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Volle Fahrt Voraus

Neue Saison für die Forggenseeschifffahrt

Durch die Baumaßnahmen am Staudamm wurde der Forggensee nicht aufgestaut. Das bedeutete für die Forggenseeschifffahrt keine Fahrten mehr auf dem fünftgrößten See Bayerns, aber auch finanzielle Einbußen. 2017 waren es knapp 100.000 Gäste, die das Kommunalunternehmen der Stadt Füssen beförderte. Maßnahmen, die 2018 umgesetzt werden sollten, blieben aus. Nach 19,5 Monaten Pause geht es am 1. Juni endlich los. Füssen aktuell sprach mit Kapitän und Betriebsleiter Dirk Schranz über Neuerungen und die Überbrückung der langen Wartezeit.

Sie starten am 1. Juni in den See. Wie groß ist die Freude?
Die Freude ist auf jeden Fall riesig. Anspannung ist auch da.

Warum Anspannung?
Wir sind 19,5 Monate nicht gefahren. Zuletzt war die Fahrt am 15. Oktober 2017. Wir hatten das Problem damals, dass die MS Allgäu mit einem Baumstamm kollidiert ist. Im Antriebssystem brach daraufhin ein Zahnrad ab. Es dauerte eine Woche bis das Ersatzteil aus Holland kam. Da war dann die Saison leider schon vorbei

Wie schon erwähnt fielen sämtliche Fahrten der Schifffahrt letztes Jahr aus. Ihre Mitarbeiter mussten Sie allerdings weiter beschäftigen. Wie haben Sie das gemacht?
Indem wir Arbeiten gemacht haben, für die wir ansonsten keine Zeit hatten. Wir haben unser Schiffsgelände modernisiert, die Parkflächen für unsere Mitarbeiter erweitert, die Wege gepflastert, in der Schiffshalle haben wir die Lagerflächen vergrößert. Letzteres war notwendig, weil sich die Lagerlogistik im Laufe der letzten zehn Jahre verdoppelt hat. Ein großes Projekt war die MS Füssen.

Inwiefern?
Die MS Füssen wurde 1994 gebaut. Jetzt, nach 25 Jahren, haben wir alles renoviert. Sämtliche Sitzmöbel sind mit modernen Stoffen bezogen, die Fußböden sind auf beiden Decks ausgetauscht, es wurden neue Vorhänge angefertigt und die Tische und Stühle haben wir abgeschliffen und neu lackiert. Ein weiteres Projekt war der Einbau von zwei großen Fenstern im Bereich der Küche und Theke. Jetzt kann man das vier Meter lange und 150 Kilogramm schwere Fenster seitlich aufschieben. Und wir haben einen neuen Motor für die MS Füssen bekommen. Den werden wir jetzt
bei den Probefahrten testen.

Das hört sich nach viel Arbeit aber auch finanziellen Einsparungen an.
Ja, das ist so. Die Arbeit hat uns aber sehr viel Spaß gemacht. Gespart haben wir uns durch die Eigenleistungen mindestens 100.000 Euro. Denn die MS Allgäu haben wir auch renoviert. Jetzt sieht man, dass die beiden Schiffe zusammen gehören. Es ergibt ein schönes einheitliches Bild.

Wie haben die Mitarbeiter auf diese „Sonder-Arbeiten“ reagiert, die wahrscheinlich nicht zu ihrem Aufgabengebiet gehören?
Diese Projekte kamen teilweise von den Mitarbeitern. Sie haben sich Gedanken gemacht und diese Ideen haben wir dann bei den Teambesprechungen ausgearbeitet und das Beste daraus entnommen.

Was erwartet den Gast 2019?
Sehr viel. Wie schon erwähnt die neue Optik auf beiden Schiffen. In der Gastronomie haben wir nun ein noch größeres Angebot und einen ganz besonderen Service: den Gäste-Pager. Das ist ein Funkmelder, der uns hilft Warteschlangen zu entzerren und dem Gast ein angenehmeres Warten auf seine Bestellung anzubieten. Der Gast gibt ganz normal seine Bestellung an der Theke auf. Und falls es zu längeren Wartezeiten kommen sollte, bekommt der Gast einen Pager ausgehändigt und kann wieder an seinen Platz zurück gehen. Sobald seine Bestellung fertig ist, meldet sich der Pager optisch und akustisch. Für die Kinder bieten wir spezielle
Kindemenüs sowie eine Spielecke an. Dieses Jahr geht auch die „Leselotte“ mit an Bord, und zwar donnerstags jeweils zwei Mal im Juli und zwei Mal im August. Diese Veranstaltung ist in Kooperation mit der Stadtbibliothek schon letztes Jahr entstanden. Für die Kinder kostet die Fahrt nur 1,- Euro. Neu ist auch, dass die kleine Rundfahrt anstatt sechs Mal nun fünf Mal fährt.

Ist die Nachfrage für die Rundfahrten geringer geworden?
Nein. Der Grund ist der, dass die 10 Minuten zum Einsteigen nicht gereicht haben, so dass wir nicht den Fahrplan pünktlich einhalten konnten. So haben wir zugunsten des Fahrgastes die Ein- und Ausstiegszeiten auf 20 Minuten verlängert. Dafür gibt es jetzt die Leselotte und den Seniorentag am Montag. Neu ist auch, dass die kleine Runde seit diesem Jahr anders verläuft. Quasi gegen den Uhrzeigersinn aber mit der Strömung. Dadurch sparen wir uns ein paar Hundert Liter Kraftstoff und nutzen die Naturkraft des Lechs aus. Ab dieser Saison haben die Gäste die Möglichkeit auch am Festspielhaus bei den Abendfahrten mittwochs ein- und auszusteigen.

Vielen Dank für das Gespräch.
Ich habe zu danken.

INFO

Die Neuerungen auf einem Blick:

  • Komplette Renovierung der beiden Schiffe
  • Größeres und optimiertes gastronomisches Angebot
  • Kindermenüs, Kinderspielecke
  • Seniorentag
  • Leselotte geht an Bord – ein Lesevergnügen für die ganze Familie
  • Für Inhaber der KönigsCard ist einmal pro Aufenthalt eine kleine oder große Rundfahrt kostenfrei (ausgenommen Abend- und Sonderfahrten).
  • Fünf anstatt sechs kleine Rundfahrten (Anfahrt gegen den Uhrzeigersinn aber mit der Strömung – erstmals wird Brunnen angefahren)
  • An den Abendfahrten am Mittwoch ist auch der Zu- und Ausstieg am Festspielhaus möglich
  • Digitale Informationen über zwei große Bildschirme auf beiden Decks auf der MS Füssen und der MS Allgäu.

Neue technische Details:

  • Neuer Motor auf der MS Füssen
  • Neuer Treibstoff (GTL) · reiner als der normale Diesel · geruchsneutral · rauchfrei · Wassergefährdungsklasse 1 · biologisch voll abbaubar · schwefelfrei

Text · Fotos: Sabina Riegger

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