Kolumne

Ein besonderes Geschenk

Sein Name ist Perpolio. Er ist weiß. Sein Hals ist lang, sein Bauch kräftig. Er wirkt aufregend und klassisch zugleich. Perpolio kommt aus Italien. Genauer gesagt aus einem kleinen verschlafenen Dorf, mitten in der Lombardei. Getroffen haben wir uns vor ungefähr vier Jahren.

Es war ein schwülheißer Sommertag Ende Juni. Hoch oben auf einem Weinberg, 450 Meter über dem Meeresspiegel war dieses rote, altitalienische Bauernhaus aus Stein, wo wir die kommenden Tage verbringen wollten.

Hier begann auch die Geschichte von Perpolio und mir.

Zwei Tage seit unserer Ankunft waren inzwischen vergangen. Wir waren satt und glücklich. Und es war Zeit, wie geplant Richtung Südfrankreich aufzubrechen und Penne, Limoncello, Biscotti und der italienischen Folklore, ciao zu sagen.

Es fiel mir ein bisschen schwer, mich von Dario unserem Gastgeber und seiner Familie zu verabschieden. „Arrivederci my friend! “ lächelte ich ihm mit offenen Armen entgegen.

Dario umarmte mich. Es gab ein Küsschen links, ein Küsschen rechts und „un regalo“.

Mein Italienisch ist leider begrenzt. Und zwar auf die Basics der Basics: Buon giorno, arrivederci, amore, mangare, pasta, insalata mista, grazie, si, no, und ciao.

„Un regalo“ klang gefährlich nach „Regal“.

Ich wollte kein Regal: „Dario, grazie. But regalo, no.“

Er lachte, verschwand kurz und kam mit einer Flasche Wein zurück. Dario ist Bio-Winzer und das mit Leib und Seele. In den letzten beiden Tagen hat er uns viel über seine Arbeit erzählt.

Ich war fasziniert von Dario und seinen Weinreben. Nur sind Wein und ich uns wahrscheinlich genauso vertraut wie die Mecklenburgische Seenplatte und Sugar Land, Texas.

Was ich damit sagen will: Ich habe keine Ahnung von Wein, und Weintrinkern. Ich trinke keinen und für hochnäsige Weinzuzler und Glasschwenker in überteuerten Restaurants habe ich keine Sympathien.

Aber jetzt habe ich Perpolio. Einen biologischen Chardonnay von 2001. Angebaut, geerntet und abgefüllt von Dario höchstpersönlich.

Und auf einmal war Wein gar nicht mehr spießig und unnahbar.

Perpolio war das schönste „regalo“, das mir Dario zum Abschied machen konnte.

Inzwischen ist Perpolio nicht mehr der einzige, aber ganz sicher der wertvollste Wein in meiner Sammlung.

Ich bin jetzt eine Weinsammelnde Nichttrinkerin.

In diesem Sinne: Cin cin, auf Dario und Perpolio.

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