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Ein Fonds für das Festspielhaus

Ein geschlossener Fonds soll die Finanzierung des Hotelprojekts sichern

Manfred Rietzler ist wieder in Thailand. Dort hat er seinen Lebensmittelpunkt. Nichtsdestotrotz ist der Chef des Festspielhauses in Füssen oft am Forggensee, um sich um das, wie er es nennt, große Haus zu kümmern. Und tatsächlich gibt es viel zu tun. Das geplante Hotelprojekt ist noch nicht in trockenen Tüchern. Der BUND Naturschutz will dagegen klagen.

Wird das Hotelprojekt nicht realisiert, stehen die Chancen nicht gut das Festspielhaus weiterhin betreiben zu können. Letztes Jahr soll das Theaterhaus 2,5 Millionen Euro defizitär gewesen sein. Manfred Rietzler dementiert. „Wir haben ein Defizit in siebenstelliger Höhe. Wie hoch der genaue Betrag ist, weiß ich noch nicht. Das wird momentan in der Buchhaltung geprüft.“ 100 eigene und 30 Fremdveranstaltungen finden dieses Jahr statt. Dass sie „etwas“ Geld verdienen, bestätigt Rietzler. Doch nicht genug, um die Gesamt-Fixkosten von zwei Millionen Euro im Jahr zu refinanzieren. Denn nur etwa ein Drittel bis 50 Prozent aus den Einnahmen der Veranstaltungen werden damit gedeckt. „Ich kann für ein paar Jahre einspringen, aber nicht für die nächsten 30 Jahre“, so der Theaterchef. Finanzierungsprobleme, das Hotelprojekt eventuell nicht stemmen zu können, gibt es nach seinen Aussagen nicht. „Meine bevorzugte Version der Finanzierung ist ein geschlossener Immobilienfonds mit Sitz in München, der deutsche Anleger anspricht. Diesen Fonds bereiten wir gerade vor“, erklärt er. Geschlossene Immobilienfonds legen ihr Geld meist in einige wenige Objekte an, zum Beispiel Hotels, Krankenhäuser oder Einkaufszentren. Die Investoren werden zum Miteigentümer dieser Objekte und tragen das Risiko von Gewinnen und Verlusten. Bei offenen Immobilienfonds ist das Fondsvermögen meist nicht gedeckelt. Es wächst, wenn neue Anleger Anteile erwerben und dem Fonds damit Geld zufließt. Bei geschlossenen Fonds hingegen ist das Volumen beschränkt. Wenn alle Anteile verkauft sind, wird der Fonds geschlossen. Danach werden keine neuen Anleger mehr aufgenommen. Für den Festspielhaus-Immobilienfonds rechnet Manfred Rietzler mit zehn soliden Investoren aus dem Bereich der Wirtschaft und Versicherungen. „Die Finanzierung wird kein Problem sein, vielmehr die Erhaltung der Bau-Genehmigung und die Umweltschützer. Aber wir haben alles sehr sorgfälltig geplant, deswegen bin ich zuversichtlich, dass es klappen wird. Mir ist klar, der Bau ist nicht klein, aber kleiner bauen kann ich es nicht. Es muss eine Rentabilität gegeben sein.“ Rietzler sieht sich als einen heimatnahen Investor, der ehrliche Absichten hat. Auf der Internationalen Tourismusmesse in Berlin traf er den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und stellte ihm das Festspielhaus Füssen vor.

Ehrliche Absichten haben dagegen die oder der Täter nicht, die schon drei Mal in die Bar-Kasse gegriffen haben. Ob es Mitarbeiter vom Festspielhaus sind, konnte nicht ermittelt werden. Durch den Einwurfschlitz des Tresors wurden die Kuverts mit den Geldern mit einer langen Pinzette herausgezogen und entwendet. Einige Tausend Euro wurden so gestohlen. „Es ist ein langer und mühsamer Prozess ein gutes Team zu finden. So wie es ist, bin ich nicht zufrieden. Wir werden unser Team noch einmal verändern müssen.“

Kurz nachgefragt bei Manfred Rietzler

Warum sind Sie sich so sicher, dass die Kombination Festspielhaus und Hotel gut funktionieren wird und Ihnen eine Rentabilität bringen wird?
Die Geschäftsmodelle von Hotels sind heutzutage sehr gut modellierbar. Es gibt solide Statistiken bezüglich der relevanten Gästegruppen, der Tarife und auch bezüglich der Betriebskosten.Somit ist die Ertragslage aus dem Hotelbetrieb gut kalkulierbar. Hinzu kommen die Synergien zwischen Hotel und Festspielhaus. Diese liegen einerseits in der gegenseitigen Verteilung der Besucherströme, anderseits in der Zusammenlegung der verschiedenen Gastronomiebereiche. Somit ergibt sich einfach eine bessere Auslastung für alle Bereiche.

Ein geschlossener Fonds ist zehn bis fünfzehn Jahre “in sich ruhend”,
was passiert danach?

Der Fonds ruht ja nicht, sondern schüttet während der Fonds-laufzeit jährlich Dividenden aus – darin liegt der laufende Ertrag.Nach der Fondslaufzeit wird in der Regel der alte Fonds geschlossen und ein neuer Fonds aufgelegt. Die Fondskonditionen des neuen Fonds werden dann entsprechend an der Wertentwicklung der Objekte festgelegt. Dies ist ein normaler Vorgang. Neben dem Fonds werde ich als Gesellschafter auch weiterhin im Festspielhaus bleiben. Hierbei ist es mein Anliegen, die Stimmrechtsmehrheiten so lange wie möglich zu behalten, um die Entwicklung des Hauses in die richtige Richtung zu lenken.

Text: rie · Foto: Hubert Riegger

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