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May & Smith: Ein unschlagbares Doppel

„Billard ist die hohe Kunst des Vorausdenkens. Es ist nicht nur ein Spiel, sondern in erster Linie eine anspruchsvolle Sportart, die neben physischer Kondition das logische Denken eines Schachspielers und die ruhige Hand eines Konzertpianisten erfordert.“ Dies hat seinerzeit bereits Albert Einstein erkannt. Für die beiden Füssener Thomas May und Michael Smith ist Billard sogar noch viel mehr als nur ein Sport. Für sie ist es eine Leidenschaft, die zugleich ihren Lebensmittelpunkt darstellt. Offiziell tragen sie beide den klangvollen Spitznamen „Schnapper“, was daran liegt, dass sie bei Turnieren und Wettbewerben gewöhnlich gemeinsam auf den vordersten Plätzen landen oder sogar das Finale gegeneinander bestreiten. Auf dem Rücken ihrer Vereinsjacken sind deswegen auch zwei schnappende Haie als Symbol zu sehen.

Michael hat den Billardsport im Alter von neun Jahren begonnen. „Mein Vater ist Engländer, wo das fast ein Volkssport ist. Er spielte früher regelmäßig und brachte mich so zum Billard“, erinnert sich der 29-jährige. Sein Partner Thomas begann im Alter von zehn Jahren. „Ich war als Kind eigentlich ein leidenschaftlicher Fußballspieler, bis ich dann einen Kreuzbandriss hatte. In der Zeit habe ich einem amerikanischen Billardspieler öfters zugeschaut, der mich total fasziniert und somit geprägt hat.“ Bis vor einigen Jahren spielten beide noch die Billardvariante Snooker, wechselten dann aber zum klassischen Poolbillard. „Snooker wird auf fast doppelt so großen Tischen gespielt wie Pool“, erklären sie. Die größere Herausforderung beim Snooker besteht zudem aus kleineren Kugeln und eckigen Löchern, die es noch schwieriger machen, den Ball hinein zu treffen. „Außerdem ist das System ein völlig anderes“, ergänzt May. „Man muss anders denken und anders spielen. Es sind zwei ganz verschiedene Welten. Der Snooker-Typ ist auch ein ganz anderer, denn Pool-Spieler sind allgemein wesentlich lockerer und hierzulande auch erfolgreicher.“ Immerhin liegt Deutschland im weltweiten Pool-Vergleich unter den Top 20, Bayern gilt noch dazu als stärkstes Bundesland. „Beim Snooker dagegen liegt Deutschland mit den Erfolgen sehr weit hinten. Das war schließlich auch der ausschlaggebende Grund, warum wir uns vor ein paar Jahren entschieden haben, uns nur noch auf das klassische Poolbillard zu konzentrieren.“

150 Turniersiege im Billard und Snooker

Dabei ist der Name Thomas May in der nationalen Elite längst kein Unbekannter mehr. Vier Mal wurde er Deutscher Mannschaftsmeister im Snooker sowie sechs Mal Bayerischer Meister im Einzel-Snooker, dazu kommen rund 150 Turniersiege im Billard und Snooker. Auch den Füssener Profi-Snookerspieler Patrick Einsle hat der gebürtige Reuttener und Neffe des Breitenwanger Bürgermeisters lange Zeit trainiert. Kompagnon Michael Smith kann mit seinen 29 Jahren ebenfalls schon mehrere Turniersiege vorweisen. May spielte zuerst lange Zeit für einen Verein in Kaufbeuren, bevor er vor einigen Jahren wieder zurück nach Füssen kam und auch Smith kennenlernte, der dort Mitglied der Mannschaft war. Als Kapitän und Clubvorsitzender sicherte er seinem Team des BSC Füssen nach mehreren Aufstiegen schließlich die Meisterschaft in der Regionalliga Süd. Vor gut einem Jahr sind die beiden „Schnapper“ nun zum bayerischen Spitzenclub BSV Playhouse Fürstenfeldbruck gewechselt, der in der dritthöchsten Spielklasse in Deutschland antritt. Neben den Spielen für den Verein sind die beiden ambitionierten Billardspieler bei etwa 70 Turnieren pro Jahr gewöhnlich als Team am Start. „Das ist nichts anderes, als wenn Du arbeiten gehst, nur dass Du halt jedes Wochenende woanders arbeitest“, sagt May, der dafür die Teilnahmeverträge aushandelt, zumal es dabei auch um Gewinnquoten und somit bares Geld geht. Leben lässt sich davon allerdings nicht wirklich, da Billard nach wie vor als Randsportart gilt und in Deutschland wenig gefördert wird. Dennoch sind die Siegprämien eine wichtige Zusatzeinnahmequelle, um das Equipment und vor allem auch die Fahrten und Auslagen zu finanzieren. Denn Sponsoren zu finden ist ebenfalls schwer.

Der Sport findet nur mental statt

Während Michael Smith relativ oft trainieren muss, um auf diesem hohen Niveau zu spielen, zehrt Thomas May mehr von seiner jahrelangen Erfahrung. Und das, obwohl seine Sehkraft mittlerweile bei nur noch 67 Prozent liegt. „Talent alleine reicht nicht“, sagt er. „Du musst das Spiel verstehen und lesen können. Der Rest bei mir ist Routine. Das Wichtigste ist aber der Kopf, denn der Sport findet nur mental statt.“ „Ich muss regelmäßig spielen“, entgegnet Smith. „Wenn ich mal zwei Wochen lang nicht spiele, fühle ich mich nicht gut. Mein Körpergefühl ist dann nicht so vorhanden, womit mir auch das Gefühl für bestimmte Stöße fehlt. Um mein Level zu halten, trainere ich wöchentlich zwei bis drei Mal für gut drei Stunden.“ In seinem richtigen Leben arbeitet Meiki, wie ihn seine Freunde nennen, als KFZ-Mechatroniker bei einer Füssener Autowerkstatt. Thomas May studierte Lagerlogistik und verdient sein Geld in einer leitenden Funktion eines Unternehmens im Magnuspark.

Viel Zeit für andere Hobbys bleibt neben dem Billard nicht. „Es ist eine Lebensaufgabe für mich“, so May. „Das Schöne am Billard ist, dass es Spaß macht, auch wenn man mal nicht gewinnt“, meint Smith. „Denn man trifft auch immer nette Leute. Menschen, die Pool Billard spielen, sind einfach coole Typen.“

Text: Lars Peter Schwarz · Foto: Margarete Häfelein

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