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Wenn die Seele Kunst spricht

Kurt Bennings Steinkubus hoch oben im Schwarzwassertal

Sieben Jahre lang hat das Projekt gedauert, bis es endlich umgesetzt wurde. Eine lange Zeit, in der manchmal die Ungewissheit herrschte, ob man dieses sehr ungewöhnliche Projekt überhaupt realisieren könne. „Manchmal hab ich daran gezweifelt. Die Umsetzung war nicht so einfach, da haben so viele mitgeredet“, erklärt Christopher Probst. Der Steinmetz bekam einen Auftrag – nämlich Quader aus Stein zu fertigen und sie hoch über dem Schwarzwassertal aufzustellen. Es sollte ein Kubus werden mit 2,24 Meter Länge und Breite. 28 Tonnen Stein in vier Quadrate aufgeteilt. Sein Auftraggeber: Kurt Benning, ein Zeichner, Fotograf und Maler, der schon vor 20 Jahren diese Idee hatte. Jetzt kann das Kunstwerk hoch über dem Schwarzwassertal, in dem engen Kar, der hinauf zur Bockkarscharte führt, dort, wo sich eine sanfte Wölbung erhebt, die wie eine Aussichtsplattform in der Talmulde wirkt, besichtigt werden. An diesem markanten Ort, in einer perfekten Hochgebirgslandschaft, steht nun dieser Kubus, dessen Einzelteile von einem Helikopter Millimetergenau aufeinander gesetzt wurden. Warum sich Kurt Benning 2011 genau für die Stelle entschied, beschreibt er folgendermaßen: „Der Freund hatte mir sicher nicht von ungefähr diese Stelle gezeigt, denn mir wurde urplötzlich klar, dass auf einer kleinen Erhebung am unteren Ende des Kars der ideale Standpunkt für die Skulptur gegeben sei. Beim Abstieg über den linker Hand verlaufenden ‚Jubiläumsweg’ nahmen wir den angepeilten Standpunkt aus der Nähe in Augenschein, und auch von hier aus schien sich die Wahl für diese Position zu bestätigen. Denn vor allem war zu berücksichtigen, dass für diesen Ort keine Gefahr durch Steinschlag oder Lawinen bestand, oder durch im Lauf der Zeit sich ansammelndes Geröll und Steinschutt. Optimal war der Standort auch für die dem Wanderer sich bietenden Sichtachsen und Perspektiven: Aus der Ferne von der Bockkarscharte, als auch von dem in unmittelbarer Nähe vorbeiführenden Jubiläumsweg.“

Natürlich fragt man sich, ist so ein Kunstobjekt notwendig, wo doch die Natur schon allein ein Kunstwerk ist? Diese Frage stellte sich anfangs auch Bianca Probst, bis sie sich näher mit dem Projekt befasste. „Es ist tatsächlich etwas ganz Besonderes, es wirkt nicht störend, weil es aus dem gleichen Material hergestellt ist“, fasst sie zusammen. Christopher Probst suchte den geeigneten Stein dafür, ein perfekter musste es sein. Doch nicht die Suche nach dem Stein entpuppte sich schwierig. Den fand Christopher Probst im Steinbruch in Bregenz. Es waren vielmehr die Genehmigungen, die dafür notwendig waren, um die Stein-Quadrate genau da aufzustellen, wo Kurt Benning es haben wollte. Genehmigungen von Behörden, Jägern, Genossenschaften aber auch von der Baubehörde waren notwendig. Dass es auch Anfeindungen geben würde, hätte das Ehepaar nicht gedacht. Es war ja schließlich „nur“ eine Steinskulptur. „Sie konnten einfach nicht verstehen, warum man das dort aufstellen will“, erzählt Christopher Probst.

Kurt Benning konnte sein Kunstwerk nicht mehr erleben. Er konnte es erahnen, weil Christopher Probst ein gleichgroßes Modell baute, um es an der gewünschten Stelle aufzubauen. „Es war kein gutes Wetter an dem Tag, es regnete und es war windig. Wir haben es dennoch geschafft das Modell aufzubauen“, erinnert er sich. Ein Jahr, bevor das Projekt im Oktober 2018 realisiert werden konnte, starb Kurt Benning und nahm dem Steinmetz das Versprechen ab, sein Projekt durchzuführen. Da das Projekt eine personenbezogene Baugenehmigung hatte und Kurt Benning aber verstorben war, musste die komplette Prozedur der Genehmigungen wieder aufgerollt werden, bis endlich grünes Licht kam und es hieß, es kann beginnen. „Wir haben nicht gedacht, dass wir es schaffen“, erzählt Bianca Probst und zeigt Bilder einer russischen Kamov, einem Transport Hubschrauber, der aus der Schweiz geordert wurde. 18 Helfer waren anwesend, um beim Aufbau der Quader behilflich zu sein. „Ein Teil von uns war oben und ein Teil war beschäftigt mit dem Anhängen der Quader. Nachdem die Kamov selbst viel wiegt und die Quader auch, durfte sie nur halb betankt werden. Es war die Überlegung da, einen Lastwagen mit Treibstoff hochzufahren, um, falls es nötig sein sollte, den Hubschrauber zu betanken. Da hatten wir wirklich Glück. Es war beides nicht notwendig“, so Probst.

Für den Steinmetz, der das 25-jährige Betriebsjubiläum feiert, war es ein ganz besonderer Auftrag, der seine ganze Familie beschäftigte. „Solche Projekte bekommt man nicht alle Tage angeboten. Wir haben es mit meinem Vater besprochen, der auch die Skizzen für die Quader angefertigt hatte. Das musste Hand in Hand gehen. Wir wollten auch unser Versprechen gegenüber Kurt Benning halten.“

Heute sind sie froh, dass alles so wunderbar geklappt hatte. „Es war ein strahlendblauer Himmel, als wir die Quader aufstellten. Nur eine kleine weiße Wolke war die ganze Zeit über da, genau dort, wo der Kubus aufgestellt werden sollte. Jeder hat es von uns gesehen und meinte, Kurt schaut von oben zu“, erzählt Bianca Probst.

Text: Sabina Riegger · Foto Steinmetz Probst

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