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Der Füssener Bahnhof

130 Jahre Geschichte

Am 14. März 1888 unterzeichnete Prinzregent Luitpold die Konzessionsurkunde für die Lokalbahnstrecke Oberdorf – Füssen an die „Localbahn Actiengesellschaft“. Im Jahr der Konzessionsvergabe gingen die Bauarbeiten an der 30,6 km langen Bahnlinie so zügig voran, dass 13 Monate nach Baubeginn der erste Zug fuhr. Bereits am 1. Dezember 1888 berichtete das Füssener Blatt: „Die Stationsgebäude sind sämtlich unter Dach gebracht.“ Besonders lobend wird die Lage des neuen Bahnhofs hervorgehoben. Fotos aus der Zeit der Eröffnung der Bahnstrecke verströmen einen liebenswerten, nostalgischen Eindruck, obgleich das Bahnzeitalter jedoch das Schwungrad der gesellschaftlichen Entwicklung enorm beschleunigte.

Schon 1890 folgte der Bau einer großen Bahnhofsrestauration in der heutigen Bahnhofstraße 10, in das dann nach einem Umbau 1923 das Postamt zog. Danach, im Jahr 1900, wurde für das Rentamt (= Finanzamt) ein klassizistisches Gebäude hochgezogen. Bald war der ländlich geprägte Bahnhof von einer Reihe repräsentativer städtischer Gebäude umgeben, die ihn sowohl in Höhenentwicklung und umbautem Raum weit übertrafen, als auch in Architekturstil und Formensprache völlig andere Anleihen am Stil der Gründerzeit nahmen. Kurze Zeit später, 1923, bemängelte der „Verschönerungs- und Verkehrsverein Füssen“ heftig den miserablen Zustand des Bahnhofes. Der „Bayerische Landesverein für Heimatschutz – Verein für Volkskunst und Volkskunde“ kam zu einer ähnlichen Beurteilung. Doch zu einem Umbau kam es dann erst 1929/30, der sowohl das äußere Gesicht wie auch die inneren Funktionen des Bahnhofgebäudes wesentlich veränderte, so dass das Füssener Blatt am 1. Juli 1930 von einem „völlig umgekrempelten Bahnhof“ spricht. Das Erscheinungsbild des Bahnhofs blieb aber weiter ein Sorgenkind.

Dem Bahnhofsgebäude sind heute weitgehend seine einstigen Funktionen entzogen. Die Ticket- und Beratungsschalter werden nur noch in reduzierter Weise angeboten und von Automaten vor dem Gebäude und vom Computer aus im Privatbereich übernommen. Die Gepäckaufbewahrung erledigen Schließschränke und die Bediensteten der Bahn wohnen schon längst nicht mehr im Gebäude. Dieser Funktionsverlust des Gebäudes führt entweder zum Abbruch einzelner Gebäudeteile oder zu schleichendem Verfall und Deformierung. Der alte Bahnhof von 1888 hat nicht nur mit dem Umbau von 1929/30 sein äußeres Erscheinungsbild als zeittypisches und firmenspezifisches Zeugnis verloren, sondern er kommt auch den Bedürfnissen heutiger Bahnnutzer kaum noch entgegen.

Text: Sven Ademi, Stadt Füssen
Foto: Schradler (1), Archiv d. St. Füssen

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