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Demenz und Alzheimer unterstützend behandeln

Teil 3: Heilpflanzen

Demenz – nicht heilbar, aber positiv beeinflussbar. Die Heilpflanzen-Forschung liefert hier jedoch zuversichtliche Erkenntnisse für die begleitende Behandlung. Mit zunehmender Lebenserwartung der Gesellschaft weltweit steigt auch die Anzahl der an Demenz erkrankten Patienten kontinuierlich an. Für das Jahr 2050 wird laut des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung eine Zahl von 2,6 Millionen demenzkranken Bürgern in Deutschland prognostiziert. Die bisher in der Therapie eingesetzten medikamentösen Ansätze erwiesen sich bis jetzt noch nicht als allzu befriedigend. Umso mehr besteht der Bedarf an ergänzenden Maßnahmen wie z.B. Wirkstoffen aus der Pflanzenwelt, um den Verlauf zumindest positiv zu beeinflussen und unterstützend auf die Krankheitssymptomatik einzuwirken.

Ginkgo (Ginkgo biloba)

Diese Heilpflanze hatte ich Ihnen schon einmal im letzten Herbst unter dem Titel „Gesund und fit im Alter“ vorgestellt. Hierzu, speziell zu dem standardisierten Extrakt Egb 761, liegen mittlerweile eine Reihe von Forschungsergebnissen vor. Ein Kölner Forscherteam testiert diesem Extrakt in einer Hochdosis von 240 mg einen Nutzen hinsichtlich der Aktivitäten des täglichen Lebens sowie auf die Tendenz einer Wirkung auf die kognitive Leistung. Also ist eine ergänzende Behandlung bei leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz durchaus sinnvoll. Über einen vorbeugenden Nutzen ist man sich nicht so ganz einig, ich kann ihn aber aus meiner Erfahrung heraus durchaus empfehlen, in Asien, v.a. in China wird dieser „Wunderbaum“ schon seit langer Zeit zu Heilzwecken eingesetzt.

Die Nervenzellen werden vor schädlichen Einflüssen geschützt und gleichzeitig wird die Funktion bestimmter Botenstoffe im Gehirn unterstützt, die Gedächtnis und Lernen beeinflussen. Durch die Durchblutung selbst der kleinsten Gefäße werden die Zellen optimal mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Hier möchte ich nochmals die sog. „Golfstudie“ erwähnen, die bereits nach 2 Wochen der Gingko-Einnahme eine verbesserte Spielleistung der Sportler zeigte. Ist doch toll, oder? Funktioniert auch bei anstrengender Computerarbeit!
Wer allerdings Blutgerinnungshemmer einnimmt, der sollte sich mit seinem Arzt absprechen, damit das Blut nicht zu dünn wird.

Für wen aus dem oben genannten Grund der Blutverdünnung Ginkgo nicht geeignet ist, gibt es dennoch eine Alternative, nämlich die:

Rosenwurz (Rhodiola rosea)

Die auch als „Ginseng der Alpen“ bezeichnete Pflanze aus der Familie der Dickblattgewächse kann nach Überlegungen der Carstens-Stiftung bei Demenz-Erkrankungen durchaus sinnvoll sein. Eine aktuelle Arbeit liefert Interessantes über die Forschung zu den neuro-protektiven Effekten dieses Heilkrautes, deren Potential vor allem auf den Gebieten der antioxidativen und antientzündlichen Geschehen zu suchen ist. Die enthaltenen Inhaltsstoffe Rosarin, Salidrosid und oligomere Proanthocyanidine haben sich in Laborversuchen bereits als sehr erfolgreich im Schutz der Neuronen vor oxidativem Stress und toxischen, giftigen Prozessen, die zum Absterben der Neuronen führen können, erwiesen. Zum Begriff der Neuronen: eine Nervenzelle, auch Neuron genannt, ist eine auf Erregungsleitung und – übertragung spezialisierte Zelle. Die Gesamtheit aller dieser Zellen bildet u.a. das Nervensystem.

Die Rosenwurz wird zwar bereits 1542 in einem Kräuterbuch von Leonhard Fuchs beschrieben, aber damals noch nicht ihre Wirkung erwähnt. Das Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg hat es nun erstmals geschafft, den Wirkstoff zu identifizieren, der eine konkrete gedächtnisfördernde Wirkung hat. Er trägt den Namen FAE-20 und wurde bis jetzt zwar nur am Tiermodell erprobt, aber das mit einem sehr beeindruckendem Erfolg. Also alles in allem wirklich vielversprechende Ansätze!

Was aber zusätzlich erwiesen und nicht nur für den älteren Menschen nützlich ist, ist die Wirkung der Rosenwurz als sog. „Adaptogen“. Das ist eine Bezeichnung für biologisch aktive Pflanzenstoffe, die dem Körper helfen können, sich erhöhten körperlichen und emotionalen Stresssituationen anzupassen. Das Einsatzgebiet ist also relativ breit gefächert: Stärkung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit in Überlastungsphasen, Erschöpfungszustände, Schlafstörungen u.a. auch in der Stillzeit, Tagesschläfrigkeit, sinkende Belastbarkeit in den Wechseljahren, Antriebsschwäche, Erschöpfungsdepressionen, Stress und Burnout, Angsterkrankungen, um nur einige der vielfältigen Beschwerden zu nennen. Bereits nach einer 2-3-monatigen Kur verbesserten sich die Beschwerden in deutlicher Weise. Rosenwurz wirkt leistungssteigernd und stärkend über den Funktionskreis Nieren-Nebennieren. Die Wurzel regt die DHEA- Produktion (eines der häufigsten Steroidhormone im menschlichen Körper, Vorstufe sowohl für die männlichen als auch für die weiblichen Sexualhormone) an und verringert die morgentliche Cortisol-Ausschüttung. Im Laufe dieser Kur bessert sich u.a. auch das stressbedingte zu frühe Erwachen. Schon erstaunlich, was die in Sibirien genannte „Goldene Wurzel“ so alles kann!

Kurkuma (Curcuma longa)

Diese Pflanze ist Ihnen garantiert bekannt, sie wird auch Gelber Ingwer, Gelbwurz oder Safranwurzel genannt und ist der farbgebende Hauptbestandteil des Currygewürzes. Curcuma gehört zu den Ingwergewächsen (Zingiberaceae), aber die intensiv dunkelgelbe Farbe der Wurzel macht sie wirklich unverkennbar. Sie stammt aus Südostasien und wird in den Tropen vielfach kultiviert. Und jetzt wird es wirklich interessant: in Indien, einem der Heimatländer dieser Knolle, tritt Alzheimer erstaunlicherweise äußerst selten auf. In der indischen Heilkunst Ayurveda gehört Kurkuma zu den „heißen“ Gewürzen, denen eine reinigende und energiespendende Wirkung zugesprochen wird. Laut Studien der kalifornischen Universität in Los Angeles ist der Inhaltsstoff Curcumin hierfür verantwortlich. Dieser soll Experimenten nach die Ablagerung von Eiweißstoffen im Gehirn hemmen. Diese Eiweißablagerungen gelten ja als mögliche Ursache der Alzheimer-Erkrankung. Außerdem sollen die Gehirnzellen zusätzlich mit Energie versorgt werden.

Andere Anwendungsgebiete sind z.B. Verdauungsbeschwerden, gerade im Bereich der Fettverwertung und Gallensäureproduktion (Vorsicht allerdings bei Gallensteinen!), Blähungen und Völlegefühl. Sogar im Bereich der Krebsforschung werden Überlegungen angestellt, da Curcumin in der Lage ist, freie Radikale zu binden und so antioxidativ wirkt.
In Kombination mit Weihrauch wird Kurkuma auch bei Entzündungen der Gelenke empfohlen, so z. B. bei Knie-Arthrose.

Ein kleines Problem gibt es allerdings: man sollte das Gewürz täglich frisch gerieben oder als Pulver in guter Qualität in Speisen oder Getränken anwenden. Schmeckt zwar gut, aber jeden Tag? Außerdem ist die Verwertbarkeit des Pulvers im Körper leider nur mäßig. Aber auch hierfür gibt es eine Lösung. Mit Hilfe der modernen Technik kann das Curcumin – mit oder ohne Weihrauch – in sogenannte Mizellen verpackt werden. Ähnliches stellt auch unser Körper auch selbst her, um z.B. die fettlöslichen Vitamine aus der Milch richtig aufnehmen zu können. Durch dieses spezielle Verfahren ist die sogenannte Bioverfügbarkeit des Curcumins um etwa 185-fach höher als bei einem herkömmlichen Extrakt. Auch für denjenigen, der gerne Currywurst isst, sicher die bessere Alternative.
Ich denke und hoffe fest, dass die Erforschung der Pflanzenstoffe im Bereich der Demenz uns noch viele interessante und erfolgreiche Erkenntnisse bringen wird!

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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