass sät und Unwahrheiten propagiert wie „die Mexikaner wollen Amerika übernehmen und das Mexikaner gewalttätig und Mörder sind. Amerika ist nicht mehr das Amerika, was es einmal war. Es ist gespalten“, erzählt sie.

Von ihrer Familie hat sie ein Bild bekommen. An der Wand steht „El Paso Strong“. „Das haben Künstler gemalt. Es heißt stark sein – und das sind die Menschen auch. Keiner will sich unterkriegen lassen“.

Text: rie · Foto: mh (1), privat (1)

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