Menschen

Otto Wanner Teil III

Persönliche Erinnerungen von Weggefährten

„Er hat viele Weichen gestellt und wichtige Entscheidungen klar getroffen.“ Das ist ein Satz, den man immer wieder hört, wenn man sich mit Menschen über Füssens Alt-Bürgermeister Otto Wanner unterhält.

Der Respekt unter denen, die ihn etwas näher gekannt oder mit ihm in jeglicher Art und Weise zusammengearbeitet haben, ist bis heute sehr groß. Denn es ist ein Satz, den man auch von seinen ehemaligen politischen Gegnern hört. Nicht nur Wanners Verdienste für seine Stadt und seine Heimat, wie bereits in den vergangenen beiden Ausgaben berichtet, sind bis heute spür- und sichtbar. Vor allem das, was Wanner, der in diesem Jahr seinen einhundertsten Geburtstag feiern würde, als Präsident des DEB tatsächlich für den Eishockeysport in Deutschland erreicht und geleistet hat, ist nicht leicht zusammenzufassen.

Wanners ehemalige Sekretärin

Lange Jahre war Wanner bereits in verantwortlichen Positionen für den heimischen EV Füssen tätig, bevor er zum Deutschen Eishockey Bund kam. Er unterstützte den Verein bei der Errichtung des Kunsteisstadions und schließlich auch beim Bau des Bundesleistungszentrums 1973. „Das Eishockey war nun mal seine große Leidenschaft“, erzählt Wanners ehemalige Sekretärin und Mitarbeiterin Margot Hanig. Die Füssenerin arbeitete Anfang der Siebziger Jahre im Bad Faulenbacher Hotel Wiedemann, wo die Nationalmannschaft, in der auch ihr Ehemann Gustav spielte, des öfteren zu Gast war und sich somit erste Kontakte zu dem Verband bildeten. „Ich durfte immer wieder kleinere Aufgaben für den DEB übernehmen“, erinnert sie sich. „Irgendwann hat Wanner mir dann, als das BLZ gebaut wurde, das Angebot gemacht, für den Verband zu arbeiten.“

Margot Hanig erledigte unter anderem Schreibarbeiten, war bei wichtigen Sitzungen dabei und schrieb Protokolle oder war anwesend, als Wanner die Idee entwickelte, sich für die Weltmeisterschaft zu bewerben. „Wanner war in seiner Art sehr zielorienitert, hat delegiert und einem dann gerne auch vertrauensvoll die Ausführung der Anliegen überlassen. Ich musste damals unter anderem Kontakt mit dem russischen Verband aufnehmen, das war früher noch nicht so einfach, auch wegen der Visa. Das hat er alles aufgebaut. Auch mit den Kanadiern, zu denen der Verband bis heute ein hervorragendes Verhältnis hat, habe ich viel kommuniziert. Was ihm aber wirklich sehr am Herzen lag, war der Kontakt zur Schweiz. Die Schweiz hat als erstes internationales Team nach dem Krieg gegen Deutschland gespielt und auch Kontakt zum Verband aufgenommen, als kein anderes Land etwas von uns wissen wollte. Das hat er ihnen nie vergessen, dass sie so fair waren zu uns. Deswegen wurden wir später mit dem EV Füssen auch zum Spengler-Cup eingeladen.“

So setzte sich Wanner vor allem für den Aufbau der Nationalmannschaften ein und förderte internationale Sportbegegnungen. Die Kontakte zu vielen internationalen Verbänden, die Wanner damals eingefädelt hatte sind bis heute geblieben. „Dafür hatte er auch die notwenigen Kontakte nach Bonn“, sagt Hanig, die nach ihrer Zeit beim DEB über dreissig Jahre lang das Bundesleistungszentrum führte. „Er war ein Charmeuer, ein Kavalier der alten Schule. Als Person war er mir gegenüber zwar eher väterlich, aber doch sehr distanziert und trotzdem vertraut. Denn auch über private Probleme hat er mit mir ab und zu gesprochen. Was ihn aber sehr bedrückt hat und er nie verarbeiten konnte, waren die furchtbaren Erlebnisse, die er im Krieg machen musste, er hatte auch eine Verletzung dadurch. Was mir aus dieser Zeit geblieben ist, sind viele Erinnerungen und einige Freundschaften, die bis heute gehalten haben. So wie die zu dem russischem Torwart Wladislaw Tretjak, mit dem auch Otto Wanner eng befreundet war.“

Bronze bei Olympia 1976

Das Amt des Präsidenten des Deutschen Eishockey-Bundes bekleidete Otto Wanner insgesamt 28 Jahre lang, von 1964 bis 1992. Bei den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporro vertrat er als Chef de Mission sogar das Nationale Olympische Komitee. Auch vier Jahre später war Wanner bei den Olympischen Spielen in Innsbruck offiziell dabei und erlebte dort einen Meilenstein im deutschen Eishockey, den auch der 181-malige Nationalspieler und heute amtierende DEB-Präsident Franz Reindl nicht vergessen hat. „Ich habe Otto Wanner damals als Nationalspieler kennengelernt. Er war zu dieser Zeit bereits als Präsident beim Deutschen Eishockey-Bund tätig und begleitete in seiner Amtszeit auch den Gewinn der Bronzemedaille von Innsbruck im Jahr 1976. Letztlich haben mich Otto Wanner und Josef Wagner im Jahr 1991 als Sportdirektor und Co-Trainer zurück zum DEB geholt, dafür bin ich ihnen natürlich sehr dankbar. Otto Wanner hat beim DEB sehr viel bewegt und ist stets in guter Erinnerung geblieben.“

Eishockey-Legende Alois Schloder

Seine ganz persönlichen Erinnerungen an Otto Wanner hat auch der langjährige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, Eishockey-Legende Alois Schloder, der, wie er sagt, zu Füssen einen ganz engen Bezug hat. „Otto Wanner war eine sehr honorige Persönlichkeit, die dem Eishockey in diesem Land sehr gut getan hat. Ich habe ihn öfters getroffen, als Kapitän der Mannschaft oder dann auch in meiner Funktion im Sportausschuss des Städtetages. Zudem war ich ja in Füssen immer wieder im Trainingslager, im Kurhotel Berger hat man sich dann schon mal getroffen, zusammen mit Xaver Unsinn. Einzig und allein die Geschichte mit dem Dopingvorwurf damals in Sapporo habe ich ihm übel genommen. Er wollte damals als Chef de Mission ein Geständnis von mir, dass ich gedopt habe, was ja nicht der Fall war. Das war eine Enttäuschung für mich. Zwar ist irgendwann Gras darüber gewachsen, aber im Inneren war von da an eine Distanz zwischen uns.“

An diese besondere Geschichte in Sapporo erinnert sich auch der Sportfunktionär Walther Tröger noch, der bei diesen Olympischen Spielen als Mannschaftsleiter im Einsatz war. „Es war ein Fakt damals, dass bei Alois Schloder Ephedrin festgestellt wurde, dagegen konnten wir nichts tun. Das war der erste Doping-Fall, der weite Kreise gezogen hat. Auch Otto Wanner hat das sehr betroffen gemacht“, erzählt der heutige Ehrenpräsident des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland. „Die Frage war dann, ob die ganze Mannschaft, für die Otto ja als Chef de Mission verantwortlich war, disqualifiziert wird. Schließlich haben wir in den Verhandlungen zumindest erreicht, dass die Sperre, die später auch wieder aufgehoben wurde, nur Schloder getroffen hat. Ich habe mit Otto Wanner sehr eng zusammengearbeitet und über viele Jahre ein sehr gutes Verhältnis zu ihm gehabt, wir waren uns sehr verbunden. Das Eishockey waren seine beiden Beine, auf denen er gestanden hat. Er hat sich nie in den Vordergrund gespielt und für diesen Sport gelebt und ihn in Deutschland vorangebracht. Auch war er einer aus der alten Kategorie von Sportführern, die leider inzwischen sehr selten geworden ist.“

Die Eishockey-Arena am Füssener Kobelhang, an deren Bau er ebenso maßgeblich beteiligt war, trägt heute seinen Namen. Otto Wanners einhundertster Geburtstag ist am 26. Juni.

Text: Lars Peter Schwarz · Foto: Archiv Stadt Füssen

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