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Mutter der Mütter – Anna Dengel

Premiere am 12. Juli auf der Geierwally-Freilichtbühne in Elbigenalp

„Anna – Mutter der Mütter / Heilerin aus dem Lechtal“ von Claudia Lang-Forcher erzählt die Geschichte einer starken Lechtalerin, die allen Widerständen zum Trotz den Orden „Missionsärztliche Schwestern“ gründet.

Anna Dengel wurde am 16. März 1892 als Älteste von neun Kindern in Steeg/Lechtal geboren. Anna ist erst acht Jahre alt, als sie am 24. Oktober 1900 ihre Mutter Gertrud Dengel, geb. Scheidle durch eine Lungenentzündung verliert. Hätte man ihr als Mädchen vorausgesagt, wohin sie ihr Lebensweg führen wird, hätte sie wohl fassungslos den Kopf geschüttelt.

Der frühe Tod der Mutter löst einen Urschmerz in Anna aus und stürzt sie in eine tiefe Lebenskrise, aus der sie sich nur langsam erholt. Doch dann steht ihre Entscheidung fest. Sie will alles dafür tun, dass kein Kind mutterlos durchs Leben geht. Sie gibt ihr eigenes Leben für diese Aufgabe hin. In einer Zeit, in der in Österreich noch kein Medizinstudium für Frauen möglich ist, geht sie als junge Frau nach Cork um zu studieren, um als Ärztin heilen zu können. Mitten im ersten Weltkrieg erkennt sie den Wahnsinn des Tötens, der alles das bedroht, was Frauen schaffen: Heimat, Familie, Geborgenheit.

Anna Dengel versteht, dass Asien ein schlafender Riese ist und dass der Weltfrieden davon abhängt, ob männliche Rivalität „das Sagen” hat, oder ob die Frauen in Asien ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft einnehmen können. Deswegen geht sie in die Mission. Im Oktober 1920 begann sie ihre Tätigkeit in Rawalpindi im damaligen Indien (heute Pakistan). Dort durften sich die einheimischen Frauen aufgrund religiöser und kultureller Bräuche außerhalb der Familie keinem Mann zeigen – somit war in der Regel auch keine ärztliche Behandlung möglich. Ärztinnen waren rar.

Anna erlebte in Rawalpindi unsägliches Leid, Krankheit und Sterben. Vieles davon hätte mit guter medizinischer Vorsorge und Behandlung verhindert werden können. Anna war überwältigt von der Not und dem Elend, das sie umgab. Die Arbeit im Krankenhaus, in der Ambulanz, bei den Hausbesuchen, das Sprachstudium, Schwierigkeiten außen und innen füllten die Tage bis über den Rand aus und führten schließlich zur totalen Erschöpfung. Im vierten Jahr überkam sie etwas, was sie nicht deuten konnte; eine tiefe innere Dunkelheit, die Anna selbst nur als „Nacht der Seele“ bezeichnen konnte. „Zu diesem Zeitpunkt meines Lebens begann der Weg sich zu dem abzuzeichnen, den Gott für mich wollte.“Wie der Wasserdoktor Sebastian Kneipp steht Anna Dengel im Spannungsfeld von Medizin und Kirche und unermüdlich sucht sie nach neuen Wegen, um ihre Ziele zu erreichen. Anna Dengel spürt, die Last ist zu schwer für ihre Schultern, sie braucht Verbündete.

Nach einem Besuch bei der Familie in Tirol fasst sie den Entschluss zur Gründung der „Missionsärztlichen Schwestern“. Doch erst muss sie den Vatikan zu einer Kurskorrektur bewegen. Denn ein altes Kirchengesetz verbietet die Mithilfe von Ordensleuten bei Operationen und Geburten. Anna Dengel ist hartnäckig, bleibt ihrer Vision treu und schafft es tatsächlich, dass der Vatikan es Ordensleuten ermöglicht, auch bei blutenden Wunden zu helfen.

Damit ist der Weg frei für die Ordensgründung der „Missionsärztlichen Schwestern“. Anfangs sind es nur 4 Frauen, die sich zu einer Gemeinschaft von Heilerinnen verbinden. Doch Anna Dengel ist erfüllt von ihrem Traum. Ihren Rückhalt fürs Leben hat sie in der Natur des Lechtals, zu dem sie immer Verbindung hält. Heute gibt es 50 Krankenhäuser in aller Welt, die Anna Dengel gegründet hat. Mutter Theresa ist eine Schülerin der Anna Dengel und wurde heiliggesprochen. Mutter Theresa war eigentlich der Ansicht, dass Anna Dengel heiliggesprochen werden sollte.

Buch und Regie: Claudia Lang-Forcher

„Ich erzähle nicht die Geschichte einer Nonne, sondern die Geschichte einer Heldin. Und ihre Waffe ist nicht das Schwert, sondern die Liebe, mit der sie um Heilung ringt” sagt Claudia Lang-Forcher über Anna Dengel. Claudia Lang-Forcher will Anna Dengel ein Denkmal setzen, dass ihrem gewaltigen Lebenswerk würdig ist. Sie schöpft dabei alle Möglichkeiten, die ihr die Technik und Beleuchtung der Geierwally Freilichtbühne bietet, aus. Als Regisseurin tut sie das, was sie am besten kann: Handlung, Bühne und Zuschauer zu einer magischen Einheit zu verbinden, so dass die Menschen nicht Zuschauer sind, sondern seelisch mit der Entwicklung der Akteure Hand in Hand gehen. Mit der Hauptrolle von Anna Dengel wird viel Aufwand betrieben – sie ist mit vier Schauspielerinnen besetzt, die Anna Dengel von der Kindheit bis ins Alter zeigen.

Ein Stück über eine Ordensfrau in einer Zeit, in welcher der Kirche die Menschen scharenweise davonlaufen – kann das gut gehen? „Natürlich!” sagt Claudia Lang-Forcher bestimmt, denn sie liebt Herausforderungen. Dem Zeitgeist zu dienen, ist nicht ihre Sache. Und genau diese Einstellung ist es, mit der sie in ihrer Zeit als künstlerische Leiterin die „Geierwally” zu einem leuchtenden Stern unter den Freilichtbühnen gemacht hat. Anna Dengel ist für Claudia Lang eine Herzensangelegenheit. Ehrung für Anna Dengel, deren Seele immer im Lechtal verwurzelt war, ist das eine. Das andere ist, auf die zukunftsweisende Spiritualität der Anna Dengel und ihres Ordens der „Missionsärztlichen Schwestern” hinzuweisen. Hier geht es nicht um Äußerlichkeiten, so erkennt man die Schwestern in der Nachfolge der Anna Dengel nicht am Habit, sondern nur an der inneren Haltung. Gemeinschaftlich leisten sie Heilungsarbeit in 48 Ländern der Erde an einer verwundeten Welt. Sie schenken Mütterlichkeit und Liebe und genau diese weiblichen Qualitäten sind es, die heute am nötigsten gebraucht werden.

TERMINE
Juli: Fr, 12., Sa, 13., Fr, 19., Sa, 20., Fr, 26., Sa, 27.,
August: Sa, 03., Fr, 09., Sa, 10., Fr, 16., Sa, 17., Fr, 23., Sa, 24., Fr, 30., Sa, 31.

Kartenvorverkauf
Tourismusverband Lechtal · Untergiblen 23
A-6652 Elbigenalp
Tel.: +43 (0) 5634 5315
geierwally@lechtal.at

Text · Fotos: Geierwally Freilichtbühne

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