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Probanden gesucht

Team Eggensberger will Schlafstörungen noch genauer erforschen und sucht Teilnehmer für eine Studie.

Sich am Abend ins Bett zu legen, einzuschlafen, durchzuschlafen und anschließend gut erholt und regeneriert aufzuwachen – für viele Menschen ist genau das in der heutigen Zeit ein großes Problem. Zu viel Druck im Beruf, zahlreiche Verpflichtungen oder die verschiedensten Ängste, sei es die Existenz, Gesundheit oder Familie, spielen dabei eine große Rolle. Ein Problem, das sogar immer schlimmer zu werden scheint, glaubt man an bisher veröffentlichte Statistiken und eine damit verbundene Dunkelziffer an nicht bekannten Fällen. Wie können Schlafprobleme und sogenannte lebensstilbedingte Schlafstörungen behandelt oder sogar gelöst werden? Kneipp- und Physiotherapeut Andreas Eggensberger aus Hopfen lässt diese Frage nicht los, zumal statistisch gesehen immerhin 26,7 Prozent aller Deutschen Schlafstörungen haben.

Zusammen mit der Ludwig-Maximilians-Universität in München hatte Füssen Tourismus bereits im vergangenen Jahr eine Studie zum Thema „Erholsamer Schlaf“ durchgeführt. Und tatsächlich: Das eigens für diese Studie entwickelte Kurs-Programm, in dem es um den Zusammenhang zwischen Schlaf und Wasser geht, bewirkte signifikante Verbesserungen bei Schlafqualität, Wohlbefinden, chronischer Stressbelastung und weiteren Zielgrößen. „Die im Rahmen unserer Studie gewonnenen Erkenntnisse belegen, dass das ganzheitliche naturheilkundliche Therapie-Konzept der Kneipp-Kur mit den fünf Elementen Wasser, Ernährung, Bewegung, Kräuter und innere Ordnung sehr gute und wirkungsvolle therapeutische Ansätze für die Sekundärprävention bei nicht organischen, lebensstilbedingten Schlafstörungen bietet“, hatte die LMU die Studienergebnisse zusammengefasst.

An diese Studie, an der Eggensberger auch als Therapeut mit beteiligt war, will er nun anknüpfen. „Das Ergebnis reicht mir nicht“, sagt er. „Die Studie war für mich nicht vollständig genug. Denn wir wissen nicht welchen Anteil die Hydrotherapie, also die Heilbehandlung durch Anwendung von Wasser, am Schlaf wirklich hat.“ Und genau das macht der Physiotherapeut nun zum Thema seiner Masterarbeit, für die er bereits eine Disposition an der Donau-Universität Krems in Österreich eingereicht hat. Sein Ziel ist es, in einer zwölf-wöchigen Interventionsstudie die Wirksamkeit der Hydrotherapie im Bezug auf das vegetative Nervensystem und folglich nichtorganische primäre Schlafstörungen zu prüfen.

Rund 80 Personen für Studie gesucht

Die Forschungsfrage besteht nun darin, ob eine Behandlung mit Hydrotherapie diese Schlafstörungen signifikant mehr beeinflussen kann, als in einer Vergleichsgruppe ohne Intervention. „Mitmachen kann dabei jeder im Alter von achtzehn bis 70 Jahren“, erklärt Eggensberger. „Die Probanden sind Menschen wie Du und ich, die im ganz normalen Arbeitsalltag stehen, ob in der Gastronomie, auf dem Bau oder sonst irgendeiner Branche. Das unterscheidet diese Studie auch von der der LMU, in der die Probanden quasi auf Kur waren.“ Vorgesehen sind etwa achtzig Personen, die an der Studie teilnehmen. Ob diese möglich ist, entscheidet sich nach einer sogenannten Polygraphie, bei der ein Gerät eine Nacht lang den Schlaf jedes Teilnehmers in heimischer Umgebung verfolgt und wichtige Körperfunktionen aufgezeichnet. Nach diesem Check im Vorfeld kommen die Probanden dann im ersten Teil der Studie für verschiedene Kneipp-Anwendungen dreimal pro Woche in das Therapiezentrum nach Hopfen. „Der Zeitaufwand beträgt dabei jeweils rund 45 Minuten an drei festen Tagen in der Woche“, so der Kneipp-Bademeister.

„Dabei teilen wir die Probanden in zwei Gruppen, wobei eine Gruppe montags, mittwochs und freitags im Haus ist, die andere dienstags, donnerstags und samstags. Die genaue Uhrzeit können die Probanden selbst festlegen, wichtig ist aber, dass es am Vormittag stattfindet.“ Denn zusätzlich sorgen die Probanden auch selbst für abendliche Güsse zuhause. Nach sechs Wochen führen die Teilnehmer dann für weitere sechs Wochen alle Anwendungen komplett selbst durch. Begleitend zu der Studie, bei der das Team von Eggensberger auch eng mit dem Schlaflabor in Kempten zusammenarbeitet, führen die Probanden ein sogenanntes Schlaftagebuch, in dem sie ihr eigenes Schlafverhalten dokumentieren.

„Sympathikus” und „Parasympathikus“

Am Ende des je sechswöchigen Erhebungszeitraums werden die Tagebücher schließlich ausgewertet. Zudem werden regelmäßig nach jeder Woche sowie zusätzlich nach einem, drei und sechs Monaten sogenannte HRV-Messungen durchgeführt, mit denen die Abstände des Herzschlags gemessen werden. „Diese Herz-Raten-Variante gibt uns Informationen über den sogenannten Parasympathikus, der durchaus auch den Schlaf beeinflussen kann“, so der Kneipptherapeut. „Der Parasympathikus steht im Gegensatz zum Sympathikus, der uns aufputscht. Viele haben beim Schlafen genau dieses Problem: Der Sympathikus ist zu hoch, das heißt die Leute sind gestresst, haben den Kopf voll. Und beim Schlafen braucht man eben das Gegenteil. Damit man zur Ruhe kommt, trainieren wir mit Kneipp den Parasympathikus. Wir trainieren also das Runterkommen.” Mit seiner Studie beginnen will Andreas Eggensberger bereits im Frühjahr. Potentielle Probanden können sich also ab sofort im Therapiezentrum Eggensberger in Hopfen melden. Nach Ablauf der Studienlaufzeit erhalten die Probanden eine minimale Aufwandsentschädigung. „Wir gehen immerhin auch davon aus, dass Menschen, die an Schlafstörungen leiden, auch selbst einen großen Beitrag dazu leisten wollen, dass sie in Zukunft wieder gut schlafen können.“

Therapiezentrum Eggensberger
Ringweg 4-6 · 87629 Füssen – Hopfen am See
Tel.: 08362 / 9103-613 · www.reha-hopfen.de
E-Mail: kneippstudie@reha-hopfen.de

Text: Lars Peter Schwarz · Foto: Therapiezentrum Eggensberger

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