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FSME

Frühlingszeit ist Zeckenzeit

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat in diesem Jahr früher als in der Vergangenheit bereits am 14. Februar das Epidemiologische Bulletin mit Schwerpunkt FSME herausgegeben.
Im Jahr 2018 wurden vergleichsweise viele FSME-Erkrankungen gemeldet, nämlich 583 Fälle (Stand: 17.01.2019). Auffällig für das vergangene Jahr war zudem der sehr frühe Anstieg der Fallzahlen im April und Mai, womit Experten normalerweise erst ab Juni rechnen.
2018: Hohe FSME-Fallzahlen trotz eher geringer Zeckenaktivität
Laut Dr. Olaf Kahl, Biologe und Zeckenspezialist (siehe auch
www.zecken-radar.de), korrelieren beide Beobachtungen mit den Wetterdaten.

Der frühe Anstieg der Fallzahlen erklärt sich so: Der März war lange winterlich kalt, die Zecken mussten noch „in den Startlöchern“ sitzenbleiben. Anfang April schaltete das Wetter dann schlagartig von Winter auf Sommer um. Das lockte zum einen die Zecken aus ihren Winterquartieren, zum anderen auch die Menschen nach draußen. Eine hohe Exposition fiel also mit einer relativ hohen Zeckenaktivität zu dieser Zeit zusammen. Kahl hat im vergangenen Jahr an 23 Stellen monatlich die Zeckenaktivität gemessen. Sie war insgesamt im Vergleich zu anderen Jahren eher gering. Der Grund liegt auf der Hand: Zecken benötigen eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit, die im April/Mai noch eher gegeben war, später im Jahr nicht mehr. Für die hohen Fallzahlen macht der Experte daher vor allem die Exposition verantwortlich.

Fast alle Erkrankten waren nicht ausreichend geimpft

Übrigens: Ein Großteil der Erkrankungen wäre laut RKI wohl vermeidbar gewesen. 98 Prozent der 2018 erfassten FSME-Patienten waren nicht oder nur unzureichend geimpft. In Anbetracht der Tatsache, dass bei 56 Prozent der übermittelten Erkrankungen neurologische Manifestationen wie eine Meningitis, Enzephalitis oder Myelitis angegeben wurden, sollte dies ein gewichtiges Argument für die Impfung sein.

Ausdehnung der Risikogebiete in Deutschland und der Schweiz

Es zeigt sich, dass der Trend der vergangenen Jahre anhält: Fünf weitere Kreise werden hierzulande zu FSME Risikogebieten erklärt. Mit dem Emsland ist erstmals auch ein Landkreis in Niedersachsen dabei. Die vier anderen grenzen an bekannte Risikogebiete: ein Kreis in Sachsen (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) sowie drei Kreise in Bayern (Landkreise Garmisch-Partenkirchen und Landsberg a. Lech sowie der Stadtkreis Kaufbeuren).

Auch für die Schweiz meldet das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BaG) eine Ausdehnung der Risikogebiete.

Seit 2005 schwanken die Fallzahlen in der Alpenrepublik zwischen 100 und 250 Fällen pro Jahr. In den letzten Jahren ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen, im Jahr 2018 wurde mit 377 gemeldeten Fällen eine Rekordhöhe erreicht. Die Ursachen für den Anstieg sieht das BAG u. a. in günstigen klimatischen Bedingungen für Zecken und einem Wetter, das die Menschen vermehrt ins Freie lockt. In den frühen 2000er Jahren befanden sich die am stärksten betroffenen Gebiete in der Nordostschweiz. Sie breiteten sich seither nach und nach Richtung Süden und Westen aus. Nur die Kantone Genf und Tessin wurden bisher weitgehend verschont. Die Behörde hat die Risikogebiete angepasst und empfiehlt nun in der ganzen Schweiz – mit Ausnahme der Kantone Genf und Tessin – Personen, die bei Aktivitäten im Freien Zecken ausgesetzt sind, die Impfung gegen FSME. Dies sollte auch hierzulande bei der Reise-Impfberatung berücksichtigt werden.

Quellen:

  1. Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 7/2019
  2. Bundesamt für Gesundheit BAG, BAG-Bulletin 6 vom 4. Februar 2019: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Ausweitung der Risikogebiete

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