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100 Prozent CO2 neutral

Biohotel Eggensberger

„Wir können sagen, dass wir unseren Betrieb jetzt schon seit rund zehn Jahren völlig klimaneutral führen.“ Was sich für viele noch fast anhört wie ein Ding der Unmöglichkeit, ist für Andreas Eggensberger längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Seit vielen Jahren schon bemüht sich der Füssener Biohotelier nicht nur um das Wohlbefinden seiner Gäste, sondern gleichzeitig auch um die Bewahrung der kostbaren Natur. Dabei ist sein einzigartiges Energiekonzept über die Jahre hinweg anhand vieler Bausteine immer mehr angewachsen. So ist es Eggensberger mittlerweile auch gelungen, den ökologischen Fußabdruck seiner Mitarbeiter und Gäste auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Den noch verbleibenden Rest des unvermeidlichen CO2-Verbrauches gleicht er durch die Förderung von weltweiten Klimaprojekten wieder aus. Erst vor wenigen Tagen hat der Unternehmer seine Flotte an E-Mobil und Erdgas-Fahrzeugen noch einmal aufgerüstet.

„Ich bezeichne das als die Eggensberger Energiewende, die sich aus vielen Punkten zusammensetzt“, erklärt der Hotelier aus Hopfen am See. „Dazu gehört unter anderem der richtige und nachhaltige Energiemix, die Vermeidung von Plastik oder auch die Verwertung von Lebensmitteln direkt aus der Region.“ Eggensberger geht es darum, möglichst viel CO2-Ausstoß zu vermeiden und gleichzeitig so viel „sauberen Strom“ wie möglich selber zu produzieren. Sein eigenes Konzept zur energetischen Einsparung hat er vor nunmehr zehn Jahren begonnen umzusetzen. Das hauseigene Blockheizkraftwerk erzeugt seitdem Strom und Wärme aus Biogas, das unter anderem aus Lebensmittelresten gewonnen wird. Dazu kommt weitere Strom-Gewinnung durch eine rund 1000 Quadratmeter große Solarfläche auf dem Dach des Hotels.

Gespeichert wird der erzeugte Strom schließlich in recyclebaren Batterien im Keller, so dass auch während der Nacht darauf zurückgegriffen werden kann. Gleichzeitig wird Energie durch Wärmerückgewinnung erzeugt, während durch Wärmedämmung im gesamten Haus noch mehr Energie eingespart wird. Insgesamt wird ein Großteil der in dem Betrieb verbrauchten Energie direkt im eigenen Haus gewonnen, wo sie also auch wieder verbraucht wird. Auch beim Bau des neuen barrierefreien Garten-SPA-Bereichs, der erst im vergangenen Sommer eröffnet wurde, achtete Andreas Eggensberger auf eine möglichst geringe Erzeugung von CO2. Durch die Verwendung von vielen natürlichen Baustoffen gelang es ihm, anstatt der sonst bei reinen Betonbauten erwarteten 500 Tonnen, einen Wert von nur 75 Tonnen zu erreichen.

Eigene Elektro-Flotte

„Es ist ein gewaltiger Kreislauf“, sagt Eggensberger. „Und das, was wir dann noch als zusätzliche Energie benötigen, kommt garantiert zu einhundert Prozent aus zertifizierter Wasserkraft.“ In dem Gesamtkonstrukt der „Eggensberger Energiewende“ spielen allerdings noch viele weitere Faktoren eine große Rolle. Eines davon ist das Thema E-Mobilität. Aus einer anfangs eher kleinen Flotte an Elektrofahrzeugen ist mittlerweile ein ganzer Fuhrpark geworden, in dem insgesamt sechzehn Fahrzeuge stehen, die sowohl von Gästen als auch Mitarbeitern genutzt werden können. Erst vor kurzem sind weitere sechs Fahrzeuge des polnischen Herstellers SAM eingetroffen. Ein dreirädriges Modell für zwei Personen, deren Sitze hintereinander angeordnet sind und immerhin über eine Reichweite von 60 bis 90 Kilometern verfügt. Für seine E-Mobile hatte Eggensberger bereits vor einigen Jahren schon die ersten Schnellladesäulen des Hotels offiziell eingeweiht, wo die Fahrzeuge den eigens erzeugten Bio-Strom tanken können. „Das E-Auto, für das ich mich nun entschieden habe, hat auch in der Herstellung die geringsten Werte, was den CO2 Verbrauch betrifft. Die Idee ist, dass unsere Gäste ihre Autos ganz stehen lassen und während ihres Aufenthaltes hier bei uns nur noch unsere Fahrzeuge nutzen.“ Ein weiterer Fortschritt. Immerhin bietet das Biohotel auch schon seit gut zehn Jahren einen eigenen Busservice an, durch den seitdem weitere 2.720 Tonnen CO2 eingespart werden konnten.

Den kompletten Ausstoß von Treibhausgasen seines Hotels hat Eggensberger nun offiziell und bis ins kleinste Detail für die vergangenen zehn Jahre zurück berechnen lassen. „Alles wird hier berücksichtigt“, sagt er. „Von der Herstellung der Möbel und Geräte im gesamten Hotel und dem Ambulanten Rehazentrum, der Materialien, die verwendet wurden, ob Holz, Glas oder Beton, bis hin zur Verwendung von Lebensmitteln und ihrer Herkunft, ja sogar der Anfahrt oder Anreise der Gäste.“

Energiewende so gut wie umgesetzt

Innerhalb von nur wenigen Jahren konnte Eggensberger den ökologischen Fußabdruck seines Betriebes von rund 740 Tonnen CO2 Emissionen auf etwa 196 Tonnen senken. Der restliche CO2-Ausstoß, der sich nicht vermeiden lässt, wird durch die Förderung von klimaunterstützenden Aufforstungs- und Windkraftprojekten ausgeglichen. „Da gibt es weltweit viele verschiedene Möglichkeiten. Derzeit investiere ich in ein Projekt in dem indischem Bundesstaat Gujarat, das eine 15.000 Megawatt-PV-Anlage mit Batteriespeicher unterstützt. Ausgestoßene Treibhausgase beziehen sich schließlich nicht auf eine bestimmte Region, sondern auf die weltweite Atmosphäre.“ Als Pionier oder Vorreiter bezeichnet sich Eggensberger selber nicht wirklich, obwohl er 2003 auch der Erste im Allgäu war, der ein zertifiziertes Biohotel eröffnet hat. „Warum ich das alles mache? Es steht eben ohne Zweifel, dass wir etwas tun müssen“, sagt er. „Jeder könnte das machen, man muss nur anfangen damit. Wir sind mit unserer Eggensberger Energiewende jetzt so gut wie am Optimum angelangt.“

Biohotel Eggensberger
Enzensbergstrasse 5
87629 Füssen – Hopfen am See
Tel.: 0 83 62 / 9 10 30

Text · Foto: Lars Peter Schwarz

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