Menschen

Otto Wanner

Ein Mann der Taten

(26. Juni 1919 – 26. Juli 2004)

Er war Stadtrat, Kreisrat, Bürgermeister und Ehrenbürger, Ehrenpräsident oder sogar Chef de Mission, manche haben ihn gar den „König von Füssen“ bezeichnet, ein demokratisch gewähltes kommunales Blaublut sozusagen. Vor 100 Jahren wurde Otto Wanner geboren. Seine Verdienste für seine Heimat, vor allem für den Eishockeysport in Deutschland, waren groß und sind noch heute spür- und sichtbar. Doch wer war diese Persönlichkeit wirklich? Der Sportfunktionär und Kommunalpolitiker galt als überaus pressescheu und war alles andere als jemand, der es liebte, im Mittelpunkt oder gar im Rampenlicht zu stehen. So wäre er in der heutigen Zeit wohl eher ein wahrlich schlechter „Social Media User“ gewesen. Allerdings hätte er aber jede Menge Stoff für Geschichten und Nachrichten geliefert. All sein Wirken und seine zahlreichen Tätigkeiten zusammenzufassen würden in der Tat jeden Rahmen sprengen. „Die Familie stammte ursprünglich aus der Schweiz“, erzählen Otto Wanners Söhne Michael und Joachim im Gespräch mit uns. „Unser Vater ist in einer sehr großen Familie aufgewachsen. Schon unser Großvater, also Ottos Vater, hatte dreizehn Geschwister. Ende der dreißiger Jahre kam er schließlich als Schulrat von Klosterlechfeld nach Füssen. Unser Vater war damals gerade mal um die zwanzig und leistete seinen Wehrdienst, der ihn dann nach Frankreich brachte, weil der Krieg kam.“

Frühaufsteher und Kartenspieler

Nach seiner Rückkehr fand Wanner umgehend eine Anstellung beim Landkreis Füssen. In seiner Funktion als Kreisfinanzsachbearbeiter war er bis zur Gebietsreform 1972 auch zugleich Verwalter des Füssener Kreiskrankenhauses. „Wir hatten eine tolle Kindheit“, erinnert sich Joachim. „Gewohnt haben wir zuerst in der Kemptener Straße 2, gleich da am Eck. Da haben wir beim Eishockeyspielen auch immer die Fensterscheiben eingeschossen. Die Schläger hat der Schreiner Filser hergestellt. Durch die Position unseres Vaters in der Führung des Krankenhauses sind wir dann anschließend in eine Dienstwohnung unterhalb des Klosters gezogen.“ „Er war ein absoluter Frühaufsteher“, ergänzt Michael Wanner. „Aufgestanden ist er meistens schon früh um halb sechs. Wenn irgendwo im Stadtgebiet gebaut wurde, war er oft schon vor den Arbeitern auf den Baustellen unterwegs, um sich ein Bild zu machen. Nachmittags saß er dann oft mit seinen Freunden beim Kartenspielen zusammen, ob im Hechten in der Ritterstraße, beim Geiger in Hopfen oder oben auf der Bleckenau. Zu den Sitzungen des Stadtrates am Abend war er dann aber immer rechtzeitig wieder zurück.“

Mit der Wahl zum Bürgermeister verbunden waren auch Berufungen in die Führungsriegen einiger Gremien und Verbände. So saß Otto Wanner nicht nur im Zweckverband und Verwaltungsrat der Kreis- und Stadtsparkasse Füssen. Er war auch Geschäftsführer der Tegelberg GmbH, stellvertretender Vorsitzender des Tegelberg-Sesselbahn-Zweckverbandes, Vorstandsmitglied des Fremdenverkehrsverbandes Allgäu-Bayerisch Schwaben, Vorsitzender des Abwasserzweckverbandes Füssen, Mitglied des Bayerischen Krankenkassenbeirats, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Füssener Textil AG oder auch Mitglied des Regionalen Planungsverbandes Allgäu. Politisch aktiv war Wanner allerdings schon viel früher, denn bereits 1960 wurde er in den Füssener Stadtrat gewählt. Fünf Jahre später wurde er geschäftsführender Vorstand des Siedlungswerkes Füssen, bevor er dann von 1971 bis 1974 als ehrenamtlicher zweiter Bürgermeister und Leiter des Bauausschusses fungierte. „Der Vater war zuerst bei den Freien Wählern mit dabei“, sagt Sohn Joachim. „Das war er auch noch, als er dann Bürgermeister geworden ist. Nach einem Jahr ist er aber dann zur CSU übergewechselt. Insgesamt ist er drei Mal gewählt worden. Er hatte das Glück, dass die Wahlen einen Monat vor seinem 65. Geburtstag stattfanden, also kurz vor der Altersgrenze für hauptamtliche Bürgermeister.“

Große Leidenschaft Eishockey

„Von seinen vielen politischen Tätigkeiten und Themen haben wir zuhause allerdings nicht viel mitbekommen“, so die beiden Söhne. „Aber das Eishockey war natürlich immer ein Thema.“ In der Tat lag der Eishockeysport Otto Wanner Zeit seines Lebens besonders am Herzen. Lange Jahre war er in verantwortlichen Positionen für den heimischen EV Füssen tätig. So unterstützte er den Verein bei der Errichtung des Kunsteisstadions und schließlich auch beim Bau des Bundesleistungszentrums 1973. Maßgeblich beteiligt war er ebenso am Bau der neuen Eishockey-Arena am Kobelhang. Das Amt des Präsidenten des Deutschen Eishockey Bundes bekleidete er insgesamt 28 Jahre lang, von 1964 bis 1992. Wanner setzte sich vor allem für den Aufbau der Nationalmannschaften ein und förderte internationale Sportbegegnungen. Bei den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporro vertrat er als Chef de Mission im Einsatz das Nationale Olympische Komitee. Heute trägt die Arena des Bundesleistungszentrums für Eishockey den Namen des Altbürgermeisters und Ehrenbürgers.

Respekt vor den politischen Gegnern

„Unser Vater war ein Macher. Einer, der nicht nur über Vieles geredet hat, sondern auch dafür gesorgt hat, dass Vieles umgesetzt wurde. Und das, obwohl er oft heftigen Gegenwind bekam.“ Immerhin hatte Wanner in seiner Amtszeit eine ganze Reihe von zukunftsweisenden Projekten angestoßen und realisiert. Darunter waren unter anderem der Bau der Kurhäuser, die Neugestaltung der Füssener Wasserversorgung und der Bau einer neuen Kläranlage, die Erschließung der Gewerbegebiete im Füssener Westen sowie in der Kemptener Straße. Er sorgte für die Restaurierung des Klosters St. Mang und die damit verbundene Verlegung des Rathauses bis hin zur Neugestaltung der Hopfener Uferpromenade. „Was glauben Sie, wie allein die Füssener Geschäftswelt geschimpft hat, als damals die Reichenstraße zur Fußgängerzone umgewandelt wurde? Auch das war eine seiner Ideen.“ Schließlich musste Wanner für seine Vorhaben auch zum Teil deftige Kritik einstecken, was ihn allerdings eher selten tangierte. Dass aber nicht immer alle Rechnungen aufgingen, zeigten vor allem die Projekte Hallenbad und Kurhaus, die über Jahre hinweg wie Fässer ohne Boden bezuschusst werden mussten, um letztendlich dann doch abgerissen zu werden. „Trotzdem versuchte er stets auch mit seinen politischen Gegnern ein gutes Verhältnis zu pflegen. Das war ihm sehr wichtig.“

Wanner blieb Oberster Mann im Rathaus, bis er 1990 schließlich von Paul Wengert abgelöst wurde. Zudem war er von 1971 bis 1996 Mitglied des Kreistages im Landkreis Ostallgäu. Im Alter von 85 Jahren ist Otto Wanner im Herbst 2004 in Kaufbeuren gestorben. Sein einhundertster Geburtstag ist am 26. Juni.

Text: Lars Peter Schwarz · Foto: privat

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